Daniel ist wieder da

Alstätte Daniel ist ein Wirbelwind. Im Haus von Ingeborg Franke huscht er durch den Flur, saust in sein Zimmer, um ein Spielzeug zu holen und taucht kurz darauf Fahrrad fahrend auf dem Hof wieder auf. Daniels angeborene körperliche Behinderung - ihm fehlt der rechte Fuß - merkt man dem (fast) Zehnjährigen nicht an.

04.07.2008, 19:36 Uhr / Lesedauer: 2 min

<p>Wirbelwind Daniel genießt die Bewegungsfreiheit. Besonders gerne ist er mit der Fiets unterwegs.  MLZ-Foto Zimmermann</p>

<p>Wirbelwind Daniel genießt die Bewegungsfreiheit. Besonders gerne ist er mit der Fiets unterwegs. MLZ-Foto Zimmermann</p>

Dass der Junge aus der weißrussischen Hauptstadt Minsk so voller Bewegungs- und Tatendrang steckt, liegt auch an einer gut sitzenden Prothese, die ihm seine Mobilität ermöglicht. Die hat er vor einem Jahr in Enschede bekommen. Deshalb war er im vergangenen Sommer bei Ingeborg Franke zu Gast - damals mit seiner Großmutter und einem Freund - und ist für einige Alstätter ein "alter Bekannter". Dieses Mal wird er von Olga Kowal begleitet, die Franke von ihrem gemeinsamen Engagement für die Tschernobyl-Hilfe kennt. Im Rahmen ihres Einsatzes beim Ökumenischen Arbeitskreis Tschernobyl-Hilfe hatte die Alstätterin auch Daniel kennen gelernt.

Im vergangenen Jahr hat Daniel als Ersatz für seine alte und veraltete Prothese eine mit Oberschenkelabstützung bekommen. Eine vorläufige Maßnahme, damit sich die Muskulatur an seinem Oberschenkel aufbauen konnte. Jetzt bekommt er eine Prothese, die nur am Unterschenkel sitzt - ein Abdruck für die Anpassung wurde am Montag bereits gemacht. Das Geld für beide Prothesen hat Ingeborg Franke mit einer Spendenaktion für Daniel gesammelt. Leider wird aber auch die neue Prothese nicht mit dem Grundschüler mitwachsen. "Sie wird schon etwas größer, vielleicht mit einer Einlage, die später rausgenommen werden kann", sagt Franke. Aber in einigen Jahren wird Daniel doch herausgewachsen sein.

Und da die medizinische Versorgung in Weißrussland mit den Verhältnissen in Deutschland nicht zu vergleichen ist, kann der Junge auch dann wieder Unterstützung gebrauchen. "Wir werden sehen", sagt Franke und wirkt dabei recht zuversichtlich. Bei ihrer letzten Spendenaktion hat sie schließlich in kurzer Zeit über 7600 Euro zusammenbekommen.

Ferien auf dem Hof

Der Junge mit dem verschmitzten Lächeln indes strahlt aus, dass ihm im Moment ein paar Dinge noch wichtiger sind als seine neue Prothese. Nach der 25-stündigen Anreise genießt er nun seine "Ferien auf dem Bauernhof", schließlich lebt er sonst in der Stadt: In einer Zwei-Zimmerwohnung gemeinsam mit der Schwester, einer Tante und der Großmutter. Zur suchtkranken Mutter besteht kein Kontakt, seinen Vater sieht Daniel nur sporadisch. "Kein leichtes Leben", sagt Olga Kowal. fz

Lesen Sie jetzt