Brauen zwei Ahauser Hobbybrauer das beste Bier Deutschlands?

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In Stralsund sind am 14. September die Deutschen Meisterschaften der Hobbybrauer. Mit dabei: Hennes Nienhaus und Mario Dönnebrink aus Ahaus. Sie verraten, was ihr Bier so besonders macht.

Ahaus

, 01.09.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Der Rodler Georg Hackl sagte einst über amerikanisches Bier, das sei „der erste gelungene Versuch, Wasser weiter zu verdünnen“. Doch es gibt auch deutsche Industriebiere, die den Käufern nicht mehr durch den Hals gehen wollen. Die Gründe? Das Bier ist geschmacklos. Seelenlos. Ohne Liebe, Geduld und Kreativität hergestellt.

Mario Dönnebrink und Hennes Nienhaus aus Ahaus wollten vor drei Jahren in geschmacklich ganz neue Bierdimensionen vorstoßen und ihr eigenes Bier brauen. Wie die beiden zum Bierbrauen kamen? „Weil man‘s gerne trinkt“, antwortet Dönnebrink. „Weil wir Hopfen im Garten hatten“, sagt Nienhaus.

Am übernächsten Wochenende stellen sich beide mit ihrem Bier den Juroren bei den Deutschen Meisterschaften der Hobbybrauer in Stralsund.

Anfänge im Kochtopf

Alles begann im Jahr 2016. Mario Dönnebrink kaufte ein Buch über die deutsche Bierbraukunst. „Ein ziemlich dicker Wälzer.“ Doch mit Blick auf die stetig wachsende sogenannte Craft-Bier-Szene der Kreativbrauer war ihm klar:

Selbst die heute erfolgreichsten Craft-Bier-Brauer fingen vor 15 Jahren als Studenten mit dem Brauen im Kochtopf an.

Der 49 Jahre alte Michael Dönnebrink, der im Hauptberuf Vorstand und CEO der d.velop AG in Gescher ist, suchte als erstes nach Rührwerken. „Der Malzsud muss drei Stunden gerührt werden, damit nichts anbrennt. Das ist anstrengend.“

Er fand heraus, dass es auch mit dem Thermomix ganz gut geht. Vier Stunden brauchte das Duo im allerersten Versuch, um schlussendlich eineinhalb Liter Bier herzustellen. Drei Flaschen.

Beide waren zu ungeduldig

Eine Woche gärte das Bier im Brautopf, eine Woche in der Flasche und zwei Wochen im Kühlschrank, damit sich alles absetzen konnte.

„Es war trinkbar. Aber es schmeckte nicht gut.“ Denn: Es war zu viel Hefe drin. Mario Dönnebrink: „Wir waren zu ungeduldig.“ Ab und an hatten sie den Deckel vom Brautopf genommen um nachzusehen und wohl zu viel gerührt. Das stresste die Hefe zu sehr. Das Bier schmeckte eher nach Brottrunk.

Die beiden ließen sich dadurch nicht entmutigen und setzten einen zweiten Sud an. „Wir kannten ja den Fehler.“ Vier Wochen später mundete dem Duo das Ergebnis richtig gut.

Nach diesem Erfolg kaufte sich Mario Dönnebrink eine Brauanlage mit einer Kapazität von bis zu 25 Litern. Ein Gerät, das auf einen Tisch passt. Seitdem wird im Sommer auf der Terrasse gebraut, im Winter in der Küche. „Wir finden, dass es phantastisch riecht“, sagt Mario Dönnebrink. „Aber es ist nicht jedermanns Sache.“

Hennes Nienhaus legte sich ebenfalls eine Anlage zu. Seitdem werden zusammen immer zwei verschiedene Biere gebraut. Auch jeder für sich versucht, seine Braukünste zu verfeinern. Das gelingt nicht immer. „Ich habe mal versucht, Blaubeer-Bier zu brauen.

„Nicht genießbar“

Der erste Versuch ging völlig in die Hose, Das war nicht genießbar“, berichtet der 51 Jahre alte Hennes Nienhaus, der hauptberuflich beim Spielgerätehersteller K-Ring in Ahaus arbeitet. Auch der zweite Versuch missglückte. „Fruchtbiere sind nicht ganz ohne.“

Doch der Brauer-Ehrgeiz war geweckt. Vorläufiger Höhepunkt war die Teilnahme an der Braumeisterschaft der Brauerei Gebr. Maisel in Bayreuth kurz vor Ostern 2019.

