Biersommelier Guido Brüggemann: „Wenn ein Bier abgelaufen ist, schmeckt das auch der Laie“

dzBierprobe

Guido Brüggemann ist Biersommelier. Der Wirt der Haarmühle in Alstätte gibt sein Wissen über Bier bei Bierproben weiter. Uns hat er verraten, woran der Laie ein gutes Bier erkennt.

Ahaus

, 30.12.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es soll Menschen geben, die nur deshalb Bier trinken, weil ein selbst aus zwei Metern Entfernung ins Glas gekippter Wein nicht schäumt. Versucht hat Guido Brüggemann das noch nicht, aber dafür macht dem Wirt der Haarmühle in Alstätte in Sachen Bier so schnell keiner etwas vor. Der 41-Jährige ist Biersommelier. Er gibt sein Wissen in kleinen und großen Runden bei Bierproben weiter.

Ziel vor Augen

Als Guido Brüggemann vor sechs Jahren in den Betrieb einstieg, kümmerte er sich erst einmal um die Bierkarte. Es folgte in München ein Dreitageskurs zum Bierbotschafter. „Dabei ging es um Bierstile und den Brauvorgang“, erzählt Guido Brüggemann. „Das war eher eine Lightversion des Biersommeliers.“

Der Wirt verlor sein Ziel nicht aus den Augen. Biersommelier wollte er werden. Das Problem: die Kurse werden in München und Salzburg angeboten. „Mit An- und Abreise ist man doch lange weg. Das konnte ich hier nicht darstellen“, sagt der Chef der Haarmühle.

Kurs im Emsland

Die Lösung hatte ein Wirte-Kollege aus dem Emsland. „Er holte einen Kurs nach Lingen. Das passte gut.“ Insgesamt zehn Tage im Mai und September ließ sich der Alstätter zum Biersommelier schulen. Lingen sei ein Bier-Hotspot, sagt der Wirt. Die Gaststätte Alte Posthalterei zum Beispiel habe über 140 Biere auf der Karte.

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Kleine Bierkunde mit Biersommelier Guido Brüggemann

Inhaltlich ging es bei der Schulung zunächst einmal ganz klassisch um den Brauvorgang und die erforderlichen Rohstoffe. „Warum schmeckt ein Bier so wie es schmeckt?“, erklärt Guido Brüggemann. Eine weitere Fragestellung: „Wie wirkt sich Malz auf die Farbe und den Geschmack aus?“ Es ging um Biergeschichte, um Bierlagerung und die Schanktechnik.

Dabei blieb nicht aus, dass in der Schulung jeden Tag Bier verkostet wurde. Bier zu Käse, Bier zu Crackern, Bier zu Fleisch. Einen Schädel bekamen die Teilnehmer aber nicht. „Es gab immer nur ein paar Schluck.“

Bierproben in der Haarmühle

Sein Wissen gibt Guido Brüggemann bei Bierproben und Bierabenden in der Haarmühle weiter. Schon über 1100 Biertrinker ließen sich bei gut 80 Veranstaltungen von ihm auf eine Reise in die Welt der Biere mitnehmen. Die Veranstaltungen terminiert der Wirt immer in den Herbst und Winter, von Oktober bis März. „Ich kann besser ein leichtes, spritziges Bier im Winter trinken, als die schweren, kräftigen Biere im Sommer.“

Biersommelier Guido Brüggemann: „Wenn ein Bier abgelaufen ist, schmeckt das auch der Laie“

Ob Dunkles oder Helles – Biersommelier Guido Brüggemann kann beiden Biersorten positive Seiten abgewinnen. © Christian Bödding

Bei den Bierabenden für Gruppen ab zehn Personen geht es in die Jagdhütte der Haarmühle. „Wir verkosten neun Biere. Das hat sich bewährt. Das ist nicht zu viel.“ Getrunken wird aus sogenannten Verkostungsgläsern, jeweils 0,1 Liter.

