In Ahaus könnte das Busfahren schon bald deutlich attraktiver werden. Zur Debatte stehen subventionierte Monats- und Einzeltickets. © Stephan Rape
Verkehrsausschuss

Bedarfsgesteuerter Bürgerbus kommt nicht, Ein-Euro-Ticket vielleicht

Ahaus wird vorerst keine weitere Bürgerbus-Linie bekommen. Auch die bedarfsgesteuerte Variante ist vom Tisch. Konkrete Planungen gibt es aber für finanziell attraktive „Ahaus-Bustickets“.

Im Bereich des öffentlichen Nahverkehrs gibt es in Ahaus Nachholbedarf. So sehen es zumindest Teile der Ahauser Politik. Nun nahm ein Vertreter des Regionalverkehr Münsterland (RVM) im Verkehrsausschuss gleich zu zwei Anträgen Stellung. Beim ersten ging es um ein Herzensprojekt der SPD: die Einrichtung einer zusätzlichen Bürgerbus-Linie zur Verbesserung von Mobilität und CO2-Bilanz sowie zur Entlastung des Innenstadtverkehrs.

Klaus Lambers (SPD) erklärte dazu: „Auch in Ahaus gibt es eine älter werdende Bevölkerung. Diese Menschen müssen ihre Erledigungen, zum Beispiel den Einkauf oder Arztbesuch, erledigen können. Selbst dann, wenn sie nicht mehr gut zu Fuß oder auf dem Fahrrad unterwegs sind.“ Die bessere Anbindung der Ortsteile und der Randbezirke an den Nahverkehr sei daher ein sehr wichtiges Anliegen der Sozialdemokraten. Immer öfter im Gespräch war dabei eine On-Demand-Lösung, also ein Bürgerbus auf Abruf.

Hohe Hürden für bedarfsgesteuerten Bürgerbus

Michael Klüppels, Leiter des RVM-Verkehrsmanagements, präsentierte den Ausschussmitgliedern, was bei einer solchen Lösung zu beachten wäre. Hauptvorteil: „Die Menschen, die dieses Angebot nutzen möchten, müssen sich nicht mehr am Fahrplan orientieren. Sie können einfach anrufen und werden abgeholt“, berichtete Klüppels. Entweder von der Bushaltestelle zum Zielort oder vom Zielort zur Bushaltestelle.

Ein reizvolles Modell, für das aber gewisse Voraussetzungen erfüllt sein müssen. „Nicht für jede Kommune ergibt ein On-Demand-Bürgerbus Sinn. Es bedarf einer genauen Prüfung“, erklärte Michael Klüppels. Zum Beispiel muss geklärt werden, ob genug ehrenamtliches Fahrpersonal zur Verfügung steht. Außerdem soll laut RVM vermieden werden, dass der Bürgerbus in Konkurrenz zu dem bestehenden Angebot tritt. Ärger drohe in diesem Zusammenhang auch mit Taxiunternehmen, die sich in anderen Kommunen juristisch gegen einen bedarfsgesteuerten Bürgerbus gewehrt haben.

On-Demand-Bürgerbus wohl keine Option

Michael Klüppels kam zu einem – zumindest aus SPD-Sicht – ernüchternden Fazit: Aus Sicht der RVM sei ein On-Demand-Angebot für Ahaus keine Option. Unter anderem, weil der Ahauser Bürgerbusverein bereits signalisiert hat, dass von dort kein Personal für eine zweite Linie zur Verfügung gestellt werden kann. „Außerdem gibt es bereits eine gute Anbindung der Ortsteile. Mindestens einmal in der Stunde fährt von dort ein Bus in Richtung Innenstadt, manchmal sogar im Halbstundentakt“, so der Leiter des RVM-Verkehrsmanagements.

Hans-Georg Althoff, Erster Beigeordneter der Stadt Ahaus, wies auch auf die finanzielle Komponente hin: „Wir haben bereits mit dem Leader-Regionalbüro angefragt, ob das Projekt gefördert werden könnte. Von dort gab es das klare Signal: nur unter ganz erschwerten Bedingungen und nur für ein, zwei Jahre als Anschubfinanzierung.“ Die SPD signalisierte, trotzdem weiter für einen zusätzliche Linie kämpfen zu wollen. Auf Vorschlag von Bürgermeisterin Karola Voß wird das Thema nun noch einmal im Ausschuss für Soziales und Arbeit, Familien und Senioren behandelt. Zentrale Frage: Wie hoch ist der Bedarf?

Viel Zuspruch für Ahaus-Ticket

Deutlich mehr Optimismus legte Michael Klüppels beim von der CDU beantragten „Ahaus-Ticket“ an den Tag. Auch dadurch sollen Anreize geschaffen werden, statt auf das Auto auf den Bus zu setzen. Hauptbestandteil könnte ein preislich attraktives Monatsticket sein, das für jeden Bus im Ahauser Stadtgebiet gültig ist. Die RVM hat dabei vor allem die Altersgruppe 21 bis 59 im Blick, die bei den bisherigen Tarifangeboten weitgehend durchs Raster fällt. „In Ibbenbüren, Soest und Brilon haben wir gute Erfahrungen damit gesammelt“, berichtete Klüppels.

Den Preis müsste am Ende die Stadt Ahaus festlegen, je nachdem, wie hoch die Förderung ausfallen soll. Bei der RVM hält man 30 Euro für ein Monatsticket für reizvoll, da es rund einem Euro pro Tag entsprechen würde. Weiterer Bestandteil des Ahaus-Tickets könnten in Zukunft rabattierte Einzeltickets sein, die für eine Strecke innerhalb des Stadtgebiets gültig sind.

Auch hier schlägt die RVM einen Preis von einem Euro vor. „Allerdings würden wir dieses Ticket nur einführen, wenn alle Kommunen es einheitlich beschließen. Sonst haben wir einen tariflichen Flickenteppich“, erklärte der Leiter des RVM-Verkehrsmanagements. Weitere Einschränkung: Das Ein-Euro-Ticket würde nur per App in digitaler Form verkauft werden, nicht beim Fahrpersonal.

Theoretisch beide Optionen denkbar

Hans-Georg Althoff erklärte zu den zwei Optionen: „Wir müssen uns überlegen, was wir damit bezwecken wollen. Wenn wir die Menschen dazu bewegen wollen, dauerhaft mehr Bus und weniger Auto zu fahren, hilft das Ein-Euro-Ticket glaube ich wenig. Das nutzen vor allem Autofahrer, die ausnahmsweise mal den Bus nutzen wollen. Da ist ein Monatsticket nachhaltiger.“ Christopher Eing (Die Grünen) fragte: „Ist es auch möglich, beide Optionen anzubieten?“ Das bejahte Michael Klüppels. Der Verkehrsausschuss beschloss einstimmig, zu einem späteren Zeitpunkt erneut über das Thema zu diskutieren. Die Verwaltung prüft nun, wie hoch die finanzielle Belastung bei den verschiedenen Modellen wäre.

Über den Autor
1991 in Ahaus geboren, in Münster studiert, seit April 2016 bei Lensing Media. Mag es, Menschen in den Fokus zu rücken, die sonst im Verborgenen agieren.
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Johannes Schmittmann

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