Der neue Soroptimisten-Club und die Motive der Präsidentin

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Sie ist Mutter von Zwillingen, Wirtschaftsmathematikerin, Lehrerin und Präsidentin. Mit Dr. Vera Tekülve (44) an der Spitze haben 22 Mitstreiterinnen den Soroptimist-Club Ahaus gegründet.

Ahaus

, 21.04.2019 / Lesedauer: 4 min

Wenn am 4. Oktober die Gründung des SI-Clubs Ahaus auch per Urkunde dokumentiert wird, dann bekommt die weltweite Organisation berufstätiger Frauen mit 213 Clubs in Deutschland auch ganz offiziell Zuwachs. Wenn sich die Ahauser Club-Schwestern und ihre zahlreichen Gäste vom 4. bis 6. drei Tage lang zu den Festivitäten rund um die Gründungsfeier (Charter) treffen, dann liegt eine mehrjährige Wegstrecke hinter ihnen. Dr. Tekülve erklärt ihre ganz persönlichen Motive, sich als Soroptimistin zu engagieren und die für die Neugründung in Ahaus.

Erfahrungen im SI-Club Dülmen

Für die 44-jährige, die am Berufskolleg Wirtschaft und Verwaltung unterrichtet, war es kein Neuland: „Ich war schon im Club Dülmen längere Zeit aktiv, das lag nahe, weil wir damals in Coesfeld wohnten.“ Nach dem Umzug der Familie vor drei Jahren aber rückte Ahaus stärker in den Blick. „Das war aus SI-Sicht damals ein weißer Fleck“, erinnert sie sich. Spannende Frauen aber, da war sie sich sicher, musste es auch da geben.

Mit Unterstützung von „Patinnen“ aus dem gut vernetzten Kreis der Soroptimistinnen gelang es auch, bei einigen Frauen aus Ahaus und Umgebung Interesse zu wecken. Im privaten Kreis trafen sich vor zwei Jahren rund 15 Frauen zu einem Kennenlernabend, bei dem Angelika Linnemann-Dienstbier (Extension Club SI Deutschland) sozusagen als „Werbeträgerin“ fungierte. Dr. Tekülve: „Von den Frauen sind einige geblieben, andere sind abgesprungen, neue hinzugekommen.“

Mittlerweile aber hat sich ein fester Kreis aus 23 Frauen gebildet, die so überzeugt sind von ihrem Engagement in dem Service-Club, dass sie schließlich die „Application for Admission“, den offiziellen Antrag auf Gründung, an die Europäische Union gestellt haben. Darunter Frauen ganz unterschiedlicher beruflicher Orientierung. Zum Beispiel: Ärztin, Gärtnerin, Unternehmensberaterin, Controllerin, Landwirtin, Lehrerin, Unternehmerin. Besonders erfreut ist die bereits gewählte Präsidentin, die ihr Amt zumindest bis zur Charterfeier ausübt, darüber, dass ganz viele junge Frauen zu den Gründungsmitgliedern gehören.

Regelmäßige Treffen und Aktivitäten

Seit dem ersten Treffen haben an die 20 Treffen stattgefunden. Mit unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten: Mal waren es Vorträge zur Existenzgründung, zu unterschiedlichen Berufsbildern, Betriebsbesichtigungen, Projektvorstellungen und vieles mehr. Aber auch eine Nachtwächterführung, ein Besuch in der Stadtbücherei oder im Kult in Vreden gehörten dazu. Außerdem sei man viel gereist, habe Veranstaltungen auf Bundesebene oder der Nachbarclubs besucht. Und, darauf legt Vera Tekülve Wert: Neben den informativen Schwerpunkten sind die monatlichen Clubabende im Schlosshotel auch immer das Forum für den Austausch der Frauen unter einander.

