Aus dem Nest gefallen: Wüllener Familie zieht Mauerseglerküken auf

dzMauersegler-Küken

Er war klein, rosa und ohne Federn, als „Lucky“ bei Familie Dessenes/Junker einzog. Die Wüllener päppelten das Mauerseglerküken auf und hoffen, dass er mittlerweile in Afrika angekommen ist.

Ahaus

, 17.10.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Anfang, Mitte August stand die Nachbarin vor der Tür bei Familie Dessenes/Junker. In der Hand hielt sie ein nacktes, rosa Küken. Völlig hilflos war es – und weil die Nachbarin um die Tierliebe der Wüllener Familie wusste, klingelte sie. „Ich bin dann runter, habe mir den Vogel angeguckt und mein tierliebes Herz hat sich entschieden“, erzählt Fabiana Dessenes und schmunzelt.

So sah der kleine "Lucky" aus, als Familie Dessenes/Junker ihn in Obhut nahm.

So sah der kleine "Lucky" aus, als Familie Dessenes/Junker ihn in Obhut nahm. © privat

Soviel vorweg: Es ist alles gut gegangen. Denn das kleine Küken hatte Glück und ist an eine Familie geraten, die es einfach versucht hat. „Wir haben vor Jahren schon mal einen Minipapagei mit der Hand aufgezogen“, sagt Fabiana Dessenes. Der macht sich laut in der Küche bemerkbar, im Wohnzimmer trällern vier Kanarienvögel. Auch schon zwei Generationen.

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„Zuerst haben wir das Küken zu den Kanarienvögeln in den Käfig gegeben. Die hat das aber nicht interessiert“, erzählt die Wüllenerin. Dann haben sie eine kleine Schüssel genommen, es mit einem Körnerkissen, Füllmaterial aus einem Osternest und Moos gefüllt. Das Moos hat Thorsten Junker immer da: Er hat vor Jahren vier Geckos aus einer nicht so guten Haltung übernommen. Aus vier wurden 17, die in den verschiedenen Terrarien im Wohnzimmer Platz finden.

„Erst haben wir dem Küken Proteinfutter angeboten“, sagt Thorsten Junker. Keine Chance. Also machte sich das Paar im Internet schlau über Nestlinge. „An der Form des Schnabels habe ich dann erkannt, was es für ein Vogel ist“, blickt der 45-Jährige zurück. Und welch ein Glück: Mauerseglerküken fressen auch Heimchen und Grillen. Die hat Thorsten Junker immer für seine Geckos da.

Thorsten Junker fütterte „Lucky“ alle zwei bis drei Stunden

„Die hat er dann auch verputzt“, sagt er. Und Fabiana Dessenes war dann erstmal raus: „Lebendige Tiere verfüttern – den Part hat mein Mann übernommen.“ Da traf es sich gut, dass der kleine Vogel zu Beginn seines Jahresurlaubs in die Familie kam. Tagsüber alle zwei bis drei Stunden füttterte Thorsten Junker fast drei Wochen das Küken, nachts gab es ein paar Stunden Ruhe. Auch das hatte er sich angelesen.

Neugierig blickt er hier in die Welt, der kleine Mauersegler, der von Familie Dessenes/Junker gerettet wurde.

Neugierig blickt er hier in die Welt, der kleine Mauersegler, der von Familie Dessenes/Junker gerettet wurde. © privat

Die Töchter Mia-Lou und Maya-Sophie halfen dem Papa, für die Fütterungen Würmer aus der Box zu nehmen. Mia-Lou erinnert sich noch genau, was ihr Vater ihr erzählt hat: „Der hat ganz scharfe Krallen.“

„Lucky“, wie Fabiana Dessenes den Vogel taufte, wurde schnell größer, bekam sein Federkleid und wurde bewegungsfreudig. Die Wüllenerin suchte weitere Hilfe und stieß im Internet auf die „Wildtierrettung Rheine und Umgebung“. Sie setzten sich mit den Experten in Verbindung. „Lucky“ wurde abgeholt.

Die Wildtierrettung Rheine und Umgebung hat den kleinen Mauersegler aus Ahaus weiter versorgt – er hatte sich so gut entwickelt, dass er auf die Reise gen Süden geschickt wurde.

Die Wildtierrettung Rheine und Umgebung hat den kleinen Mauersegler aus Ahaus weiter versorgt – er hatte sich so gut entwickelt, dass er auf die Reise gen Süden geschickt wurde. © privat

Fotos von der Aufzuchtstation dort zeigen, dass sich der Mauersegler gut entwickelt hat. So gut, dass er Ende September aufgelassen wurde. „Die fliegen bis nach Teneriffa. Und von dort weiter bis Afrika“, weiß Thorsten Junker. Und die Familie Dessenes/Junker hofft, das „Lucky“ angekommen ist – und nächstes Jahr wiederkommt.

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