Das Café Muse ist geschlossen, das macht ein Aushang klar. Wir haben mit Pächter Christian Aupers gesprochen, wie lange der angekündigte Betriebsurlaub ohne festes Datum dauert.

Ahaus

, 07.06.2019 / Lesedauer: 4 min

Auf der Scheibe in der Eingangstür klebt ein Zettel: „Liebe Gäste, aus betrieblichen Gründen müssen wir vorzeitig in den Betriebsurlaub treten. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Das Café-Muse-Team.“ Seit Wochenbeginn ist das Café Muse an der Bahnhofstraße 4 geschlossen. Wie lange dieser Betriebsurlaub dauert, ob die Muse wieder öffnet, das weiß Pächter Christian Aupers nicht. So sagt er es am Mittwoch im Gespräch mit unserer Redaktion.

Was er aber klipp und klar sagt: „Ende September ist Schluss.“ Im Februar hatte der Gastronom bekanntgegeben, den zum Ende des Jahres auslaufenden Pachtvertrag nicht verlängern und am liebsten das Café schon früher an jemand anderen übergeben zu wollen. 18 Jahre führte er „die Muse“, wie sie in Ahaus genannt wird.

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Die vergangenen Monate sei die Muse in einer Abwärtsspirale gewesen, erklärt Christian Aupers. „Als die Schließungspläne bekannt wurde, da sind unsere besten Mitarbeiter abgeworben worden.“ Gerade im Gastro-Bereich würden Fachkräfte händeringend gesucht. Einige Mitarbeiter hätten gekündigt und seien zu anderen Gastronomie-Betrieben gewechselt. „Ist doch klar. Hätte ich doch auch gemacht, wenn ich weiß, dass bald Schluss ist“, zeigt Aupers Verständnis. In Ahaus habe er mit Aushilfen insgesamt fast 30 Personen beschäftigt, davon elf Festangestellte.

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„Zuletzt hatte ich Probleme, das Café Muse noch entsprechend mit Personal zu besetzen. Da gab es Lücken bei den Servicekräften und in der Küche.“ Doch nicht nur beim Personal taten sich Lücken auf, auch auf die Zahl der Gäste wirkte sich das abzusehende Muse-Ende aus. „Die Ahauser warten natürlich auf eine neue Geschichte. Sie haben mit der Muse abgeschlossen. Das war spürbar. Wir hatten zuletzt nicht mehr den Zulauf wie gewohnt“, sagt Christian Aupers.

Personal arbeitet in Coesfeld

Es kam eins zum anderen – und nun der Betriebsurlaub. Wobei, so ganz stimmt das mit dem Betriebsurlaub nicht. Denn das Personal, das er zum Schluss noch in Ahaus beschäftigte, setzt er aktuell in seinen Betrieben in Coesfeld ein. Der 55-Jährige führt in seiner Heimatstadt das Café Central mit angeschlossenem Catering-Service sowie die Fabrik.

Als Caterer beliefert Aupers unter anderem Veranstaltungen in der Bürgerhalle. „In Coesfeld sind in den kommenden Monaten mehrere Großveranstaltungen. Dafür habe ich die Servicekräfte und das Küchenpersonal aus der Muse zur Verstärkung geholt.“

Café Muse geschlossen: Betriebsurlaub ohne Aussicht auf ein Ende

Das Café Muse gibt es seit 2011, vorher war Jutta Harpering dort Wirtin der Traditionsgaststätte "Zur alten Post". © Christian Bödding

Ob die Muse bis September wieder öffnet, das ist ungewiss. Sicher ist, dass das Mobiliar bis dahin drinbleibt. Zwar hätten sich schon viele Interessierte gemeldet, „aber erst wenn wirklich Schluss ist, werde ich in Ruhe das ein oder andere veräußern“, sagt Christian Aupers. „Viele Stammgäste haben nach Tischgruppen gefragt. Die sind teilweise handgeschnitzt, das ist schon ein bisschen exklusiver.“

Exklusiv, doch auch in die Jahre gekommen. „Ich habe die Muse fast 20 Jahre geführt, es muss investiert werden“, gibt Aupers unumwunden zu.

Halbe Million Euro Investitionssumme

Mit Blick auf die Zahl der Sitzplätze drinnen – immerhin 120 – sagt er: „Das ist kein kleines Schiffchen, das man fahren muss.“ Aupers spricht von 500.000 bis 600.000 Euro, die er in die Muse hätte investieren müssen, um die nächsten ein, zwei Jahrzehnte zu bestehen. Doch das wollte er sich mit Blick auf die vielfältige Tobit-Gastronomie in Ahaus nicht antun. „Das Bamboo oder das Offsite, die sind klasse gemacht“, sagt Aupers anerkennend. „Aber für einen Gastronomen in Ahaus sind solche Mitbewerber tragisch.“ Tobit könne in seinen gastronomischen Show-Cases die neueste Technik ausprobieren. Aupers: „Das kann ich mir ganz einfach nicht leisten.“ Er will es auch nicht. Deshalb ist Schluss mit der Muse.

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Doch das Ende, es ist auch der Beginn von etwas Neuem. „Dr. Schmickler wird aus dem Café Muse etwas Interessantes machen“, ist sich Christian Aupers sicher. Dr. Stefanie Schmickler ist die neue Eigentümerin des Café-Muse-Gebäudes, das direkt neben ihrem Augen-Zentrum-Nordwest liegt. Im Gespräch mit unserer Redaktion im April hatte sie erklärt, dass es an der Bahnhofstraße 4 weiterhin ein Gastronomieangebot mit Mittagstisch geben wird. Es seien mehrere Bewerber für den Standort im Rennen. Laut Christian Aupers sollen drei in der engeren Auswahl sein.

Suche nach neuem Pächter

Eine Entscheidung für einen neuen Pächter sei noch nicht gefallen, ließ Stefanie Schmickler am Donnerstag zwischen Besprechungen und einem OP-Termin mitteilen. Eventuell werde es nach Pfingsten neue Entwicklungen geben. Vorgesehen seien umfangreiche Umbauarbeiten, Pläne würden erstellt.

Große Pläne für Ahaus hat Christian Aupers derweil nicht mehr. Er konzentriert sich auf seine Betriebe in Coesfeld. „Aber wenn ein anderer die Muse betreibt, dann schaue ich ganz sicher noch mal vorbei.“

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