Atommüll-Endlager wäre nach ersten Daten auch in Ahaus möglich

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Die Daten zeigen es: Laut einem ersten Teilbericht käme auch Ahaus für ein Atommüll-Endlager in Betracht. Für Hartmut Liebermann von der BI Ahaus ist das aber – noch – kein Grund zur Panik.

Ahaus

, 28.09.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Gesellschaft für Endlagerung (BGE) hat am Montag bekannt gegeben, wo ein Endlager für radioaktiven Müll in Deutschland möglich wäre – zumindest von der Bodenbeschaffenheit her. Ergebnis: 90 Teilgebiete kommen in Frage.

Bei genauer Betrachtung der Karte auf der Internetseite der BGE fällt auf, dass sogar die Fläche in Ammeln, wo aktuell das Brennelementezwischenlager steht, für eine dauerhafte Einlagerung von Atommüll in Frage kommen könnte. Laut der Daten der BGE gehört das Gelände zu einem insgesamt 5322 Quadratkilometer großen Teilgebiet, das über ausreichend passendes Tongestein verfügt. Auch westlich von Ahaus wäre eine Einlagerung denkbar – wegen des dort vorkommenden Salzgesteins in der Erde.

Allererster Schritt auf der Suche nach einem Endlager

Doch diese Daten sind nur der allererste Schritt bei der Suche nach einem Endlager. Das hatte der BGE-Geschäftsführer Stefan Studt bei der Vorstellung der ersten Teilergebnisse mitgeteilt. Und das betont auch Hartmut Liebermann von der Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“: „Man darf jetzt nicht den Kopf verlieren“, erklärt er. Bei den Daten handele es sich ja nur um eine allererste Karte, bei denen nur die Gebiete ausgeschlossen werden, die auf keinen Fall in Frage kommen: Beispielsweise die Bergbauregionen im Ruhrgebiet oder die Eifel, die wegen ihrer Vulkane und der Erdbebengefahr ausscheidet.

Hartmut Liebermann, Sprecher von der BI „Kein Atommüll in Ahaus“ hier bei der großen Demo 2019, ruft dazu auf, dass sich Politiker und Verantwortliche schnell über die geologischen Strukturen vor Ort kundig machen sollen.

Hartmut Liebermann, Sprecher von der BI „Kein Atommüll in Ahaus“ hier bei der großen Demo 2019, ruft dazu auf, dass sich Politiker und Verantwortliche schnell über die geologischen Strukturen vor Ort kundig machen sollen. © Victoria Garwer

„Trotzdem muss man natürlich hellhörig werden“, sagt Hartmut Liebermann. Es sei jetzt wichtig, dass sich die politisch Verantwortlichen schnell über die geologischen Strukturen vor Ort kundig machen. Damit spricht er sowohl die örtliche Verwaltung als auch Politiker aus Stadt, Kreis und Land an.

„Argumente wurden aus politischen Gründen ignoriert“

„Man darf jetzt nicht erst lange abwarten, sondern muss mögliche Probleme sofort ansprechen“, erklärt er. Auch dafür hat er ein Beispiel parat: Am Montag wurde auch der Salzstock in Gorleben als mögliches Endlager von der BGE ausgeschlossen. Ein Grund ist laut der BGE-Geschäftsführung das nicht intakte Deckgebirge dort. „Diese Argumente bringt die Anti-Atomkraft-Bewegung seit 40 Jahren immer wieder vor“, sagt Hartmut Liebermann. Bisher seien sie aber schlicht aus politischen Gründen ignoriert worden. Dasselbe befürchtet er für die weitere Suche nach einem Endlager: Das dürfe nicht dort gebaut werden, wo es den geringsten Widerstand aus der Bevölkerung gebe. In seinen Augen eine durchaus ernstzunehmende Gefahr.

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Er sagt noch einmal ganz klar, dass es für Ahaus und den Standort in Ammeln nun keinen Grund zur Panik gebe. „Aber das Münsterland kann bei der Suche wegen seiner Tonschichten eben eine Rolle spielen“, erklärt er. Die BI und weitere Initiativen werden den weiteren Prozess auf jeden Fall kritisch und intensiv verfolgen.

Nur wissenschaftliche Fakten dürfen eine Rolle spielen

„Ein Endlager muss ausschließlich aufgrund wissenschaftlicher Fakten gesucht werden. Politische Fragen dürfen dabei keine Rolle spielen“, sagt er. Offensichtlich laufe das bisher besser als vor 40 Jahren. Eine Garantie dafür gebe es aber nicht. Beispielsweise sperre sich die bayerische Landesregierung jetzt schon dagegen, dass ein Endlager auf bayerischem Boden gesucht werden soll.

Der neue Standort für ein Endlager soll bis 2031 gefunden sein. In den kommenden Jahren sollen die möglichen Gebiete immer weiter eingegrenzt werden. Ab dem Jahr 2050 soll das bundesweite Endlager dann in Betrieb gehen. Bis es soweit ist, sind auch noch umfangreiche Bürgerbeteiligungen vorgesehen.

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