Wir haben im Februar Firmen gefragt, wie sehr sie die mehrmonatige Baustelle Fuistingstraße trifft. Zur Halbzeit Anfang Juni stellt sich heraus: Es ist alles noch schlimmer als befürchtet.

Ahaus

, 07.06.2019 / Lesedauer: 4 min

Silke Wachter hat, derbe ausgedrückt, die Faxen dicke. Seit Februar wird die Fuistingstraße saniert, gerade war Halbzeit bei den Bauarbeiten, die noch bis Ende September laufen sollen. Silke Wachter ist Stationsleiterin der Agravis-Tankstelle an der Fuistingstraße. Weil am Mittwochmorgen kaum Kundschaft zu sehen ist, hat sie Zeit für ein Gespräch. Schon gleich zu Beginn der Bauarbeiten waren die Auswirkungen in der Kasse spürbar, sagt Silke Wachter. Eine Einbahnstraßenregelung, eine Umleitung und eine ziemlich holprige Baustraße ließen die Kundschaft ausbleiben. „Hier fährt seit Februar kaum noch Feierabendverkehr.“

Auch Lkw-Fahrer würden die eingeengte Baustraße meiden. Vor zwei Wochen kam es noch härter: Die Verkehrsführung zwischen dem Kreisverkehr am Stadtpark und der Ampelanlage am Kusenhook wurde umgestellt. Bisher lag die Tankstelle an der Baustraße, jetzt muss sie über die Gegenfahrbahn angefahren werden. „Bei diesem Baustellengewusel schreckt das auch den letzten Kunden ab.“

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Die Autowaschanlage auf dem Tankstellen-Gelände werde kaum noch genutzt, hat Silke Wachter festgestellt. „Wer will schon mit einem sauberen Wagen direkt wieder durch Staub und Dreck fahren?“ Die Umsatzeinbußen schätzt die Stationsleiterin auf 40 bis 50 Prozent. Sie beziffert die seit Beginn der Baumaßnahme angefallenen Mindereinnahmen auf eine fünfstellige Summe. „Fast ein dreiviertel Jahr Bauzeit für so ein Stückchen Straße.“ Silke Wachter kann es nicht fassen – ebenso wie die bei ihr tankende Kundschaft aus dem Nachbarland. Silke Wachter: „Die Holländer lachen sich schlapp. Die sagen, bei denen sei so eine Straße von einer 20-Mann-Kolonne in vier bis sechs Wochen fertig gebaut.“ An der Fuistingstraße sehe man unter der Woche meist nur vier Bauarbeiter, sagt Silke Wachter.

Kritik an der Ausschreibung

Heinz Sudhues macht der Baufirma für die Anzahl der Mitarbeiter vor Ort keine Vorwürfe. Der Leiter des Getränkefachmarktes „Fresh + Cool“ an der Fuistingstraße berichtet ebenfalls von deutlichen Umsatzeinbußen seit Baubeginn. Den Schwarzen Peter schiebt Sudhues eher der Kreis- und der Stadtverwaltung zu. „Wie kann man denn so eine Baustelle für einen solch langen Bauzeitraum ausschreiben? Sechs Monate plus X. Da fragt sich doch jede Firma, warum sie 20 Leute schicken soll, das ist in der Zeit auch mit vier zu schaffen.“ Die Arbeiten seien von der Verwaltung so ausgeschrieben worden „wie vor 30 Jahren“. Doch die Zeiten hätten sich geändert. Heute müsse schneller gearbeitet werden.

Zeitgleich Kanalbauarbeiten

Doch nicht nur die Baustelle an der Fuistingstraße trifft den Getränkemarkt. „Am 24. Juni sollen Kanalbauarbeiten in der Straße Zieglers Weiden starten“, berichtet Heinz Sudhues von den Gesprächen mit der Stadt. Direkt vor dem Eingang des Getränkemarkts und den Parkplätzen werde gebuddelt. Daran will Heinz Sudhues noch gar nicht denken. „Dann ist die Straße hier sechs Wochen komplett abgesperrt.“

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Es muss erst schlimmer werden, bevor es besser wird. Diese alte Binsenweisheit kennt Stationsleiterin Silke Wachter natürlich auch. Für sie ist es nur ein schwacher Trost, dass die Bauarbeiten Ende September abgeschlossen sein sollen. Sie musste aufgrund der Einbußen bei ihren Tankstellen-Aushilfen die Anzahl der Arbeitsstunden reduzieren. „Ich hoffe, dass an der Fuistingstraße die nächsten 20 Jahre nichts mehr geändert wird.“

„Bauarbeiten verlaufen planmäßig“

Die Stadtverwaltung und der Kreis Borken blicken erst einmal in die nähere Zukunft. Sie sind sicher, dass der Bauzeitenplan eingehalten wird. „Die Ausführung der Bauarbeiten verläuft planmäßig und wie erwartet“, teilte Karlheinz Gördes, Pressesprecher des Kreises Borken, mit. Die 1,1 Millionen Euro teure Baumaßnahme werde Ende September abgeschlossen sein.

Größere Problem habe es bei den Bauarbeiten nicht gegeben, hieß es auf Anfrage von Marc Frieler vom Büro der Ahauser Bürgermeisterin. Kurzfristig und vereinzelt seien auf der Nordseite der Fuistingstraße Schlaglöcher aufgetreten, die aber schnell beseitigt werden konnten.

1,1 Millionen Euro Gesamtkosten

Die Stadt Ahaus übernimmt von den Gesamtkosten 733.000 Euro, darin sind 288.000 Euro für Kanalbauarbeiten enthalten. Der Kreis Borken saniert die Fahrbahn und die Radwege und trägt die restlichen Kosten von 367.000 Euro. Die Fuistingstraße wird von derzeit von 8 auf 6,50 Meter Breite reduziert. Im Gegenzug werden die Geh- und Radwege verbreitert.

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