„Donum Vitae“ hilft seit 20 Jahren Schwangeren in Notsituationen

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Kostenfreie und anonyme Beratung zum Thema Schwangerschaft gibt es bei Donum Vitae. Der Verein hilft vor allem Frauen in Notsituationen. In Ahaus ist die Geschäftsstelle gerade umgezogen.

Ahaus

, 17.11.2020, 13:31 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Kartons sind ausgepackt, die Beratungsräume weitgehend eingerichtet, nur die Fenster sollen noch getauscht und mit dem Logo der Schwangerschaftsberatung beklebt werden. Seit mittlerweile zwei Monaten liegt die Geschäftsstelle von „Donum Vitae“ nicht mehr in der Ahauser Fußgängerzone, sondern an der van-Delden-Straße 12.

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Rita Kipp, Vorstand von Donum Vitae im Kreis Borken, erklärt: „Für uns haben die neuen Räumlichkeiten viele Vorteile. Zum einen liegen unsere Büros nicht mehr im dritten Stock – was für Schwangere manchmal eine echte Herausforderung war. Zum anderen ist am neuen Standort die Anonymität höher. Wir sind nicht mehr auf dem Präsentierteller. Das ist wichtig für unsere Klientel.“

Umzug pünktlich zum Jubiläum

Der Umzug erfolgte pünktlich zum Jubiläum. Vor 20 Jahren gründete sich der Verein, nachdem die katholische Kirche ihren Rückzug aus der staatlichen Schwangerschaftsberatung erklärt hatte. Mittlerweile verfügt Donum Vitae bundesweit über 200 Beratungsstellen. Schwangeren Frauen wird hier kostenfrei und anonym Hilfe angeboten – nicht nur, aber vor allem in Notsituationen.

Von 671 Fällen entfielen 2019 im Kreis Borken allein 260 auf den Bereich „Konfliktberatung“. Julia Lünenborg, Beraterin in der Geschäftsstelle Ahaus, berichtet: „Frauen wenden sich mit der Frage an uns: Soll ich mein Kind behalten oder nicht? Wir zeigen dann Optionen auf. Was passiert, wenn ich das Kind bekommen? Was passiert, wenn ich bis zur zwölften Woche die Schwangerschaft abbreche?“ Die Gespräche beschreibt sie als „sehr emotional“ und „sehr langwierigen Prozess“.

Ihre Aufgabe versteht Julia Lünenborg darin, eine möglichst neutrale Rolle einzunehmen. „Die Beratung ist dafür da, dass Frauen für sich eine gute Entscheidung treffen können. Wir spielen gedanklich einmal alles durch. Das Ergebnis ist offen.“ Ihre Kollegin Franziska Hemker ergänzt: „Häufig wissen wir gar nicht, wie sich die Frauen am Ende entschieden haben.“

Beraterinnen räumen mit Vorurteilen auf

Gleichzeitig räumt sie mit einem Vorurteil auf: „Manche Menschen denken, der Schwangerschaftsabbruch fände bei uns im Nebenraum statt. Aber mit dem medizinischen Part haben wir nichts zu tun. Wir beraten lediglich und stellen die Bescheinigung aus.“ In Deutschland ist eine Abtreibung nur dann straffrei, wenn sie innerhalb der ersten zwölf Wochen nach der Befruchtung und nach vorheriger Schwangerschaftskonfliktberatung erfolgt.

Entgegen der Darstellung in Filmen, Romanen und anderen Medien machen Minderjährige nur einen winzigen Bruchteil aus. „Zu uns kommen Frauen aller Altersklassen. Das Durchschnittsalter unserer Klientinnen liegt aber zwischen 27 und 32“, sagt Julia Lünenborg. „Die Geschichte von der 13-Jährigin, die verzweifelt Hilfe sucht, kommt nur sehr, sehr selten vor.“ Das deckt sich mit den Vorjahreszahlen. Die Mitarbeiterinnen von Donum Vitae im Kreis Borken haben 2019 nur 20 schwangere Minderjährige beraten. Unter 14 Jahren war davon niemand.

Sehr breites Spektrum

Donum Vitae berät allerdings nicht nur Schwangere, die über einen Abbruch nachdenken. „Unser Spektrum ist sehr breit. Wir vermitteln zum Beispiel Hebammen, helfen aber auch bei finanziellen Fragen. Gerade während Corona nimmt dieser Part durch Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit zu“, sagt Rita Kipp. Gemeinsam mit den Frauen stellen sie Anträge auf Förderung und suchen gegebenenfalls Kontakt zum Jobcenter.

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Auch nach Fehl- oder Totgeburten stehen die Mitarbeiterinnen von Donum Vitae mit Rat und Tat zur Seite. „Wir bieten eine Art Trauerberatung an und sprechen über die Möglichkeiten, sich angemessen von dem Kind zu verabschieden“, berichtet Julia Lünenborg. Die Themen „Kinderwunsch“ und „Pränataldiagnostik“ gehören ebenfalls zu ihrem Aufgabengebiet.

Aufklärungsarbeit an den Schulen

Nicht selten sind die Mitarbeiterinnen von Donum Vitae auch an Schulen anzutreffen. Hier sprechen sie mit den Schülern zum Beispiel über Verhütungsmethoden, Fruchtbarkeit, Geschlechtskrankheiten oder Pornografie. „Es fällt auf, dass Pornos für Kinder und Jugendlich zwar durch das Internet immer leichter zugänglich werden, aber sie über ihre eigene Sexualität sehr wenig wissen. Die Hemmschwelle, zu diesem Thema Fragen zu stellen, ist aus Sicht der Schülerinnen und Schüler bei externen Beratern meiner Erfahrung nach geringer als bei Lehrern“, sagt Rita Kipp, die hauptberuflich selbst als Lehrerin arbeitet.

„Donum Vitae“ hilft seit 20 Jahren Schwangeren in Notsituationen

„Donum Vitae“ hilft seit 20 Jahren Schwangeren in Notsituationen © picture-alliance/ dpa

Ein Thema, das bisher in der Öffentlichkeit noch nicht so bekannt ist, ist die sogenannte „vertrauliche Geburt“. Es handelt sich dabei um ein Angebot für Schwangere in Notsituationen, die ihre Schwangerschaft verdrängen oder verschweigen und ihre Anonymität trotz verschiedener Unterstützungsangebote nicht aufgeben möchten.

Hintergrund: Verzweifelte Schwangere sollen ihr Kind nicht mehr heimlich und allein zur Welt bringen müssen. Julia Lünenborg erklärt: „Die Frauen werden komplett medizinisch umsorgt und die Kosten übernommen ohne, dass die Krankenkasse davon erfährt.“ Das Angebot der vertraulichen Geburt soll dazu führen, dass die „Babyklappe“ deutlich seltener genutzt werden muss.

Info:

  • Schwangere können sich von Montag bis Freitag von 8.30 Uhr bis 12.30 Uhr an der Geschäftsstelle oder unter Tel. (02561) 978747 melden.
  • Termine sind auch nachmittags möglich
  • Auch in Borken und Bocholt können Beratungen vereinbart werden
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