Ein Herz für Kombifahrer mit viel Zeit

dzKommentar

Ab 2020 entfällt die Sperrmüllsammlung in Ahaus. Der Müll kann dann kostenfrei nur noch am neuen Wertstoffhof abgegeben werden. Dazu ein Kommentar von unserem Redakteur Christian Bödding.

Ahaus

, 26.09.2019, 19:00 Uhr / Lesedauer: 1 min

Sie sind Ahauser? Sie haben ein Auto mit Anhängerkupplung, einen Anhänger und sind dienstags bis donnerstags schon spätestens um kurz vor 17 Uhr zu Hause? Oder Sie verfügen über einen Kombi? Herzlichen Glückwunsch! Für Sie ist die Neuregelung der Sperrmüllabfuhr wie gemacht.

Ab 2020 wird die jährliche kostenlose Sperrmüllsammlung in Ahaus eingestellt. Bürger müssen ihren Sperrmüll dann zum neuen Wertstoffhof bringen. Die Alternative: Sie lassen den Sperrmüll von der Firma Stenau abholen. Doch das kostet eine Servicegebühr. Die Stadt dreht die Sperrmüllabfuhr damit praktisch komplett um: Von der Holschuld zur Bringschuld. Das als Service zu verkaufen – Hut ab.

Auf Nachbarn angewiesen

Wer nicht sonderlich mobil ist – Ahauser ohne eigenes Auto zum Beispiel, oder Senioren – sie alle dürften wohl auf Nachbarschaftshilfe angewiesen sein. Ich vermute aber, dass die Stadt diesen schönen Nebeneffekt eher unabsichtlich in ihre Betrachtungen mit einbezogen hat.

Selber anliefern ist künftig zwar kostenlos, dürfte aber einiges an Nerven kosten. Hat sich die Stadt die Örtlichkeit mal angesehen? Wer ist auf die geniale Idee gekommen, die Zufahrt zum Wertstoffhof in eine relativ kurze Sackgasse zu legen? Das Verkehrschaos gerade an Samstagen dürfte in der Max-Planck-Straße vorprogrammiert sein.

Mülltouristen

Mir tut jetzt schon der Stenau-Mitarbeiter leid, der dafür sorgt, dass alle in der Spur bleiben und keiner überholt. Und dann soll er noch kontrollieren, ob auch tatsächlich nur Ahauser ihren Sperrmüll abliefern. Schließlich gibt‘s ja Mülltouristen, die sich die im eigenen Ort zu entrichtende Sperrmüllgebühr sparen wollen.

Hat das Ganze denn überhaupt Vorteile? Ja, mir fallen sogar zwei ein. Ahaus verliert sein Schmuddelimage, das ihm einmal im Jahr bei der Sperrmüllsammlung anhaftete. Und Ahauser müssen ihren Sperrmüll nicht mehr monatelang sammeln. Ich vermute aber, dass viele ab Januar lieber wieder mit ihrem Müll zuhause warten würden, als im Auto vor der Max-Planck-Straße.

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