Noch sind die Lager im Ottensteiner Unternehmen Terhalle Holzbau gut gefüllt. Doch das Baumaterial wird knapp. „Das kann einem schon Angst machen“, sagt Geschäftsführer Josef Terhalle. © Stephan Rape
Export- und Nachfrageboom

Baumaterial wird langsam knapp – lange Lieferzeiten drohen

Baumaterial ist im Moment schwer zu bekommen. Vor allem beim Holz boomt die Nachfrage. Das ist auch für Josef Terhalle aus Ottenstein ein Problem, das er so noch nicht erlebt hat.

Die Zahlen, die Josef Terhalle, der Geschäftsführer von Terhalle Holzbau, nennt, schrecken auf: Dachlatten sind binnen kürzester Zeit 170 Prozent teurer geworden. Brettschichtholz 60 Prozent, einfache OSB-Faserplatten 50 Prozent, Rauspund um 65 Prozent. Zahlen, die auch die Genossenschaft Dachdecker-Einkauf Nordwest veröffentlicht hat.

Bei der Rechnung Pi mal Daumen macht Josef Terhalle aus diesen Prozentwerten auch absolute Zahlen: „Für einen normalen Dachstuhl eines Einfamilienhauses muss ein Bauherr da schon 2000 Euro mehr rechnen“, erklärt er.

Lieferzeiten sind ein größeres Problem als Preise

Dabei sind die Preise nicht mal das eigentliche Problem. Denn die liegen nach den Einbrüchen auf dem Holzmarkt von 2020 auf einem sehr niedrigen Niveau. Das Problem ist der Nachschub: Die Einkaufsgenossenschaft warnt davor, dass eine planbare Versorgung mit Holz und Holzwerkstoffen bis in den Sommer nicht gewährleistet werden könne.

Der Nachschub stockt. „Man spürt die Verknappung“, sagt auch Josef Terhalle. Seit etwa einem Vierteljahr verschärfe sich das Problem immer mehr. Eine ähnliche Situation auf den Märkten habe er so noch nicht erlebt. Den Grund kann er schnell ausmachen: Export. Vor allem in die USA und nach China. „Der hat sich in kurzer Zeit fast verdoppelt“, erklärt der Ottensteiner. Gerade bei den USA habe sich der Markt einmal um 180 Grad gedreht. Bis vor kurzem hätten die USA selbst noch Holz exportiert. Nun würden sie weltweit aufkaufen. Auch aus China würde immer mehr Holz nachgefragt. „Die sind bereit, ganz andere Preise zu zahlen“, macht er weiter deutlich.

Bauboom, Schädlinge und Trockenheit heizen die Knappheit an

Dazu kommen insgesamt der weltweite Bauboom, Schädlingsbefall und Trockenheit würden die Knappheit weiter anheizen. „Schädlingsbefall und Umwelteinflüsse sind eben weltweit ein Riesenthema“, erklärt er. Und eben auch die Corona-Pandemie, in der viele Heimwerker die Märkte stürmen, um dieses oder jenes Projekt zu Hause noch umzusetzen. „Auch wenn das natürlich der kleinste Teil des Problems ist“, sagt er.

Aktuell wolle er noch nicht davon reden, dass kein Nachschub mehr zu bekommen sei, die Produktion laufe weiter relativ normal. Terhalle hat langfristige Verträge mit Lieferanten. Aber die Lieferzeiten werden auch für das Unternehmen in Ottenstein empfindlich lang. „Wenn ich normalerweise vier Wochen warten muss, sind die Lieferzeiten jetzt auf bis zu drei Monate gestiegen“, macht er deutlich. Mit größerer Lagerhaltung versucht Josef Terhalle in seinem Unternehmen gegenzusteuern. „Aber wenn jetzt jeder mehr kauft, um es sich aufs Lager zu legen, heizt das die Nachfrage natürlich wieder an“, fügt er hinzu. Ein Teufelskreis.

Produktion kann nicht einfach hochgefahren werden

Am Ende sei Holz natürlich wieder ein Naturprodukt. Die Produktion könne nicht einfach beliebig hochgefahren werden. Und auch der Markt richte sich ja schlicht nach Angebot und Nachfrage. Dennoch ärgerlich: „Wir versuchen mit Holz in Deutschland möglichst ökologisch zu bauen und auf der anderen Seite wird der Rohstoff über die Weltmeere verschifft“, sagt er.

Der Markt sehe übrigens für Dämm- und andere Baustoffe genauso aus: Auch bei den EPS-Dämmstoffen – also alles was mit Styropor oder vergleichbaren Produkten aus Erdöl zu tun hat – treffen lange Lieferzeiten auf kräftige Preiserhöhungen.

Auch Baustoffhandel spricht von langen Lieferzeiten

Mit dem Problem steht Terhalle nicht allein da: Im örtlichen Baustoffhandel sieht das ähnlich aus: Es gebe Schwierigkeiten auf dem Markt heißt es auf Nachfrage. „Wir haben Lieferengpässe und können unsere Lieferzeiten aktuell nicht einhalten“, sagt eine Sprecherin.

Dementsprechend sei das gesamte ad-hoc-Geschäft im Moment sehr schwierig. Mit einigem Vorlauf könne das Unternehmen allerdings die Nachfrage natürlich bedienen. Genaue Preise oder Preiserhöhungen kann sie auf Nachfrage allerdings nicht nennen. Das variiere tagesaktuell.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape

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