Schon die Vorspeise wusste zu überzeugen: Carpaccio mit Rucola, Parmesan und reichlich Olivenöl. © Johannes Schmittmann
Corona-Restaurant-Check

Drei-Gänge-Menü von Mona Lisa ist ein Stück Italien für kalte Wintertage

Wenigstens bis zum 20. Dezember bleiben Restaurants geschlossen. Viele Betriebe setzen nun auf das Außer-Haus-Geschäft. Wir haben mit dem Restaurant „Mona Lisa“ das erste Lokal getestet.

Logbuch, Tag 9 in der Quarantäne: Trotz fleißiger Einkaufshelfer leert sich der Vorratsschrank. Die letzte Portion Nudeln landete am Vortag im Kochtopf. Meine Freundin und ich entscheiden, unser Schicksal in die Hände der lokalen Gastronomie zu legen. Es ist später Samstagnachmittag, 17.12 Uhr.

Anruf bei Mona Lisa: Josef Lang, Betreiber des einzigen italienischen Restaurants in Ahaus, meldet sich persönlich und nimmt die Bestellung entgegen. Seine Laune scheint vom „Lockdown Light“ nicht getrübt. Er überrascht mich mit der Aussage, dass es trotz Corona keine reduzierte Speisekarte gebe. Das ist bei fast allen vergleichbaren Restaurants anders. Also notiert er: Büffelmozzarella und Carpaccio zur Vorspeise, Saltimbocca und Tagliatelle alla Crema di Scampi zur Hauptspeise. Beim Dessert, muss der Betreiber gestehen, sei die Auswahl dann doch reduziert. Wir wählen einmal das Tartufo und einmal Semifreddo Torroncio (halbgefrorene Haselnussmousse). Meinen echten Namen nenne ich übrigens nicht, um den Test authentisch zu gestalten.

Die Abholung

Am Telefon vereinbaren wir mit Josef Lang, dass das Essen um 19 Uhr abgeholt werden kann. Pünktlich trifft mein Vater ein. Am Empfang bittet man ihn, sich noch kurz zu gedulden. Dann eine schlechte Nachricht: „Die Haselnussmousse ist aus. Als Nachtisch gibt es nur noch Tartufo.“ Kurzer Anruf beim Sohnemann, der nickt ab. Um 19.10 Uhr verlässt mein Vater das Lokal, keine fünf Minuten später stellt er das Essen vor unserer Haustür ab. Anders als bei Lieferando ganz ohne Pauschale.

Die Verpackung

Das Drei-Gang-Menü ist – wie passend – in drei dünne Plastiktüten verpackt. Bei den Hauptspeisen wird mit Alufolie gearbeitet, bei Dessert, Vorspeise und Beilagensalat mit Styropor und Plastikdeckeln. Greta Thunberg wäre darüber nicht begeistert. Allerdings fällt mir als Laie zumindest für das Hauptgerichte keine bezahlbare Alternative ein, um das Essen heiß zu halten.

Wer Essen bestellt, produziert in der Regel eine Menge Verpackungsmüll. Mona Lisa ist in dieser Hinsicht keine Ausnahme.
Wer Essen bestellt, produziert in der Regel eine Menge Verpackungsmüll. Mona Lisa ist in dieser Hinsicht keine Ausnahme. © Johannes Schmittmann © Johannes Schmittmann

Die Vorspeise

Büffelmozzarella und Carpaccio vom Styroporteller zu essen, ist für den Italiener wie Aperol Spritz aus der Schnabeltasse zu trinken. Non è un’opzione! Also packen wir die Vorspeisen auf die vorbereiteten Teller. Beim Carpaccio klappt das Anrichten eher suboptimal. Nun aber zur wichtigsten Frage: Schmeckt es?

Die zweite Vorspeise: Büffelmozzarella mit Parmaschinken und eingelegten Tomaten.
Die zweite Vorspeise: Büffelmozzarella mit Parmaschinken und eingelegten Tomaten. © Johannes Schmittmann © Johannes Schmittmann

Meine Freundin ist von ihrem Mozzarella, der mit Parmaschinken und eingelegten Tomaten geliefert wurde, begeistert. Der Weichkäse ist innen fluffig und kräftig im Geschmack. Die Tomaten haben eine intensive Farbe. Die Qualität des Parmaschinkens ist vorzüglich. Ich kann mich den lobenden Worten nur anschließen. Die hauchdünnen Rindfleischscheiben harmonieren wie üblich gut mit dem Rucola und dem gehobelten Parmesan. Das Olivenöl hat eine ausgezeichnete Qualität. Pluspunkt: Das zu beiden Hauptgerichten gereichte Brot ist selbst gebacken. So darf es gerne weitergehen.

Die Hauptspeise

Als die Lieferung ankommt, ist sie so heiß, dass man sich an der Alufolie fast verbrennt. Damit das Essen nicht abkühlt, haben wir es vor dem Verzehr der Antipasti bei 80 Grad in den Ofen gestellt. Das zahlt sich aus. Beim Anrichten dampfen beide Hauptgerichte. Bei meinem Saltimbocca wurde am Fleisch nicht gespart. Gleich drei Stücke finden sich auf dem Teller.

