Das Spendenlager „Drehscheibe“ möchte nicht zur privaten Sperrmüllabfuhr werden

Spendenlager Drehscheibe

Das Spendenlager „Drehscheibe“ ist seit gut einem Monat an der Bahnhofstraße beheimatet. Doch nicht alle Spender kommen mit den Öffnungszeiten klar.

Ahaus

, 27.04.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Das Spendenlager „Drehscheibe“ möchte nicht zur privaten Sperrmüllabfuhr werden

Mehr Platz, mehr Angebote: Die Drehscheibe ist seit fast einem Monat an der Bahnhofstraße 102 beheimatet. Die Ehrenamtlichen haben den Umzugsstress hinter sich gelassen. © Christian Bödding

Der erste Monat in den neuen Räumen an der Bahnhofstraße ist fast vorüber. Die Ehrenamtlichen der „Drehscheibe – Spendenlager Ahaus“ haben sich schnell an das neue Umfeld gewöhnt. Für so manchen Spender gilt das noch nicht. Immer wieder werden Sachen außerhalb der Öffnungszeiten vor die Tür gestellt, berichtet Drehscheibe-Vorsitzender Bernd Overkamp. Mal sind es Textilien (auch verschmutzte), auch schon mal ein Etagenbett. Dabei ist es ganz einfach: die Drehscheibe im Innenhof der ehemaligen Post ist jeden Dienstag, Donnerstag und Freitag von 15 bis 18 Uhr geöffnet.

Neue Spender

Bernd Overkamp vermutet, dass die Drehscheibe durch den Umzug von der Industriestraße an die Bahnhofstraße und damit einhergehende Presseberichte auch neue Kunden und Spender bekommen hat. „Ich glaube, die Spender kennen sich noch nicht aus“, sagt Overkamp. Dabei weist draußen am Gebäude ein großes Schild auf die Arbeitsweise der Drehscheibe hin: „Keine Spendenabgabe außerhalb der Öffnungszeiten“ ist darauf zu lesen. Der Text findet sich auch auf einem Plakat in kleinerer Form am Eingang wieder.

Ist es Bequemlichkeit, warum die Spender außerhalb der Öffnungszeiten ihre Sachen vor der Drehscheibe abladen und nicht wieder mitnehmen? „Vielleicht haben diese Personen nicht die Möglichkeit, während der Öffnungszeiten zu kommen, möchten aber gerne spenden“, glaubt Bernd Overkamp.

Das Spendenlager „Drehscheibe“ möchte nicht zur privaten Sperrmüllabfuhr werden

Das Spendenlager ist jeden Dienstag, Donnerstag und Freitag von 15 bis 18 Uhr geöffnet. © Christian Bödding

Gleichwohl bittet er um Verständnis, dass dieses Vorgehen nicht der Arbeitsweise der ehrenamtlichen Helfer der Drehscheibe entspricht. Zwar wird niemand mit seinen Sachen zurückgeschickt, sagt Bernd Overkamp. „Aber wir müssen noch ein Auge auf die Dinge werfen, die man uns anliefert. Sonst entwickelt sich das zu einer privaten Sperrmüllabfuhr. Das geht nicht.“ Zudem gebe es immer noch die Möglichkeit, vorher mit der Drehscheibe über deren Internetseite Kontakt aufzunehmen. Den überwiegenden Teil der angelieferten Kleidung zum Beispiel kann die Drehscheibe weitergeben. „Wenn wir jedoch den Eindruck haben, das würde ich meinem Freund nicht geben, dann ist es eigentlich nichts“, sagt Bernd Overkamp und nennt ein Beispiel: „Wir bieten hier keine Jacke an, die wir selber nicht mehr anziehen würden.“

Zwei Herausforderungen

Ende März, Anfang April standen die Helfer gleich vor zwei großen Herausforderungen. Es galt nicht nur, den Umzug zu organisieren und eine Woche lang von morgens bis abends Regale ab- und wieder aufzubauen. Es gab auch gleichzeitig den Saisonwechsel. „Die Winterware musste durch die Sommerware ersetzt werden“, erklärt Bernd Overkamp. Die Helfer nahmen die Kleidung in Hunderten Kartons in Augenschein. „Wenn Sachen ein halbes Jahr im Container gestapelt werden, werden sie nicht besser.“

Da kam den Ehrenamtlichen zugute, dass die neuen Drehscheibe-Räume, früher als Lager- und Sortierräume von der Post genutzt, genügend Fläche dafür boten. Deutlich mehr als am alten Standort, wo es zuletzt Engpässe bei der Präsentation und der Lagerung gab; nicht zuletzt dank der großen Spendenbereitschaft der Ahauser. Auf diese Spendenbereitschaft setzt nicht nur das Team der Drehscheibe weiterhin, auch die Kunden hoffen darauf. Bernd Overkamp: „Wenn wir um 15 Uhr öffnen, warten meist schon um die zehn Personen auf Einlass.“

  • Die Drehscheibe, Bahnhofstraße 102, nimmt jeden Dienstag, Donnerstag und Freitag von 15 bis 18 Uhr Kleider, Spielsachen, Haushaltsgegenstände (Töpfe, Geschirr, Besteck, kleinere Elektrogeräte), Schuhe, Bettwäsche als Spenden entgegen.
  • Die Gegenstände werden in dieser Zeit gegen ein geringes Entgelt (zum Beispiel Pullover 1 Euro an Flüchtlinge, aber auch an sonstige Bedürftige abgegeben. Jeder Kunde ist willkommen.
  • Die erzielten Umsätze dienen zur Deckung von Kosten der Einrichtung, Überschüsse werden für wohltätige Zwecke verwendet.
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