Eis und heiß für den Kanalbau

Ahaus Oben wächst der Mais, gedeiht die Gerste und fließt die Aa wie eh und je - während einige Meter unter der Krume und unter dem Flussbett auf einer Länge von 670 Metern eine Hauptschlagader des Abwassersystems saniert wird. "Schlauchlining", bei dem Eis und Hitze wichtige Zutaten sind, ermöglicht die Zeit und Aufwand sparende Renovierung.

07.07.2008, 19:31 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eis und heiß für den Kanalbau

Kamerauntersuchungen hatten vor einem Jahr gezeigt, dass der Hauptsammler West, durch den das gesamte Abwasser des Stadtgebietes Ahaus (ohne Gewerbegebiet) sowie aus Wessum fließt, auf dem Teilstück zwischen der alten Kläranlage am Kusenhook und dem Zentralklärwerk marode ist (Münsterland Zeitung berichtete). Eine konventionelle Kanalerneuerung mit Aufgrabung und Austausch, so Martin Köning vom Fachbereich Tiefbau, hätte deutlich mehr als ein halbes Jahr Bauzeit erfordert - ganz abgesehen vom groben Einschnitt in die Landschaft.

Von 0 auf 90 Grad

Beim Schlauchlining wird eisgekühltes und daher elastisches Polyesterharz, das auf einem Nadelfilzschlauch aufgebracht ist, mit Wasserdruck in den alten Betonkanal gepresst - wie eine mit Wasser gefüllte Wurst. Dann wird das Wasser auf 90 Grad erhitzt, so dass das Polyesterharz aushärtet. Dann muss nur noch das "Wurstende" abgefräst werden - fertig ist das neue Abwasserrohr.

Aufgrund der Krümmungen im Kanalverlauf wird die 670 Meter lange Strecke allerdings nicht in einem Zug, sondern in vier Bauabschnitten saniert. Gestern Abend wurden die ersten 112 Meter in den Kanal gepresst. Jetzt folgen noch ein 230, ein 340 und schließlich noch eine 18 Meter langes Teilstück. In 14 Tagen, so schätzt Bauleiter Robert Lilie, ist die ganze Kanalsanierung abgeschlossen.

Und was passiert so lange mit den Abwässern, die eigentlich durch den Hauptsammler fließen, immerhin 160 bis 200 Liter pro Sekunde? Eigens für die Bauzeit wurde oberirdisch eine Druckrohleitung aus Kunststoff (kleines Foto) verlegt, durch die das Abwasser in das einen halben Kilometer entfernte Zentralklärwerk gepumpt wird.

Die neue Schlauchlinerleitung hat eine Lebensdauer von etwa 50 Jahren, "manche sagen sogar 75 Jahre", erklärt Kanalexperte Matthias Borkenfeld vom begleitenden Ingenieurbüro Tutthas & Meyer.

Roboter fräst Anschlüsse

Das Schlauchlining-Verfahren wurde in Ahaus bislang noch nie in so großem Maßstab angewendet, wohl aber in kurzen Teilstücken an der Coesfelder Straße und Am Fasanengarten. Martin Köning: "Das Verfahren bietet sich vor allem dort an, wo wenig oder keine Hausanschlüsse sind. Für die müssen nämlich eigens wieder Löcher in das Kunststoffrohr gefräst werden. Aber auch das ist möglich: mit einem Roboterverfahren vom Inneren des Kanals aus." gro

<p>Zentimeter für Zentimeter schiebt das Wasser den eisgekühlten Schlauch über einen Kontrollschacht in den alten Betonkanal, wo er dann prall gefüllt fast bis zum Siedepunkt erhitzt wird, um auszuhärten. Grothues</p>

<p>Zentimeter für Zentimeter schiebt das Wasser den eisgekühlten Schlauch über einen Kontrollschacht in den alten Betonkanal, wo er dann prall gefüllt fast bis zum Siedepunkt erhitzt wird, um auszuhärten. Grothues</p>

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