Das Vivendi in Ahaus war lange als Kneipe und Café bekannt. Längst hat es sich aber zu einer echten Restaurant-Alternative gemausert. Und es bietet auch Vegetariern eine reiche Auswahl.

Ahaus

, 15.12.2018, 12:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Global denken, im Lokal handeln. Auf der zurzeit laufenden Weltklimakonferenz in Polen wurde Kritik am zu hohen Fleischkonsum laut. Na, dann gehen wir in dieser Woche mal fleischlos essen. Wer „Ahaus“ und „vegetarisch“ googelt, stößt zuerst auf das Vivendi: „Auch für Vegetarier und Veganer steht etwas auf der Karte“ heißt es dort. Wir sind neugierig.

Das Lokal im Schatten des Ahauser Schlosses wird seit zehn Jahren von Marlies Kloppenborg und Gregor Herking geführt. Fest zum Team gehört auch Gregor Herkings Schwester Sigrid Niemeier. Koch Gregor Herking betrieb zuvor ein gutbürgerliches Restaurant in Epe, lernte dann in Gronau internationale Küche kennen.

Es ist Sonntagabend. Das gemütliche Vivendi ist voll besetzt, gut dass wir vorbestellt haben. Der schnelle Blick umher zeigt: Wir sind weder die jüngsten, noch die ältesten Gäste. Mittzwanziger scheinen sich genauso wie Endsechziger hier wohl zu fühlen. Die aufmerksame junge Kellnerin begrüßt uns herzlich: „Ich zeige euch mal euren Platz.“ Hier wird man geduzt, auch wenn man kein Stammgast ist. Wer es mag, fühlt sich gleich wohl.

Die Speisekarte

Kunterbunt kommt die Speisekarte daher. Kakteen und Sombreros zeigen an: Kulinarisch führt die Reise zuerst nach Mexiko zu Tapas, Tortilla und Burrito. Mexikanische Pizzen (7,90 bis 9,90 Euro) und Grillspezialitäten vom Hähnchen (12,90 Euro), Spare Ribs bis zum Rindersteak El Paso (18,90 Euro). Dann geht es nordwärts in die USA: Selbstgemachte Burger – auch vegetarische – sind eine Spezialität des Hauses.

Behagliche Gemütlichkeit

Behagliche Gemütlichkeit © Markus Gehring

In der Rubrik Vivendis Classics ist das gutbürgerliche deutsche Champignonschnitzel ebenso zu finden wie der Italien-Klassiker Penne Milanese. Der grüne Buchstabe „V“ zieht sich durch die ganze Speisekarte. Er kennzeichnet viele der genannten Gerichte in einer vegetarischen Abwandlung. Selbst das Schnitzel ist fleischlos zu haben. Aber mit Fleischimitaten halten wir uns heute nicht auf. Wir wollen es wissen und blättern dieses Mal zur letzten Seite: Vivendi Vegan.

Die Vorspeisen

Mexikanisch und fleischlos. Das soll heute unser kulinarisches Thema sein. Sonst wäre ich nie auf die Idee gekommen, mir eine Maiscremesuppe (4,60 Euro) zu bestellen. Meine Begleitung ist vorsichtiger und wählt eine Tomatensuppe (4,40 Euro). Noch bevor die Suppe serviert wird, tritt der Koch persönlich an unseren Tisch.

Mit leicht fruchtiger Note und der richtigen Dosis Schärfe ist die Maiscremesuppe ein guter Menüauftakt.

Mit leicht fruchtiger Note und der richtigen Dosis Schärfe ist die Maiscremesuppe ein guter Menüauftakt. © Stefan Grothues

Weil die Kellnerin schon vorab die Bestellung für eine vegane Hauptspeise aufgenommen hat, will er nun wissen, ob auch die Suppe, die nicht in der veganen Rubrik stand, vegan sein soll. Sehr aufmerksam. Er erzählt, dass seine vegetarischen Töchter und ein veganer Stammtisch ihn für dieses Thema sensibilisiert hätten. Vegetarisch oder vegan – nun, wir wollen nicht päpstlicher sein als der Papst und überlassen die Entscheidung dem Koch. Der verspricht: „Es wird auf jeden Fall schmecken.“ Und recht hat er: Die Maissuppe ist cremig, mit leicht fruchtiger Note und der richtigen Dosis Schärfe. Auf der anderen Tischseite punktet die Tomatensuppe mit angenehm sämiger Struktur und aromatisch-süßen Tomatenstückchen.

