Bürgermeisterkandidaten: Bei der Wallstraße war es mit der Einigkeit vorbei

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Beim Stichwort Wallstraße oder Naturschutz traten dann doch Unterschiede zutage bei der Podiumsdiskussion der Münsterland Zeitung: Da diskutierten die Bürgermeisterkandidaten kontrovers.

Ahaus

, 04.09.2020, 15:46 Uhr / Lesedauer: 3 min

Eins bleibt festzuhalten nach der zweistündigen Podiumsdiskussion der Münsterland Zeitung mit den drei Bürgermeisterkandidaten Dietmar Eisele (Grüne), Dr. Michael Räckers (CDU) und Karola Voß (parteilos) im Autoforum Bleker in Ahaus: Die Ahauser werden einen an der Sache orientierten Bürgermeister bekommen oder eine sachorientierte Bürgermeisterin behalten.

Stefan Swoboda, Filialleiter des Bleker Autoforums Ahaus, begrüßte die Gäste der Podiumsdiskussion der Münsterland Zeitungen in den Räumlichkeiten an der Schöppinger Straße.

Stefan Swoboda, Filialleiter des Bleker Autoforums Ahaus, begrüßte die Gäste der Podiumsdiskussion der Münsterland Zeitungen in den Räumlichkeiten an der Schöppinger Straße. © Anne Winter-Weckenbrock

Es gab keine Scharmützel in der Endphase des Wahlkampfes, keine zugespitzt formulierten gegenseitigen Vorwürfe. Und selbst bei der von Redaktionsleiter Bernd Schlusemann „verdonnerten“ gegenseitigen Vorstellung zu Beginn und der Abschlussfrage, warum jeder Kandidat einen anderen wählen könnte, wenn er selbst nicht antreten würde, gab es keine Spitzen oder Breitseiten, sondern persönliche Anerkennung und humorvolle Beschreibungen.

Beim Thema Wallstraße und Parkplätze keine Einigkeit

Wohltuend – denn dem grundlegenden Sinn der Diskussion, die Zuhörer über die eigenen Haltungen und das eigene Profil zu informieren, tat das kein Abbruch. Denn es gab es hier und da Übereinstimmungen, aber eben auch ganz klare unterschiedliche Positionen. Stichwort Wallstraße. Da gingen die Meinungen deutlich auseinander, was den Erhalt der Parkplätze angeht.

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Video von der Podiumsdiskussion mit den Bürgermeisterkandidaten in Ahaus

Die amtierende Bürgermeisterin und unabhängige Kandidatin Karola Voß stand hinter dem Verwaltungsvorschlag: Aufenthaltsqualität schaffen und dafür die Parkplätze um die Hälfte reduzieren. „Ahaus hat da ein Pfund“, betonte sie. Parkplätze gebe es bald 100 in der Tiefgarage bei Berken, aktuell am Kulturquadrat und am Friedhof.

Räckers setzt auf digitales Parkleitsystem

„Den Windeleinkauf mache ich nicht mit dem Fahrrad“, gab ihr Michael Räckers mit einem praktischen Beispiel aus Sicht junger Familien Contra: Nicht nur wegen des Drogeriemarktes sei es „zwingend, dass man da gut mit dem Auto dran kommen kann.“ Er warnte, dass die „stabile, attraktive Innenstadt“ gehalten werden müsse und versprach sich viel von dem digitalen Parkleitsystem, das die CDU beantragt habe.

Der Grüne Dietmar Eisele setzte ebenfalls auf die 100 Parkplätze bei Berken. Und: „Ich würde die Innenstadt gerne runterkühlen“, sprach er einen anderen Aspekt an: Es gebe sehr wenig Bäume in der Innenstadt, neue an der Wallstraße statt der Parkplätze würden seinem Ziel entgegenkommen.

Die Podiumsdiskussion konnten die Abonennten der Münsterland Zeitung im Autoforum Bleker oder auch zuhause am Bildschirm per Livestream verfolgen. Drei Kameraleute hatten das Geschehen im Auge.

