Denise Terhaar und ihre Therapiehündin warten auf bessere Zeiten

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Denise Terhaar und ihre Hündin Mila sind ein eingespieltes Therapiehund-Team. Durch die Corona-Beschränkungen konnte die 23-Jährige ihrem Job nicht nachgehen. Corona-Soforthilfe gab es nicht.

Ahaus

, 10.06.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es heißt, der Hund sei der beste Freund des Menschen. Doch so manche Freundschaft wird seit den Corona-Beschränkungen auf eine harte Probe gestellt. Denn nicht jeder Mensch darf von seinem besten Freund Besuch bekommen. Besonders betroffen ist Denise Terhaar aus Alstätte. Die 23-Jährige bildet mit dem sechsjährigen Schäferhund-Kuvasz-Mischling Mila ein zertifiziertes Therapiehund-Team.

Denise Terhaar arbeitet mit Mila vor allem mit Menschen mit geistiger Behinderung. Dafür hat die Heilerziehungspflegerin gemeinsam mit mit dem Hund eine eineinhalbjährige Ausbildung absolviert. Daran schloss sich eine Weiterbildung zur Fachkraft für tiergestützte Therapie und Pädagogik an.

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Vor der Corona-Krise arbeitete Denise Terhaar zwei Tage die Woche als angestellte Heilerziehungspflegerin und vier weitere Tage als Theraupeutin mit Mila – mobil und in ihren Praxisräumen an der Öddingstraße in Alstätte.

Gemeinsam mit dem Hund besuchte sie zum Beispiel Demenzeinrichtungen, führte viele Gespräche mit dementen Bewohnern, förderte sie motorisch und kognitiv. Mila ist dabei für Denise Terhaar eine „Brücke“ zu den Menschen. Der Vierbeiner unterstützt die 23-Jährige dabei, eine Beziehung zu den Klienten aufzubauen. „Die meisten haben eine Affinität zu Hunden.“

Vielfältige Einsatzmöglichkeiten

Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig. Ein Beispiel: Mila apportiert verschiedene Sachen in einen Stuhlkreis. „Charakteristische Dinge, im Frühling zum Beispiel Blumen“, erklärt Denise Terhaar. Gemeinsam wird mit dementen Klienten über den Frühling gesprochen, über Erlebnisse und Erinnerungen.

All das hat die Corona-Krise unmöglich gemacht. „Da ging unsere tiergestützte Therapie von hundert auf null“, berichtet die 23-Jährige. Sie versuchte, zu Klienten Kontakt über digitale Medien zu halten, mithilfe von Bildern und Videos. Besuchen konnte sie sie nicht mehr.

Das Problem: „Wenn wir im Altenheim unterwegs sind, kann es ja sein, dass jemand Coronaviren an der Hand hat. Wenn er dann mit der Hand in Milas Fell fasst, kann das Virus auf den nächsten Klienten übertragen werden – wenn er an der Stelle ins Fell fasst.“ So vermutet es Denise Terhaar. „Ich kann ja schlecht den Hund desinfizieren.“

Den Mietvertrag für ihre Praxisräume an der Öddingstraße in Alstätte musste Denise Terhaar kündigen. Durch die Corona-Beschränkungen gingen die Einnahmen auf null zurück.

Den Mietvertrag für ihre Praxisräume an der Öddingstraße in Alstätte musste Denise Terhaar kündigen. Durch die Corona-Beschränkungen gingen die Einnahmen auf null zurück. © Christian Bödding

Die meisten ihrer Klienten zählen zu den Risikogruppen: Menschen mit Behinderung und Senioren. „Sie möchten nicht in die Praxis kommen und die Einrichtungen möchten nicht so gerne Besuch.“ Theoretisch könne im Einzelkontakt gearbeitet werden. „Aber wie soll das funktionieren? Der Hund ist ganz nah am Klienten. Da 1,50 Meter Abstand zu halten, das ist schwierig.“

Für Denise Terhaar ist das jobmäßig der Supergau. Geld aus der Corona-Soforthilfe bekam die Alstätterin nicht. „Das Geld gibt es nur für Menschen im Haupterwerb. Da ich noch als Heilerziehungspflegerin angestellt bin und beide Jobs mit 50:50 gewichtet wurden, habe ich keine Hilfe bekommen.“

Mietvertrag gekündigt

Dafür blieben die Kosten für die Versicherung des Therapiehundes, auch die Miete will bezahlt werden. Denise Terhaar hat die Praxisräume an der Öddingstraße Ende Mai gekündigt – das war erst zum Jahresende geplant. Mit ihrem Partner hat Denise Terhaar ein Haus gekauft, in das die Praxis integriert werden soll. „Vorgesehen war ein fließender Übergang. Aber jetzt mussten wir eher handeln.“

Die 23-Jährige hat Briefe an Politiker geschrieben. Antworten auf ihre Fragen hat sie nicht erhalten. „Es gibt viele, die in ähnlicher Situation sind wie ich und einen Nebenerwerb haben. Wir alle wurden in Sachen Corona-Soforthilfe vergessen.“

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