Baumsterben: Der Kahlschlag könnte sich 2020 fortsetzen

dzHitzeschäden

Kahlschlag auf dem „Karnickelberg“ und an vielen anderen Stellen im Stadtgebiet. Die Stadt muss wegen der Trockenheit weitere Bäume fällen – und es könnte 2020 so weitergehen.

Ahaus

, 03.09.2019, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bernhard Fritsche aus Ahaus ist passionierter Fotograf. Mit seinem Foto „Buchen am Karnickelberg“ landete er beim Fotowettbewerb „Wiki Loves Earth 2019“ unter den besten 100 Fotos.

Zu seinem Bild schrieb er vor gut zwei Monaten, dass er hoffe, „dass die Natur ihre Standardprozesse schnellstens wieder in den Griff bekommt. Ansonsten wird das Foto wohl bald zu den historischen Fotos zählen müssen.“

Die Vermutung des Ahauser könnte sich schneller bewahrheiten als befürchtet. Am vergangenen Wochenende machte Bernhard Fritsche erneut ein Foto am „Karnickelberg“.

Buchensterben

Das Bild zeigt im Vordergrund gefällte Fichten. Wie ein Pfeil weist die Öffnung zwischen den aufgestapelten Stämmen auf den Karnickelberg mit etlichen geschädigten Buchen. Das Buchensterben ist dort besonders augenfällig.

Das bei Spaziergängern, Radfahrern und Kindergärten beliebte Ausflugsziel im Norden der Stadt zeigt sich deutlich ausgelichtet.

Jetzt lesen

In der vergangenen Woche hatte die Stadtverwaltung mitgeteilt, dass sie auf dem „Karnickelberg“ zehn Rotbuchen und eine Stieleiche fällen muss; zusätzlich zu bereits angekündigten anderen Fällungen (wir berichteten mehrfach). Das hätten Mitarbeiter des Baubetriebshofes bei weiteren Überprüfungen festgestellt.

„Die Bäume auf dem Karnickelberg sind aufgrund des ausbleibenden Niederschlages vertrocknet“, erklärt Marc Frieler vom Büro der Bürgermeisterin auf Anfrage.

Bei Trockenheit können Äste aus den Buchen ausbrechen. Können herabfallende Äste zu einer Gefahr für Spaziergänger und Waldbesucher werden? Müssen am „Karnickelberg“ eventuell sogar Warnhinweise aufgestellt werden?

Beträchtlicher Schaden

Die Stadt verneint. „Speziell vor abbrechenden Ästen kann nicht gut gewarnt werden“, antwortet Marc Frieler auf die entsprechende Frage. „Ein Astbruch kann aufgrund der anhaltenden Trockenheit theoretisch an jedem Baum auftreten.“

Über 80 große Bäume, vorwiegend Buchen, stehen in diesem Jahr auf der Fäll-Liste der Stadtverwaltung. Der wirtschaftliche Schaden ist beträchtlich, „kann aber zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beziffert werden“, erklärt Marc Frieler. „Viele Maßnahmen laufen noch.“

Baumsterben: Der Kahlschlag könnte sich 2020 fortsetzen

Die Hitze machte den Bäumen zu schaffen, sichtbar an diesem Exemplar auf dem "Karnickelberg". © Markus Gehring

Neuanpflanzungen seien ab Herbst geplant. Doch so viel steht laut Stadtverwaltung schon fest: „Der ökologische Schaden geht über den wirtschaftlichen Schaden deutlich hinaus.“

Die Stadtverwaltung hat auf ihrer Homepage mehrere Dutzend Baumfällungen aufgelistet. Von den vergebenen Arbeiten sind mittlerweile rund 80 Prozent abgeschlossen. „Die Arbeiten an kleineren Bäumen, die ohne Steiger durchgeführt werden können, werden direkt vom Baubetriebshof durchgeführt“, teilt Marc Frieler mit.

Zu wenig Laub

Diese Arbeiten fangen jetzt nach den Sommerferien an. Gut möglich, dass im nächsten Jahr in ebenso großer Zahl Bäume in Ahaus gefällt werden müssen.

Die Stadt kennt auch schon den Grund: Einige Bäume seien durch die Trockenheit der Jahre 2018 und 2019 vorgeschädigt und würden keine ausgeprägte Laubdecke mehr entwickeln. Von daher müsse bei anhaltender Trockenheit auch mit ähnlich hohen Schäden gerechnet werden.

Jetzt lesen

Die Stadt hatte im Sommer die Bevölkerung gebeten, Straßenbäume vor der Haustür zu wässern. Der Appell fruchtete. Marc Frieler: „Viele Ahauser haben die Bäume mit eigenem Brunnenwasser bewässert und den Bäumen geholfen.

In letzter Zeit seien zudem die städtischen Bewässerungsmaßnahmen ausgeweitet worden, „damit die Bäume gestärkt in den Winter gehen können.“

Baumsterben: Der Kahlschlag könnte sich 2020 fortsetzen

Dieses vom Ahauser Bernhard Fritsche aufgenommene Foto am „Karnickelberg“ könnte schon bald historisch sein - wenn es mit dem Buchensterben weitergeht. © Privat

Sogenannte Wassersäcke, wie man sie in anderen Orten vermehrt zur Bewässerung von Bäumen benutzt, kamen in Ahaus nicht zum Einsatz. Die Stadt lege stattdessen bei der Neuanpflanzung Pflanzringe oder Bewässerungsringe an. „Hierdurch versickert das Wasser langsamer. Die Wassersäcke sind dagegen deutlich anfälliger für Vandalismus.“

Stressresistente Bäume

Rund 70 Prozent der an den Straßen gepflanzten Bäume sind Linden, Stieleichen, Bergahorn, Kastanien und Eschen. Braucht es mehr Mut zur Verschiedenheit, mehr Bio-Diversität, um auf den Klimawandel zu reagieren?

Jetzt lesen

Die Antwort der Stadt: In der Vergangenheit seien vor allem die gut wachsenden, heimischen Baumarten gepflanzt worden. Gleichwohl würden sich viele Baumschulen mit der Problematik der Trockenheit befassen und stressresistente Bäume aufschulen.

Als Beispiel nennt die Stadtverwaltung Amberbaum und Trompetenbaum. Wann solche Exemplare im öffentlichen Straßenraum zu sehen sind, das ließ die Verwaltung offen.

Die Stadtverwaltung Ahaus hat auf ihrer Homepage eine Übersicht über die Baumpflege- und Fällarbeiten veröffentlicht.
Schlagworte:
Lesen Sie jetzt