Hanna Stowermann hat das Rett-Syndrom. Ihre Fröhlichkeit leidet darunter nicht. Im Gespräch mit den Neuntklässlern der Canisiusschule berichtete Monika Stowermann über den Alltag ihrer Tochter, blickt aber auch schon in die Zukunft. © privat
Canisiusschule

Arbeitswelt und Inklusion: Schüler nähern sich Thema auf besondere Weise

Welche Chancen haben Menschen mit Behinderung auf dem Arbeitsmarkt? Unter anderem mit dieser Frage beschäftigen sich aktuell zwei Kurse an der Bischöflichen Canisiusschule Ahaus.

Bereits seit einigen Jahren gibt es an der Bischöflichen Canisiusschule die Möglichkeit, ab der achten Klasse – zum Beispiel statt einer weiteren Fremdsprache – das Fach „Wirtschaft und Gesellschaft“ zu wählen. Hier beschäftigen sich die Schülerinnen und Schüler unter anderem mit der Frage: „Wie funktioniert ein Unternehmen?“. In prä-pandemischen Zeiten besuchte der Kurs zahlreiche Firmen in Ahaus und Umgebung, um sich vor Ort einen Eindruck zu verschaffen.

Wie der Name des Fachs schon verrät, geht es dabei nicht allein um die wirtschaftlichen Aspekte, sondern auch die gesamtgesellschaftlichen Zusammenhänge. Aktuell beschäftigen sich die Neuntklässler mit der Unterrichtsreihe: „Inklusion in der Arbeitswelt.“

Dazu gehört, dass die Schülerinnen und Schüler sich zunächst ganz allgemein in die Rolle eines Menschen mit Behinderung hineinversetzen. Zum Beispiel erkunden sie die Ahauser Innenstadt im Rollstuhl. Wo gibt es Schwierigkeiten? Was ist gut gelöst? Wo könnte man leicht Verbesserungen vornehmen?

Austausch ist ein Kernelement

All diese Fragen diskutieren im Anschluss die Schülerinnen und Schüler mit ihren beiden Kurslehrerinnen, Dorothé Weilinghoff und Myriam Ostendarp. Kernelement der Unterrichtsreihe ist der Austausch mit behinderten Menschen, die von ihren Erfahrungen in der Arbeitswelt berichten. Da ein Besuch bei der Stiftung „Haus Hall“ – wie er sonst auf dem Plan steht – wegen Corona derzeit schwierig ist, hat man sich etwas anderes überlegt.

Die Neuntklässler kommunizierten per Videokonferenz mit der Familie Stowermann.
Die Neuntklässler kommunizierten per Videokonferenz mit der Familie Stowermann. © privat © privat

Es entstand der Kontakt zur Familie Stowermann. Hanna Stowermann (3) hat das Rett-Syndrom, eine seltene, genetisch bedingte Entwicklungsverzögerung, die fast nur bei Mädchen auftritt. Die Symptome können sehr unterschiedlich ausfallen. In Videokonferenzen gab ihre Mutter, Monika Stowermann, Einblicke in den Alltag der Familie. Sie berichtete zum Beispiel von dem Erfolg, dass Hanna mithilfe einer auf ihre Bedürfnisse angepassten Gehhilfe erste kleine Schritte gehen kann. Außerdem zeigte Hannas Mutter viele Fotos und berichtete unter anderem davon, an welchen Stellen Unterstützung vom Staat und von Einrichtungen greifen.

Früher Blick in die Zukunft

Obwohl Hanna Stowermann erst drei Jahre alt ist, blickt die Familie schon jetzt in die ferne Zukunft. Kann sie irgendwann alleine leben? Welche Jobs kommen für Hanna später infrage?

Die Schülerinnen und Schüler legten in den Videokonferenzen ihre Scheu schnell ab und führten mit Monika Stowermann eine spannende und intensive Diskussion, die „bei allen Beteiligten langfristig nachwirkt“, erklärt Lehrerin Dorothé Weilinghoff.

Im Anschluss an die Gespräche formulierten die Schülerinnen und Schüler für Hanna Stowermann beste Wünsche für die Zukunft. „Bitte behalte deine Fröhlichkeit für immer, das ist wirklich bemerkenswert“, schrieb zum Beispiel ein Schüler.

Über den Autor
1991 in Ahaus geboren, in Münster studiert, seit April 2016 bei Lensing Media. Mag es, Menschen in den Fokus zu rücken, die sonst im Verborgenen agieren.
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Johannes Schmittmann

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