Guido Brüggemann erzählt etwas zu jedem Bier, eine Sorte wird blind verkostet. „Das ist einfach ein schöner Abend. Das macht Spaß, mir selber auch.“ Nebenbei wird gegessen, nach zweieinhalb bis drei Stunden ist der Bierplausch vorbei.

Verkostung

Damit ihm nicht langweilig wird, tauscht Guido Brüggemann des Öfteren die Biersorten. „Meistens beginne ich mit einem belgischen Fruchtbier. Dann geht es traditionell weiter mit Weizenbier.“

Es folgen Dunkles, Helles und Export. Vor dem Essen wird noch der Bereich Craft-Bier abgedeckt. „Oft hopfenbetont und bitter.“

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Bierprobe mit Guido Brüggemann

Nach dem Essen, im zweiten Teil des Abends, geht es deutlich alkoholischer zu. Auf Doppelbock und Weizen-Doppelbock folgt ein Stout. „Ein richtig schön schokoladiges Bier, das wir zur Herrencreme nehmen.“

Ganz am Ende gibt es außer der Reihe noch etwas Besonderes. „Ein schweres belgisches Bier, das man eher aus einem Cognacschwenker trinken müsste. Flaschengärung.“

Tipps für Biertrinker

Statt des Cognacschwenkers kommen bei diesem und allen anderen Bieren die erwähnten bauchigen Verkostungsgläser zum Einsatz. Bei ihnen können sich, wie beim Wein, die Aromen im „Kamin“ sammeln. Die Gläser sind nach außen gewölbt, „damit das Bier nicht zu schnell fließt“, erklärt der Biersommelier.

Nachfolgend hat Bierexperte Guido Brüggemann einige Tipps für alle Biertrinker parat:

? Wie erkenne ich als Laie ein gutes Bier? Guido Brüggemann: „Es muss schmecken. Wenn ich ein Leben lang nur Pils getrunken habe, dann ist ein Kellerbier gewöhnungsbedürftig. Aber wenn es schmeckt, ist alles gut. Wenn ein Bier abgelaufen ist, schmeckt das auch der Laie. Ansonsten gilt: Alles, was ich in Deutschland an Bier kaufen kann, ist schon in Ordnung – solange ich es ordentlich lagere.“

? Welches Bier ist die beste Wahl für eine Party?

„Sie möchten ja möglichst viele Leute damit einfangen. Mit einer bekannten Marke machen Sie nichts verkehrt. Ich persönlich empfehle ein Helles, das ist ein bisschen das Pendant zum Pils. Da sagen bei den Bierproben durch die Bank alle: Das ist lecker.“

? Welches Bier empfehlen Sie zu Fleisch und Fisch?

„Eigentlich kann man dabei die gleichen Anleihen machen wie beim Wein. Dunkle Biere passen zu dunklem Fleisch. Zum Fisch würde ich eher ein helles Bier empfehlen, aber kein Pils. Irisches Stout passt zu Desserts. Die Craft-Biere schmecken sehr gut zu Grillfleisch.“

? Welchen Bier-Tipp haben Sie für einen Winterabend?

„Starkbiere. Aber dazu muss man sagen, dass es mit einer Flasche dann auch gut ist. Belgische Tripel-Biere passen gut in den Winter, aber Vorsicht, sie haben einen hohen Alkoholwert.“

? Wie halten Sie es mit alkoholfreien Bieren?

„Ich finde, alkoholfreie Biere sind gut gemacht, wenn sie so schmecken wie das Original. Es ist schwierig, ein gutes, alkoholfreies Bier zu brauen, aber es geht. Wie immer gilt: probieren.“

Bierproben

Biersommelier Guido Brüggemann zeigt in der Haarmühle bei Bierproben und Bierabenden die Vielfalt der Bierwelt. Mit Björn Bochinski von der Feinbrennerei Sasse aus Schöppingen hat er die Veranstaltung „Kurz-Lang – Das Herrengedeck neu interpretiert“ kreiert. Die Termine für Januar und Februar stehen auf der Internetseite der Haarmühle. Tickets können im Internet erworben werden.
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