Einblicke aus dem Corona-Alltag: Wenn der Pausengong vom Handy kommt

Kolumne zum Coronavirus

Als Vater eines neunjährigen Sohnes ist unser Redakteur Christian Bödding in den nächsten Wochen auch als „Hauslehrer“ gefordert. Das stellt ihn vor einige Herausforderungen.

Ahaus

, 17.03.2020, 19:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Probates Unterrichtsmittel im Fach Deutsch: ein Diktat.

Probates Unterrichtsmittel im Fach Deutsch: ein Diktat. © Christian Bödding

„Corona-Ferien?“ Gibt’s nicht. Wohlweislich hat die Klasse unseres neunjährigen Sohnes am Freitag schon jede Menge Arbeitsblätter mit nach Hause bekommen. Es gilt, die nächsten drei Wochen die „Schulzeit“ bis zum Beginn der regulären Osterferien einigermaßen sinnvoll zu füllen.

Backofenuhr gewinnt

Also gut, „spielen“ wir in den eigenen vier Wänden Schule. Wobei der Unterricht am Montagmorgen mit leichter Verzögerung begann. Erst musste mit dem Filius geklärt werden, ob sein Wecker die 45 Minuten-Schulstunde anzeigt, oder ob wir die Backofenuhr stellen. Ergebnis: Der Backofen hat gewonnen. Dafür kommt der Pausengong vom Handy.

Pädagogisch durchaus diskussionswürdig – aber am Montagmorgen setzte ich erst einmal den alten Stundenplan außer Kraft. Englisch, Sachunterricht und Mathe – gestrichen. Die ganze Aufmerksamkeit des Drittklässlers sollte insgesamt drei Schulstunden zu je 45 Minuten einzig und allein den Adjektiven, also Wiewörtern, gelten.

Neben dem Arbeitsblatt der Schule war ich zum Unterrichtsauftakt mit weiterem Lernstoff gewappnet. Am Sonntagabend bin ich nach längerer Suche im Internet auf einer Lernplattform hängengeblieben, die kostenlose Arbeitsblätter für die Grundschule zum Download bereitstellt.

Drei Schulstunden Unterricht

Was soll ich sagen, mit „Adjektive rückwärts lesen“, der Steigerung von Adjektiven, Lückentexten, der Gegenteilsuche und einem Diktat waren die drei Stunden gut gefüllt.

Mir hat der Unterricht Spaß gemacht. „Mir auch“, sagte mein Sohn anschließend. Fünf Minuten später sagte er aber noch mehr: „Papa, die Schule fehlt mir jetzt schon.“ Präziser: vor allem die Klassenkameraden, das gemeinsame Herumtoben in der großen Pause und die nette Sport- und Mathelehrerin.

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Es werden harte Wochen Unterricht auf uns zukommen, da bin ich sicher. Wechselweise wollen wir die Schulstunden mit Deutsch, Mathematik und Sachkunde füllen. Kunst knicken wir uns mangels Talent. Sport werde ich kickend im Garten und auf der Spielkonsole unterrichten. Wann sind endlich Ferien!?

Nachtrag: Am Montagnachmittag kam der Wochenplan mit dem Unterrichtsstoff für die Klasse. Die ausgedruckten Arbeitsblätter zu den Adjektiven lege ich erst mal weg. Die bearbeiten wir, wenn überhaupt, in den Osterferien.

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