Neugierde und anfängliche Zweifel

Gerade in der Anfangsphase nämlich, wie Dr. Vera Tekülve aus eigenem Erleben weiß, sind es ganz viele Fragen, auf die man eine Antwort erwarte. Sie selbst befand sich, damals noch als Unternehmensberaterin tätig, nach der Geburt von Zwillingen in der Elternzeit und wurde durch ihre Schwiegermutter auf das Engagement der Soroptimisten aufmerksam. Gleichzeitig aber kamen da auch Zweifel auf. „Mein Mann war beruflich in Heidelberg tätig und ich musste mir die Fragen stellen, habe ich die Zeit dafür, will ich das überhaupt, was bringt mir das?“

Die Antworten bekam sie, als sie sich mit den SI-Zielen intensiver befasste. Die Stellung der Frau in der Gesellschaft deutlich machen, Menschenrechte verteidigen, Lebensbedingungen von Frauen und Mädchen verbessern, Bildung und Kultur fördern. In diesem Leitbild fand sie ihr eigenes wieder. „Das und auch der Umweltgedanke, der Respekt vor der Natur, wie er bereits bei der Gründung vor fast 100 Jahren verankert war, haben mich überzeugt“, sagt sie.

Und die Angst vor dem Faktor Zeit sei auch unbegründet gewesen: „Jede bringt sich so ein, wie es mit ihrer Lebenssituation vereinbar ist.“

Die Vielfalt hat sie überzeugt

Außerdem nennt sie ein weiteres für sie gewichtiges Argument: „Es ist die Vielfalt, ich lerne Frauen kennen, die ich so nie kennengelernt hätte, das ist bereichernd.“

Wenn Dr. Tekülve von Vielfalt spricht, dann meint sie die unterschiedlichen Lebenswelten und Lebensgeschichten, die verschiedenen Altersgruppen, die das Klima des Clubs ausmachen. „Das tut mir gut, nach den Clubabenden gehe ich immer beschwingt nach Hause“, beschreibt sie die positive Wirkung auf sie ganz persönlich.

Ähnlich muss es wohl auch den anderen Clubschwestern aus Ahaus, Südlohn, Vreden, Stadtlohn und Gronau gehen, dass sie sich gemeinsam auf den Weg gemacht haben. Sie sind jetzt auf der Zielgeraden. Bis zur Charterfeier im Oktober, die im Schloss Ahaus geplant ist und noch mit intensiven Vorbereitungen verbunden ist, finden noch einige Clubabende statt. Noch sind nicht alle Positionen im achtköpfigen Vorstand besetzt, aber Präsidentin Tekülve ist sich sicher, dass sie in jeder Hinsicht auf große Unterstützung zählen kann.

Internationale Service-Organisation

  • Soroptimist International (SI), eine der weltweit größten Service-Organisationen berufstätiger Frauen mit gesellschafts-politischem Engagement, wurde 1921 in Oakland/Kalifornien gegründet; in Deutschland entstand der erste Club 1930 in Berlin. Der Name basiert auf den lateinischen Wörtern „sorores optimae“, was übersetzt „die besten Schwestern“ bedeutet. Bis heute erhalten ist, dass sich die Mitglieder als „Schwestern“ bezeichnen.
  • Die SI-Schwestern setzten sich auf vielen Ebenen für die Verbesserung von Lebens- und Bildungsbedingungen von Frauen und Mädchen ein. Zum Beispiel: für die bestmögliche medizinische Versorgung; aktive Mitwirkung von Frauen bei der Lösung von Konflikten; ungehinderten Zugang zu Bildung, Ausbildung und Qualifizierung; für einen sicheren Zugang zu ausreichender Ernährung und sauberem Trinkwasser.
  • Weltweit werden Jahresthemen ausgegeben, in diesem Jahr „Digital kompetent/Medienkompetenz.“
  • Jeder Club sucht sich seine Projekte, die er unterstützen möchte. Mitglied werden können berufstätige Frauen jeden Alters, allerdings sollte pro Club nur eine Sparte vertreten sein.
  • Die Clubtreffen finden monatlich statt, sechs bis acht pro Jahr sind verpflichtend. Mitgliedsbeitrag: 150 Euro jährlich. Hinzu kommen Kosten für Clubabende und Veranstaltungen.
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