Whoopi Goldberg in Ahaus? Falsche Angaben im Restaurant kosten 250 Euro

dzGastronomie

Wer auf dem Kontaktformular im Restaurant falsche Angaben macht, muss ein Bußgeld von 250 Euro zahlen. Aber wer soll das kontrollieren? Gastronomen zumindest dürfen keinen Ausweis verlangen.

Ahaus

, 07.10.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dass die amerikanische Schauspielerin Whoopi Goldberg in ihrem Restaurant im Herzen Ahaus zu Gast war, das konnte Angelika Rathmer nicht so richtig glauben. Doch genau dieser Name stand auf einem der Kontakt-Formulare, die die Besucher auch im Schlosshotel ausfüllen müssen.

Wenn der offensichtlich nicht richtige Name der Gastronomin früher aufgefallen wäre, wäre es für den Gast teuer geworden. 250 Euro Bußgeld sind bei falschen Angaben auf diesen Listen fällig. Aber wer soll das kontrollieren?

Gastronomen müssen Plausibilität der Angaben prüfen

Das Team des Schlosshotels schaue auf jedes Formular und frage auch mal nach, wenn etwas nicht ganz stimmig oder nicht lesbar ist. „Aber im Stress fällt eben nicht jede falsche oder unleserliche Angabe sofort auf“, sagt Angelika Rathmer.

Auch Dirk Rolfes von der Marktschänke sagt deutlich: „Wie sollen falsche Angaben denn auffallen? Da müsste ja genau in dem Moment, wo der Gast das falsch ausfüllt, jemand vom Ordnungsamt da sein.“ Er selber könne nur schauen, ob alles ausgefüllt ist und halbwegs plausibel klingt.

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Genau das muss er nach Vorgaben des Landes auch tun, eine sogenannte Plausibilitätsprüfung. Ob der Gast aber tatsächlich den Allerweltsnamen Thomas Schmidt trägt, kann er nicht herausfinden. Denn einen Ausweis dürfen Gastronomen sich nicht zeigen lassen. Im Gegensatz zum Ordnungsamt: Dessen Mitarbeiter dürfen genau diese Kontrollen durchführen und sind auch dafür zuständig.

Ordnungsamt wird stichprobenartig kontrollieren

„Wir haben vor, das stichprobenartig zu überprüfen. Also zum Beispiel, wenn uns oder den Gastronomen auffällt, dass Bugs Bunny oder James Bond in Ahaus essen waren. Oder wenn täglich mehrmals ein Michael Müller auf den Listen auftaucht“, erklärt Anna Reehuis, Pressesprecherin der Stadt Ahaus.

Das Bußgeld würde allerdings für den Gast fällig werden, nicht für den Gastronomen. Das heißt, der Gast muss auch noch angetroffen werden. Und genau da liegt das Problem. Das Ordnungsamt könne nicht ständig in allen Gastronomie-Betrieben vor Ort sein, sagt Anna Reehuis. „Da sind wir auch auf das Verantwortungsbewusstsein der Menschen angewiesen.“ Bislang habe es aber in Ahaus keine größeren Auffälligkeiten in diese Richtung gegeben.

Drei laufende Bußgeldverfahren gegen Ahauser Gastronomen

Eine andere Sache in diesem Zusammenhang scheint aber auch in Ahaus ein Problem zu sein. Nach Angaben der Pressesprecherin laufen derzeit drei Bußgeldverfahren gegen Gastronomen, bei denen die Gäste gar keine Kontaktdaten angeben mussten. Hinzu kommen mehrere Ermahnungen, weil Gastronomen die Listen nicht sorgfältig oder datenschutzkonform geführt haben.

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Dieser Aspekt ist offenbar auch den Ahausern wichtig. Bei einer Facebook-Umfrage der Münsterland Zeitung weist ein Nutzer darauf hin, dass er die Datenerfassung richtig findet, solange damit sorgfältig umgegangen wird. „Wenn man jedoch eine Liste zum Eintragen vorgelegt bekommt, wo bereits viele bisherige Gäste mit Name, Adresse und Telefonnummer eingetragen sind, finde ich das äußerst bedenklich. Da ist es dann kein Wunder, wenn falsche Angaben gemacht werden.“

Ahauser Gastronomen kennen Großteil ihrer Kunden

Tatsächlich dürfen Gastronomen die Listen nicht offen auslegen. Bei Angelika Rathmer im Schlosshotel bekommt deswegen jeder Tisch einen eigenen Zettel. „Und nach vier Wochen wird alles vernichtet.“ Wer seine Daten nicht angeben will, muss wieder gehen. Auch das komme immer mal wieder vor.

Ein anderer Facebook-Nutzer meint: „Falscher Name, richtige Telefonnummer.“ Im Fall der Fälle kann das Gesundheitsamt so immer noch die betroffene Person erreichen, auch wenn der angegebene Name nicht stimmt.

Die Ahauser Gastronomen haben dabei einen Vorteil: Sie kennen den Großteil ihrer Kunden. Falsche Angaben sind im Schlosshotel bei Angelika Rathmer sowieso die Ausnahme, Dirk Rolfes ist bisher noch gar kein Fall in seiner Marktschänke bekannt. Eines gibt Angelika Rathmer aber noch allen Gästen mit auf den Weg: „Im Endeffekt machen wir all das doch zu unserem eigenen Schutz.“

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