Nach 35 Jahren: Stadtbibliotheks-Leiterin Maria zu Klampen verabschiedet sich

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Maria zu Klampen leitete dreieinhalb Jahrzehnte die Stadtbibliothek Ahaus. Am Donnerstag verabschiedete sich die 63-Jährige aus dem aktiven Dienst. Uns hat sie aus ihrem Berufsleben erzählt.

Ahaus

, 29.08.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Leben ohne Buch, das kann sich Maria zu Klampen nicht vorstellen. Die langjährige Leiterin der Ahauser Stadtbibliothek muss das auch gar nicht, auch wenn sie sich am Donnerstag aus dem aktiven Dienst bei der Stadt verabschiedete. Für die 63-Jährige beginnt am 9. Oktober die Freistellungsphase der Altersteilzeit. Ende Februar 2023 geht sie in Rente.

„Ich möchte noch Zeit mit meinem Ehemann verbringen, der schon seit fünf Jahren zu Hause ist“, erklärt sie ihren Entschluss, sich in den Ruhestand zu verabschieden. „Ich möchte Zeit haben für meinen Vater, der 92 Jahre alt ist und alleine lebt, und ich möchte Zeit haben für meine Enkelkinder.“

Leiterin der Kreisbücherei

Nach ihrem Studium in Köln startete Maria zu Klampen 1979 als Diplom-Bibliothekarin in der Euregio-Bücherei in Nordhorn. 1985 zog es sich beruflich nach Ahaus, 1986 übernahm sie die Leitung der Kreisbücherei im Schloss. 1992 ging die Kreisbücherei auf die Stadt Ahaus über und wurde zur Stadtbücherei, damals noch im alten Kreishaus an der Bahnhofstraße. Maria zu Klampen wohnte bis zu ihrer Hochzeit in Ahaus. „Mein Mann arbeitete in Dortmund. Um beruflich weiter tätig sein zu können, haben wir uns fürs Wohnen auf die Mitte geeinigt.“ Das Paar zog nach Dülmen.

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Maria zu Klampen hat das Bibliothekswesen in Ahaus in den vergangenen dreieinhalb Jahrzehnten maßgeblich geprägt. „Als ich anfing, gab es noch Langspielplatten zur Ausleihe“, erzählt sie aus den Anfangszeiten ihrer Tätigkeit. Musikkassetten gehörten ebenfalls zum Bestand. Später kamen Videokassetten, CDs und DVDs dazu. Digitale Medien seien wichtiger geworden im Laufe der Zeit.

Heute möchte sie bei vielen Routinearbeiten nicht auf die Hilfe der EDV verzichten. „Früher gab es in jedem Buch eine Karte, die manuell beschriftet, sortiert und gezählt werden musste.“ Dank der Technik wurde die Sortier- und Zählarbeit deutlich weniger, „es blieb mehr Zeit für andere Sachen.“

Aufbau verschiedener Programme

Die Leiterin der Stadtbibliothek baute Programme zur Leseförderung auf, nahm Kontakt zu Schulen und Kooperationspartner auf. „Im Laufe von 35 Jahren sind eine Menge Sachen zusammengekommen, die man ursprünglich nicht mit Bibliothek verbindet, die aber die Leute auf die Bibliothek aufmerksam gemacht und sie zum Lesen gebracht haben“, sagt sie. Ihr sei es immer wichtig gewesen, auf die Menschen zuzugehen und Experimente zu wagen. So entstanden Angebote wie die Gespensternächte mitsamt Übernachtung oder Bau eines riesengroßen Dinosauriers aus Pappmaschee.

Maria zu Klampen ist fest davon überzeugt, dass auch in 100 Jahren noch Bücher gelesen werden. „Das hat mit Berufsoptimismus nichts zu tun, das ist meine Überzeugung. Das Haptische ist durchaus wichtig und manche Dinge kann man im Moment noch besser mit einem Buch darstellen als mit einem digitalen Medium. Für das Genusslesen ist ein Buch unersetzlich.“

Info-Suche in Vor-Internet-Zeiten

Unersetzlich war auch die Bibliothek, wenn es zum Beispiel in den 80er-Jahren darum ging, Sachinformationen einzuholen. Das Internet stand dafür noch nicht zur Verfügung. Maria zu Klampen: „Die Leute kamen mit sehr speziellen Fragen zu uns. Ich kann mich noch gut an eine Frage erinnern: Haben Sie etwas zur Olmützer Punktation?“

Seit 2017 ist die Stadtbibliothek im Kulturquadrat an der Wüllener Straße beheimatet. Räumlichkeiten, die Maria zu Klampen in den höchsten Tönen lobt – ebenso wie die Stadtbibliothek an sich. „Zu uns kann jeder kommen. Man kann sich hinsetzen, umschauen, lesen. Man muss aber nichts konsumieren. Hier ist einer der ganz wenigen Plätze in der Stadt, wo man das tun kann.“ Sich dort aufhalten, ohne dass es etwas kostet – und vielleicht ein bisschen gebildeter wieder gehen.

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