Dora Albers schließt Ende August ihr Geschäft an der Wallstraße

dzWirtschaft

Seit 35 Jahren ist das Geschäft von Dora und Johannes Albers eine bekannte Adresse, wenn es um Bilder, Rahmen und Basteln geht. Bald schließen sie. Bleibt der Schlüssel für immer umgedreht?

Ahaus

, 29.06.2020, 19:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Name Dora Albers ist für unzählige Menschen im Westmünsterland und darüber hinaus mit Basteln, Bildern und – kurz gesagt – mit handgemachten schönen Dingen verbunden. Mitte der 1980er-Jahre hat die gelernte Einzelhandelskauffrau den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt und ihr Hobby zum Beruf gemacht. Mit Erfolg.

Nun, 35 Jahre später, steht das Datum fest: Die 70-Jährige und ihr Mann Johannes (73), der sich um die Buchhaltung kümmerte, wollen das Geschäft nur noch bis Ende August führen, aus Alters- und gesundheitlichen Gründen. „Irgendwann muss es gut sein“, sagt Johannes Albers. Und seine Frau ergänzt: „Wir haben ja auch schon länger drüber nachgedacht.“ Ab August wollen die beiden dann noch mehr als bisher mit den Rädern unterwegs sein.

Jetzt lesen

Es war Mitte der 1980er-Jahre, und Dora Albers hatte schon viele Bastelkurse gegeben. Vor allem für das Katholische Bildungswerk Gescher war sie bis ins Ruhrgebiet hinein tätig. Da kam die Überlegung, in den Wintermonaten die leeren Räume des Eiscafés Capri in der Ahauser Innenstadt zu mieten, um Gebasteltes, Utensilien und Co anzubieten.

Hochwasser zerstörte Ladenlokal an der Coesfelder Straße

Die Überlegung funktionierte. Und zwar so erfolgreich, dass der Winter nicht reichte. Sie zogen an die Schlossstraße. Dort blieben sie zehn Jahre, dann ging es an die Coesfelder Straße. Bis dort im August 2010 das Hochwasser fast alles zerstörte. „Das hat uns zurückgeworfen“, denkt Johannes Albers schauernd zurück. Glück im Unglück: Ein Ladenlokal an der Wallstraße wurde frei, im Februar darauf eröffnete „Bild und Rahmen Dora Albers“.

Das große Ladenlokal mit Fensterfront und viel Tageslicht war wie geschaffen für ihre Produktpalette. Hinten im Lokal steht ein großer Tisch – die Bastelecke. Hier gab es bis zur Corona-Zwangspause noch Kurse für Mütter und Kinder. Zuletzt, erzählt Dora Albers, waren vor allem noch selbst gestaltete Einladungskarten sowie Kerzen für Taufen, Hochzeiten oder die Erstkommunion gefragt.

Bastel-Boom-Ende kam mit Einführung des Euro

Die 70-Jährige war in den Boom-Bastelzeiten und ist es bis heute Expertin für Collagen, für 3-D-Bilder. Kreativ zusammengestellte Erinnerungsstücke, die nicht in Kästchen versauern, sondern hinter Bilderglas zum Blickfang werden. Sie staunt noch heute, was da alle verarbeitet wurde. „Sogar ein Joghurtbecher war dabei“, erinnert sie sich lachend.

Jetzt lesen

Das Ende der Zeit, in der Basteln total angesagt war, kann Dora Albers eingrenzen. Warum, weiß sie nicht, „aber das kam zusammen mit dem Euro.“ Zuvor gab es neben den Collagen viele Trends – manche hat sie aber selbst nicht weitergegeben. „Patchwork oder Blaudruck“ nennt sie zwei Wellen, auf der sie nicht selbst mitgeschwommen ist. „Das konnten andere besser“, sagt sie. „Ich habe dann andere die Kurse machen lassen und selbst mit Freude mitgemacht.“

Wettbewerb durch Onlinehandel und Billigketten

Als Einzelhändler in der Branche für schöne Dinge hat das Ehepaar Albers natürlich auch Wettbewerb erfahren. „Online Bilder kaufen war auf einmal modern“, sagt sie. Johannes Albers ergänzt: „Möbelhäuser hatten plötzlich große Dekoabteilungen“. Billigketten taten ihr Übriges dazu. Doch die Albers‘ haben treue Kundschaft: Manche, die als Kinder in ihren Bastelkursen bei ihr waren, kamen wieder, wenn die Hochzeit anstand, das erste Kind unterwegs war – sie erinnerten sich daran, wie schön es war, etwas selbst zu gestalten.

Ende August schließen die Albers ihr Geschäft an der Wallstraße

Am 31. August drehen Dora und Johannes Albers mit ihrem Team den Schlüssel herum. Aktuell sieht es gut aus, dass es zumindest mit Bildern und Rahmen weitergeht an der Wallstraße: Ein Gespräch mit einem Nachfolger steht an. Ab dem 1. Juliwochenende dürfen sich die Bild- und Bastelfreunde dann nicht nur über weniger Mehrwertsteuer, sondern auch über Prozente freuen.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt

Die Stadt Ahaus wird in diesem Jahr auf Gebühren verzichten: Gastronomie und Einzelhandel müssen keine Beträge für die Sondernutzung öffentlicher Flächen zahlen, zum Beispiel für Außengastronomie. Von Christian Bödding

Lesen Sie jetzt