Die Hauptgerichte

Ich bin kein Kenner der mexikanischen Küche und entscheide mich frei von Erfahrungen spontan für die Quesadilla (12,90 Euro), eine mit Salsagemüse und veganem Käse gefüllten Tortillatasche, hübsch dekoriert mit feinen rotstieligen Mangoldblättchen. Dazu serviert die stets sehr aufmerksame Kellnerin eine Halbkugel Salsareis, eine Extra-Schüssel mit gemischtem Salat und leckerer selbstgemachter Sauce und knusprige Nachos. Knabbereien zur Hauptspeise sind nicht mein Fall, dafür birgt die perfekt gewickelte Tortilla-Tasche beim Öffnen eine farbenprächtige Überraschung. Mais, Paprika, Zwiebeln, Kidneybohnen und Pilze auf den Punkt gegart und in feiner Schärfe angerichtet.

Die vegane Quesadilla birgt eine farbenfrohe und schmackhafte Gemüsefüllung.

Die vegane Quesadilla birgt eine farbenfrohe und schmackhafte Gemüsefüllung. © Stefan Grothues

Meine Begleitung hat Enchilada (12,90 Euro) gewählt: Das Gemüse ist ähnlich angenehm orchestriert wie bei der Quesadilla, allerdings anders gewürzt. Meiner Begleitung schmeckt’s mit zwei kleinen Einschränkungen: Zu viele Tofuwürfel langweilen die Geschmacksknospen. Und die in der Karte versprochenen Chilis wurden zu sparsam verwendet. Erst jetzt entdecken wir den Hinweis in der Karte: „Auf Wunsch bereiten wir die Gerichte auch gerne scharf zu.“ Beim nächsten Mal also.

Der bunte Salat wird mit einem hausgemachten Dressing abgerundet.

Der bunte Salat wird mit einem hausgemachten Dressing abgerundet. © Stefan Grothues

Das Dessert

Die Hauptspeise war nicht nur lecker, sondern auch üppig. Meine Begleitung will daher vorzeitig kapitulieren. „Ein Dessert schaffe ich nicht mehr.“ Nach harten Paar-Verhandlungen erzielen wir einen Kompromiss: zwei Espresso (à 2 Euro) und ein geteiltes Dessert: ein Schoko-Himbeer-Brownie mit Vanille-Eis und Sahne (4,90 Euro).

Ein schöner Schlussakkord: Der Schoko-Himbeerbrownie mit Vanilleis.

Ein schöner Schlussakkord: Der Schoko-Himbeerbrownie mit Vanilleis. © Stefan Grothues

Damit verlassen wir den veganen Sektor. Und es hat sich gelohnt. Das feincremige Eis, der herbschokoladige und grobnussige Brownie mit süß-aromatischem Himbeerakzent sind der passende Schlussvers. Der Espresso ist in Ordnung und wird direkt mit einem Glas Wasser serviert. Das gefällt uns. Sehr zufrieden zahlen wir am Ende die Rechnung, die sich auf 53,20 Euro summiert.

Die Getränke

Wenn schon Tortilla, dann auch ein mexikanisches Bier: Im Vivendi gibt es San Miguel vom Fass (2,50 Euro), das wir bislang nicht kannten. Die Kellnerin klärt uns auf: Das Bier kommt nicht aus Mexiko, sondern aus Spanien.

Zum Espresso gibt es ungefragt ein Glas Wasser dazu.