Saltimbocca alla Romana, dieses Mal vom Schwein: Eine günstigere, aber gute Alternative zum italienischen Original.
Saltimbocca alla Romana, dieses Mal vom Schwein: Eine günstigere, aber gute Alternative zum italienischen Original. © Johannes Schmittmann © Johannes Schmittmann

Allerdings wurde hier nicht, wie traditionell üblich, Kalb verwendet, sondern Schweinefilet. Schmeckt zusammen mit dem Salbei und Parmaschinken aber trotzdem hervorragend. Die leichte Säure der Zitrone bietet einen guten Kontrast. Als Beilage gibt es gebratene Rosmarin-Kartoffeln, die das Gericht abrunden. Der kleine Beilagensalat ist hingegen etwas lieblos zusammengestellt und passt nicht wirklich zum Gesamtbild.

Der Transport von der Aluschale auf den Teller klappte nicht ganz optimal, weshalb die Optik leidet. Geschmeckt hat es trotzdem.
Der Transport von der Aluschale auf den Teller klappte nicht ganz optimal, weshalb die Optik leidet. Geschmeckt hat es trotzdem. © Johannes Schmittmann © Johannes Schmittmann

Ein Augenschmaus sind die Tagliatelle meiner Freundin nicht, aber das haben Sahnesaucen meist an sich. Geschmacklich hat sie aber wenig einzuwenden. Die Scampi schmecken frisch, die hausgemachten Nudeln haben zumindest noch ein wenig Biss, alles ist fein abgeschmeckt. Die Sahne macht das gesamte Gericht aber sehr mächtig, weshalb sie nach zwei Dritteln kapituliert und sich den Rest für den nächsten Tag aufhebt. Insgesamt gibt der zweite Gang erneut ein gutes Bild ab.

Das Dessert

Einer der Vorteile beim Quarantäne-Dinner: Man kann sich so viel Zeit lassen wie man möchte. Also gibt es das Dessert erst zum ZDF „Heute Journal“. Die Eisspezialität, die vor dem Fernseher tatsächlich aus der gelieferten Verpackung gegessen wird, fällt im Vergleich zu Vorspeise und Hauptgericht nur geringfügig ab. Das Eis ist nicht zu fest, sodass man gut an den mit Alkohol (Kirschlikör?) gefüllten Kern kommt. Ohne dem Küchenchef zu nahe treten zu wollen: Ganz sicher, dass das Tartufo hausgemacht ist, sind wir uns allerdings nicht. Das klären wir beim nächsten, hoffentlich bald wieder möglichen Vor-Ort-Besuch.

Eine doppelte Portion Tartufo Scuro rundete den Abend ab.
Eine doppelte Portion Tartufo Scuro rundete den Abend ab. © Johannes Schmittmann © Johannes Schmittmann

Die Preise

Rund 70 Euro zahlen wir inklusive Trinkgeld. Auf den ersten Blick kein Schnäppchen, aber dazu muss man wissen, dass wir die teuersten Vorspeisen gewählt haben (11,50 Euro und 11,90 Euro). Das Saltimbocca ist bei dieser Qualität mit 17,50 Euro in meinen Augen sogar günstig. Insgesamt kann man sagen, dass 35 Euro pro Person auf keinen Fall zu viel sind für ein Abendessen auf diesem Niveau.

Das Fazit

In diesen Tagen, wo die Highlights in der Woche rar gesät sind, kann ein gutes Essen Wunder wirken und die Laune erheblich steigern. So war es auf jeden Fall bei uns. Zwar kann eine geliefertes Drei-Gänge-Menü (zum Glück) nie den Besuch im Restaurant ersetzen, aber im Moment muss man die Ansprüche einfach etwas herunterfahren. Bei Mona Lisa, und das ist das Wichtigste, aber nicht beim Essen selbst. Denn das hatte dieselbe Qualität wie vor Ort. „Support your Locals“ fällt da besonders leicht. Sollten Josef Lang und sein Team sich tatsächlich, wie angekündigt, zeitnah zurückziehen, würde Ahaus etwas fehlen.

Bezahl- und Bestellmethode

Während viele Ahauser Gastronomen mittlerweile Bestellung per Smartphone-App anbieten, setzt man bei Mona Lisa auf traditionelle Wege. Vorbestellungen sind telefonisch oder persönlich möglich. Bezahlt werden kann sowohl mit Karte als auch in Bar. Die Speisekarte findet man auf der Homepage, allerdings ohne Preise.

Restaurant-Infos

Restaurant Mona Lisa

Adresse: Von-Braun-Straße 15

48683 Ahaus

Tel. (02561) 69336,

Während Corona sind Bestellungen von Freitag bis Sonntag zwischen 17 und 21 Uhr möglich

E-Mail: ristmonalisa@t-online.de, Website (www.ristorante-mona-lisa.de)

SO FUNKTIONIERT DER Corona-RESTAURANT-CHECK

Wir bestellen ohne Ankündigung bei den jeweiligen Restaurants – als ganz normale, zahlende Gäste. Wir sind keine Gastro-Experten, sondern einfach Menschen, die gerne lecker essen. Wir beschreiben die Menüs so, wie wir über sie mit Freunden und Bekannten sprechen würden – mit ihren Schwächen und Stärken.

Über den Autor
1991 in Ahaus geboren, in Münster studiert, seit April 2016 bei Lensing Media. Mag es, Menschen in den Fokus zu rücken, die sonst im Verborgenen agieren.
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Johannes Schmittmann

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