Die Podiumsdiskussion konnten die Abonennten der Münsterland Zeitung im Autoforum Bleker oder auch zuhause am Bildschirm per Livestream verfolgen. Drei Kameraleute hatten das Geschehen im Auge. © Anne Winter-Weckenbrock

Beim Thema Verkehr überhaupt gab es viel Übereinstimmung, aber verschiedene Ideen. Dietmar Eisele würde gerne das 365-Tage-Ticket für 365 Euro einführen. „Ja, es wird Geld kosten, aber alle werden profitieren“, antwortete er auf die Frage von Moderator und Redakteur Christian Bödding, ob Geld „keine Rolle spiele“. Den ÖPNV zu fördern sei ein einiges Ziel, sagte Michael Räckers dazu. Er freue sich, dass die Bürgerbuslinie nach Haaksbergen gut angenommen werde, über eine zweite Linie könne man doch nachdenken. Man müsse aber schauen, wie alle Ideen finanziell umzusetzen seien.

Voß: „ÖPNV ist nicht das alleinige Mittel“

Karola Voß bezeichnete den ÖPNV als „nicht das alleinige Mittel“. Leider sehe man oft Busse ohne Fahrgäste durch Ahaus fahren. Sie fand im ganzheitlichen Blick auf den Verkehr das angestoßene Radverkehrskonzept wichtig und wollte Car-Sharing vorantreiben. „Taxi on Demand“ und gute Wege für E-Bikes brachte Michael Räckers noch ins Spiel, Karola Voß Mitfahrerbänke – und die Podiumsdiskussion hatte einen Hauch von Ideenworkshop.

Kontroverser wurde es beim Thema Digitalisierung zum Beispiel der Schulen. Karola Voß sagte, dass trotz der Fördermittel – „ein Tropfen auf dem heißen Stein“ – nicht alle Schulen flächendeckend „top ausgestattet“ seien. „Aber würden wir alle Schüler mit Endgeräten ausstatten, läge die Ausgabe zwischen anderthalb und zwei Millionen Euro“, sagte sie und verwies auch noch auf Folgekosten.

Dietmar Eisele und Michael Räckers mahnten aber mehr Tempo bei der Inanspruchnahme des Förderpakets „Digitalpakt“ an. Erst ein Jahr nach dem Beschluss folgten jetzt die Ausschreibungen: „Das muss schneller gehen“, forderte Räckers.

Leserfrage zu Ausgleichsmaßnahmen in Gewerbegebieten

Ein Leser der Münsterland Zeitung hatte eine Frage gesendet, die Moderator Christian Bödding vortrug: Wie jeder der Kandidaten es schaffen wolle sicherzustellen, dass die Ausgleichsmaßnahmen in den Gewerbegebieten auch wie vertraglich vereinbart berücksichtigt würden. „Vor Ort. Und korrekt“, betonte Dietmar Eisele. Dazu könne man mit Drohnenfotos arbeiten bei der Bauabnahme, meinte er.

Michael Räckers betonte auch, dass vertragliche Vorgaben eingehalten werden müssten, aber die Stadt kreativer werden müsste bei der Begrünung und dem Flächenverbrauch, „ohne die Gewerbetreibenden einzuschränken“. Karola Voß wies auf manche Schwierigkeiten hin, auch was Erweiterungsabsichten von Unternehmen betrifft. Aber auch sie sah Handlungsbedarf in punkto Ausgleichsmaßnahmen: „Da müssen wir nacharbeiten.“

Auch die Gäste der Podiumsdiskussion nutzten die Gelegenheit, ihre Fragen an die Bürgermeisterkandidaten zu stellen. Bernd Schlusemann, Redaktionsleiter der Münsterland Zeitung, war mit dem Mikrofon im Zuschauerbereich unterwegs.

Auch die Gäste der Podiumsdiskussion nutzten die Gelegenheit, ihre Fragen an die Bürgermeisterkandidaten zu stellen. Bernd Schlusemann, Redaktionsleiter der Münsterland Zeitung, war mit dem Mikrofon im Zuschauerbereich unterwegs. © Anne Winter-Weckenbrock

Eine Zuhörerin aus dem Publikum hatte die konkrete Frage, was die Kandidaten von dem Bauausschussbeschluss halten, dass für ein künftiges Baugebiet in Wüllen Kopfweiden weichen sollen. Sie persönlich „hätte gerne noch mal drüber nachgedacht“, sagte Karola Voß. Der Beschluss sei aber ein Kompromiss nach einer Abwägung gewesen.

Das betonte auch Michael Räckers: Ein Wäldchen dort bleibe ja stehen. „Das ist nicht rein ökonomisch, die Stadt verdient kein Geld damit. Aber die Fläche soll für Eigenheime genutzt werden“, ergänzt er. Dietmar Eisele sah das anders: „Wegen monetären Interessen Bäume opfern – das ist nicht mein Weg.“

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