Zum Espresso gibt es ungefragt ein Glas Wasser dazu. © Stefan Grothues

Wir bestellen es trotzdem. Es bekommt von uns die Note süffig mit wässrigem Akzent. Der Bierfreund kann aber im Vivendi aber aus einem größeren Sortiment von Fass- und Flaschenbieren wählen. Wir steigen später auf Mineralwasser (2 Euro) und alkoholfreies Bier (2,50 Euro) um. Die Weinkarte bietet ebenfalls eine größere Auswahl von offenen weißen und roten Weinen und Flaschenweinen – auch in veganer Variante.

Die Atmosphäre

Das Vivendi kann seine Kneipenvergangenheit nicht verbergen. Das wollen Marlies Kloppenborg und Gregor Herking auch gar nicht: Grobe Holzdielen und der Verzicht auf feine Tischdecken verschieben mit tiefroten Wänden den Akzent in Richtung Gemütlichkeit.

Vorweihnachtliche Stimmung im Vivendi

Vorweihnachtliche Stimmung im Vivendi © Markus Gehring

Wer ein ausgesprochen gediegenes Ambiente sucht, ist im Vivendi fehl am Platz. Wer aber nach dem Essen noch gemütlich verweilen möchte, ist hier genau richtig. Die verwinkelte Bauweise sorgt auch dann für eine ruhige und intime Atmospäre, wenn alle 90 Sitzplätze belegt sind. Zurzeit ist das Vivendi aufwendig weihnachtlich dekoriert. Für den Sommer: Im Innenhof und auf der Terrasse gibt es noch weitere Sitzplätze.

Kinderfreundlichkeit

Familien sind willkommen. Auf Nachfrage gibt es auch eine Extra-Kinderkarte. Die wird aber kaum nötig sein, da die Speisekarte mit Pommes, Pizza und Fingerfood ohnehin kindgerechte Elemente hat. Außerdem: Alle Speisen gibt es auf Wunsch auch als Kinderportion.

Restaurant mit Kneipenflair

Restaurant mit Kneipenflair © Markus Gehring

Barrierefreiheit

Das Restaurant ist nur über sieben Treppenstufen erreichbar. Ein behindertengerechtes WC ist nicht verhanden. Damit ist eine Barrierefreiheit definitiv nicht gegeben. Das Vivendi-Team kann aber nach eigener Aussage auch Rollstuhlfahrern den Zugang zum Lokal ermöglichen.

Anfahrt/Parkplatzsituation

Das Vivendi liegt im Herzen der Stadt, zwischen Fußgängerzone und Schloss. Viele Buslinien halten am nahegelegenen Marienplatz. Direkt vor der Tür sind mehrere Parkdecks, die abends gebührenfrei genutzt werden können.

Das Vivendi liegt am Domhof zwischen Schloss und Fußgängerzone.

Das Vivendi liegt am Domhof zwischen Schloss und Fußgängerzone. © Markus Gehring

Was sagt das Netz?

Trip Advisor

Fünf Bewertungen: zwei Ausgezeichnet, zwei Sehr gut und ein Ungenügend. Gelobt wird die große Auswahl, die gemütliche Atmosphäre und die große vegetarische Auswahl. Einmal gab es Kritik an der Essensqualität.

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4,9 von 5 Punkten, bewertet von 88 Personen

Restaurant Infos:

Cafe Vivendi

Domhof 4, 48683 Ahaus

Telefon (02561) 96 32 22

E-Mail service@cafe-vivendi.de

Warme Küche: sonntags bis donnerstags, 17 bis 22 Uhr, freitags und samstags 17 bis 24 Uhr, montags Ruhetag

WIE FUNKTIONIERT DER RESTAURANT-CHECK?
  • Wir gehen ohne Vorankündigung in die jeweiligen Restaurants - als ganz normale Gäste.
  • Wir sind keine Gastro-Experten, sondern einfach Menschen, die gerne an schönen Orten essen.
  • Wir beschreiben die Läden so, wie wir über sie auch mit Freunden und Bekannten sprechen würden. Mit ihren Schwächen, mit ihren Stärken. Ehrlich.
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