Apotheker Dr. Hendrik Niemann versucht, sich einen Überblick über das Verfahren zu verschaffen. Ab nächster Woche sollen Bürger den digitalen Impfpass in den Apotheken erhalten. © Oliver Kleine
Digitaler Impfpass

Digitaler Impfpass: Ahauser Apotheker fühlen sich überrumpelt

Ab nächster Woche soll es den digitalen Impfpass in den Apotheken geben. Während Bürger mit ihren Fragen dort bereits anrufen, suchen die Apotheker erst einmal selbst nach Informationen.

Dass die Ankündigung von Maßnahmen und deren konkrete Durchführbarkeit oft zwei verschiedene Paar Schuhe sind, ist keine neue Erkenntnis in dieser Corona-Pandemie. Am Donnerstag gab Bundesgesundheitsminister Jens Spahn den Startschuss für den digitalen europäischen Impfpass. Man werde den sogenannten Cov-Pass nun Schritt für Schritt einführen. Der gelbe Impfpass behalte weiter seine Gültigkeit. Man bekomme den digitalen Pass in Arztpraxen, Impfzentren oder Apotheken, hieß es.

Bei den Apotheken, die ab Montag als erste solche Zertifikate ausstellen sollen, klingeln schon die Telefone. Derweil versuchen die Apotheker, sich auf den neuen Service erst einmal vorzubereiten. Einen konkreten Leitfaden hätte er noch nicht erhalten, berichtet Dr. Hendrik Niemann von der Apotheke am Wall.

„Wir sind damit überrumpelt worden“

„Wir sind damit überrumpelt worden. Wir sind gewillt, unseren Beitrag zu leisten, aber das ist sehr kurzfristig“, sagt Niemann. Er fühle sich an die Ausgabe der kostenlosen Masken vor Weihnachten erinnert. Auch seinerzeit musste alles ganz schnell gehen und am Starttag bildeten sich lange Schlangen vor den Apotheken.

„Es ist schade, wenn man als Ansprechpartner deklariert wird, ohne selbst Bescheid zu wissen.“ Er sitze die ganze Zeit am Rechner, lese sich ein, spreche mit Kollegen und versuche sich neben dem Tagesgeschäft einen Überblick zu verschaffen.

Ab nächster Woche können Kunden auf Onlineseite nachsehen

Klar sei, dass die teilnehmenden Apotheken bei www.mein-apothekenmanager.de registriert seien müssen. Dort sollen die Bürger ab nächster Woche nachsehen können, wo sie den digitalen Impfpass bekommen können.

Über eine Schnittstelle zwischen Apotheker-Verband und Robert-Koch-Institut sollen die Apotheken nach Eingabe der Daten (gelben Impfpass und Personalausweis mitbringen) den QR-Code bekommen. Dieser werde ausgedruckt und kann mittels der Corona-Warn-App oder der neuen App namens CovPass auf dem Mobiltelefon gescannt werden.

Ausgabe im Testzentrum neben der Apotheke geplant

Zurzeit sei dieses Tool noch nicht verfügbar. Aber bis Montag soll es soweit sein. „Man darf die Erwartungen nicht zu hoch schrauben. Das Programm wird sukzessive aufgebaut“, so Hendrik Niemann. Um den normalen Betrieb in der Apotheke wegen langer Warteschlangen nicht zum Erliegen zu bringen, soll der digitale Impfpass im angeschlossenen Testzentrum an der Wallstraße ausgegeben werden.

Von einem Schnellschuss spricht Jürgen Robert von der Stern Apotheke. „Ich habe noch kein offizielles Schreiben vom Apothekenverband, aber Kunden rufen schon seit Mittwoch an und haben Fragen dazu. Seit gestern mache ich nichts anderes, als mich um dieses Thema zu kümmern.“ Technisch habe er seine Apotheken auf den Start vorbereitet. Dass es direkt vom Start reibungslos läuft, glaubt er allerdings nicht. Robert: „Wer nicht schon nächste Woche in den Urlaub fährt und deshalb schnell den Impfnachweis braucht, der sollte lieber bis zur nächsten Rezepteinlösung damit warten.“

Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe, die auch für das Impfzentrum in Velen zuständig ist, winkt gleich ganz ab. „Im Moment können in den Vertragsarztpraxen sowie in den Impfzentren noch keine elektronischen Impfzertifikate ausgestellt werden. Viele Softwarehersteller befinden sich derzeit noch in der technischen Entwicklung und Erprobung der Verfahren. Auch müssen noch verschiedene Datenschutzaspekte geklärt werden, heißt es in einer am Donnerstag dazu veröffentlichten Mitteilung.

Dokument soll in der Corona-Warn-App angezeigt werden

Mit dem neuen digitalen Zertifikat sollen Nutzer ganz einfach per Handy nachweisen können, dass sie vollständig gegen das Coronavirus geimpft sind. Vor allem Reisen innerhalb der EU sollen damit einfacher werden, aber auch im Restaurant kann man sich so als geimpft ausweisen. Auch in der Corona-Warn-App soll das Dokument angezeigt werden.

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