Ludwig Niestegge und Josef Terbeck vom Bürgerbusverein Ahaus-Haaksbergen an der Haltestelle am Kulturquadrat. Vom Bürgerbus ist im Moment wenig zu sehen. Der Fahrbetrieb ruht. "Das Virus gibt den Takt vor", sagt Ludwig Niestegge. © Stephan Rape
Corona-Zwangspause

Bürgerbusverein Ahaus-Haaksbergen fiebert dem Neustart entgegen

Auch der Bürgerbus zwischen Ahaus und Haaksbergen bleibt wegen der Corona-Krise in der Garage. Doch der Verein fiebert dem Neustart entgegen und bereitet sich vor.

Die Corona-Krise zwingt auch die Mitglieder des Bürgerbusvereins Ahaus-Haaksbergen zum Nichtstun. Seit Anfang November ruht der Betrieb der Linie BB12.

Josef Terbeck und Ludwig Niestegge sehen keine andere Möglichkeit. Der Vorsitzende und sein Vorstandskollege betonen aber, dass die Arbeit hinter den Kulissen weiter gehe. Mehrfach seien sie schon angesprochen worden, ob es den Verein überhaupt noch gebe. „Natürlich. Der Bürgerbusverein lebt“, sagt Ludwig Niestegge. 49 aktive Fahrer stehen für die Touren des Busses bereit.

„Doch sie gehören überwiegend zur Altersgruppe, die besonders gefährdet ist“, sagt Josef Terbeck. Auch deswegen habe der Bürgerbusverein aktuell seinen Fahrbetrieb eingestellt. Wie auch alle anderen Bürgerbusvereine.

Fahrzeug ist zu klein um Abstände einzuhalten

„Im Gegensatz zu den regulären Bussen, ist unser Fahrzeug ja viel kleiner“, sagt Josef Terbeck. Auch könnten die Abstände nicht eingehalten werden und es gebe keine separaten Türen für Ein- und Ausstieg. Deswegen könne der Bürgerbus erst wieder fahren, wenn die Infektionszahlen deutlich zurückgehen. Etwa eine Woche Vorlauf benötige der Verein, um den Betrieb wieder hochzufahren. Das geschehe natürlich in enger Abstimmung mit dem Regionalverkehr Münsterland (RVM) und den umliegenden Kommunen. Wann es soweit ist, mögen beide nicht abschätzen. Schließlich entwickeln sich die Zahlen gerade in die falsche Richtung.

„Wir würden gerne sofort wieder starten, aber das Virus gibt den Takt vor“, erklärt Ludwig Niestegge. Bis es soweit ist, bereitet sich der Bürgerbusverein auf den Neuanfang vor. Etwa durch die Fahrtauglichkeitsuntersuchungen der Fahrer. Auch das Fahrzeug wird in Schuss gehalten. Etwa durch regelmäßige Fahrten. „Auch das hat bei einigen Fahrgästen für Verwirrung gesorgt“, sagt Josef Terbeck lachend.

Besonders ärgerlich: Vor der Corona-Krise habe sich der Bürgerbus zwischen Haaksbergen und Ahaus gerade erst so richtig etabliert: „2019 hatten wir 5423 Fahrgäste und die Tendenz war steigend“, erklärt der Vorsitzende. Nach dem Zwangsstopp werde der Verein wohl bei Null wieder anfangen müssen. „Das muss sich ja auch erst herumsprechen“, sagt Josef Terbeck.

Fahrt mit dem Bürgerbus wird nicht kostenlos

Ludwig Niestegge ist nicht nur Mitglied im Bürgerbusverein, sondern sitzt auch für die UWG im Rat der Stadt Ahaus. Im Finanzausschuss hatte seine Partei jetzt beantragt, die Fahrten mit dem Bürgerbus künftig kostenfrei anzubieten. Rund 7500 Euro hätte das die Stadt pro Jahr gekostet. So sollten die Fahrten attraktiver gemacht werden.

Doch mit der Idee konnte sich die UWG nicht durchsetzen: „Wir haben zwei verschiedene Bürgerbusse“, gab der Erste Beigeordnete Hans-Georg Althoff zu Bedenken. Der Bürgerbus von Ahaus über Heek nach Legden bliebe kostenpflichtig. Das sei eine Ungleichbehandlung.

Auch Dietmar Eisele (Grüne) mochte sich damit nicht anfreunden: „Zwei unterschiedliche Tarife für die Bürgerbusse in unserer Stadt halte ich nicht für zielführend.“ Eine Vergünstigung, etwa über ein Ein-Euro-Ticket für den Nahverkehr in der ganzen Stadt, müsse über alle Linien gespannt werden. Das sei aber ein sehr kompliziertes Verfahren und müsse auch mit dem Regionalverkehr Münsterland (RVM) abgestimmt werden.

Auch Andreas Dönnebrink (SPD) sah die Ungleichbehandlung der unterschiedlichen Bürgerbusse kritisch. Es sei nicht zu erklären, dass eine Fahrt von Alstätte nach Ahaus nur einen Euro kosten solle oder gar umsonst sei, wenn die Fahrt von Wüllen nach Ahaus vier Euro mit dem regulären Bus koste.

Stadt trägt nicht-gedeckte Kosten

Der UWG-Antrag wurde schließlich mit elf Gegenstimmen abgelehnt. Für Ludwig Niestegge und den Bürgerbusverein im Nachhinein kein Problem: „Das wäre ja nur ein Test gewesen“, sagt er. Und die Stadt trage ja sowieso die Kosten des Busses, die nicht durch die Tickets gedeckt werden können.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape

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