Für die Teilnahme wurde die Biersorte vorgegeben, die Bittere, die Farbe und die Hefen. „Innerhalb der Toleranzen wird dann gebraut“, erläutert Dönnebrink. Die Ahauser schafften es bei insgesamt 50 Teilnehmern zwar nicht unter die besten zehn, doch das von ihnen eingereichte Bier hinterließ bei den Juroren einen positiven Eindruck.

Meisterschaften in Stralsund

Die Ahauser brauen relativ streng innerhalb des Reinheitsgebotes, aber noch wichtiger ist ihnen das Natürlichkeitsgebot. Ein Bier mit UV-Licht zu bestrahlen oder mit Mikroplastik zu filtrieren, das käme ihnen nie in den Sinn.

Mit welchem Bier das Duo aus Ahaus am 14. September in Stralsund antreten muss, das haben die Veranstalter der Stralsunder Störtebeker Braumanufaktur vorgeschrieben: mit einem Brut-IPA (India Pale Ale). „Ein obergäriges Bier mit reichem Hopfenaroma, einem schlanken, sehr trockenen Trunk und einem spritzig-erfrischenden Mundgefühl,“ so steht es in der Ausschreibung zur den Deutschen Meisterschaften der Hobbybrauer.

Das Brut-IPA schmecke ähnlich wie ein trockener Sekt, erklärt Dönnebrink. Verkostet werden die Biere der rund 150 Hobbybrauer von einer Expertenjury aus Brauern, Sommeliers und Bierbotschaftern. Der Gewinner darf sein Bier im großen Maßstab mit dem Störtebeker-Team in Stralsund einbrauen und bekommt 400 Liter des Bieres. Das Brut-IPA wird national erhältlich sein.

Wettbewerbs-Bier

Ihr Wettbewerbs-Bier – mit belgischer Hefe und slowenischem Hopfen – haben Dönnebrink und Nienhaus schon fertig abgefüllt, damit es im September den vollen Geschmack entfalten kann. „Wenn Bier einige Wochen mit Geduld lagert, wirkt sich das vorteilhaft auf den Geschmack aus“, erklärt Mario Dönnebrink.

Eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt auch das Brauwasser, in diesem Fall Ahauser Leitungswasser. „Das hat einen guten Härtegrad und ist geschmacklich toll. Wir haben auch schon mit Brunnenbohrungswasser aus Unterortwick gearbeitet, aber Leitungswasser hat die beste Qualität.“

Zu ihren Siegchancen in Stralsund befragt, würden die Ahauser mit ihrem Bier schon gerne auf dem Siegertreppchen landen. Doch in erster Linie geht es ihnen um das Ambiente bei der Veranstaltung, das freundschaftliche Messen mit anderen Brauern.

„Ahauser Hopfenkopp“

Mario Dönnebrink und Hennes Nienhaus sind nicht nur passionierte Hobbybrauer sondern auch Musiker und Bassisten und spielen gemeinsam in der Ahauser Progressive-Rockband „Prokk“. Als „H&M Bassbrauer“ haben sie Mitte August ihre Liebe zur Musik und zur Braukunst in den „Ahauser Hopfenkopp“ münden lassen.

„Ein Bier mit gewissem Lokalkolorit“, berichtet Mario Dönnebrink, auch bei der Namensgebung und der Konsonantenverdopplung sei man im Westfälischen geblieben. Beim „Ahauser Hopfenkopp“ handelt es sich um ein Pale Ale, ein Bier englischer Brauart.

Die Rezeptur stammt von den Ahausern, gebraut wurden 1000 Liter in einer Brauerei in Haaksbergen. Das Etikett ziert der Kopf des Ahauser Mahners. „Viel mehr muss nicht drauf. Der Mahner ist ein absoluter Charakterkopf. Unvergleichbar. Das Wahrzeichen von Ahaus“, sagt Hennes Nienhaus.

Erhältlich ist das Bier seit dem 17. August in den Getränkemärkten von Ellerkamp, bei Fresh+Cool in Ahaus im Unbrexit und in einigen anderen Orten.

Einsteiger-Brauanlagen

Wer ebenfalls hobbymäßig mit dem Bierbrauen anfangen möchte, dem rät Mario Dönnebrink: „Entweder, man braut mit jemandem, der schon Brauequipment hat, oder man braut mit zwei, drei Freunden zusammen und fängt auf die ganz einfache Art und Weise mit dem Kochtopf an.“ Gute Einsteiger-Brauanlagen gebe es zudem für unter 400 Euro.

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