Wer im Kreis Borken bauen möchte, muss je nach Kommune unterschiedlich tief in die Tasche greifen. © picture alliance/dpa
Bauboom im Kreis Borken

Arbeits- und Ausbildungsmarkt: Bauboom wirkt sich positiv auf Ahaus aus

Ein Job in der boomenden Baubranche gilt als sicher - auch in Ahaus ist der positive Trend erkennbar. Der Bau trotzt der Corona-Krise und meldet steigende Beschäftigungs- und Ausbildungszahlen.

Ein Job in der Baubranche wird immer beliebter, auch in Ahaus sowie im gesamten Kreis Borken ist dieser Trend erkennbar.

Der Bau im Kreis Borken hat sich im Pandemie-Jahr 2020 erfolgreicher als andere Branchen gegen die Krise gestemmt: Die Zahl der Baubeschäftigten lag am Jahresende bei 15.260. Damit gab es im ersten Corona-Krisen-Jahr im Kreis Borken 545 Bauarbeiter mehr – ein Plus von 3,7 Prozent.

Das ist das Ergebnis einer Analyse der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) zur Beschäftigung in der Corona-Zeit. „Der Bau hat in der Pandemie für Stabilität gesorgt. Er hat der Krise die Stirn geboten wie kaum eine andere Branche. Vom Wohnungs- bis zum Straßenbau hat der Bau eine gute Job-Perspektive geboten“, sagt Detlev Hopp, Bezirksvorsitzender der IG BAU Münster-Rheine. Er sehe die Bauwirtschaft als „Motor in der Krise“.

Steigende Beschäftigungszahlen trotz Corona

Der Bau im Kreis Borken habe sich deutlich besser entwickelt als die übrigen Wirtschaftszweige zusammengenommen: Ohne den Bau gerechnet stieg dort die Zahl der regulär Beschäftigten trotz Corona bis Ende 2020 auf 137.458, gegenüber dem Vorjahr – und damit der Zeit vor Corona – ein leichtes Plus von 0,8 Prozent.

Im durch Corona sehr gebeutelten Minijob-Bereich zeige sich die Sonderstellung der Baubranche besonders deutlich. Während außerhalb der Baubranche die Zahl der Mini-Jobber im ersten Corona-Krisenjahr im Kreis Borken um 3.666 auf 43.234 Ende 2020 gesunken – ein Rückgang um 7,8 Prozent – gesunken war, gab es im Bau ein Plus von 2,5 Prozent auf 2.954 Mini-Jobben gegenüber dem Vorjahr. „Und das, obwohl der Bau „alles andere als eine typische Mini-Job-Branche ist“, so Hopp.

Positiver Trend auch in Ahaus

Auch in Ahaus ist eine positive Tendenz erkennbar, vor allem im Nachwuchsbereich. „Die Ausbildungszahlen haben sich dieses Jahr besonders positiv nach oben entwickelt“, sagt Daniel Janning, Geschäftsführer in der Geschäftsstelle Ahaus der Kreishandwerkerschaft.

Das hänge zum Teil zwar sicher auch mit „Nachholeffekten“ zusammen, da im Jahr 2020 coronabedingt wenig bis gar keine Berufsorientierung an den Schulen oder auf Ausbildungsmessen stattgefunden hätte und eine Kontaktaufnahme zwischen Betrieben und Schülern zu Corona-Hochzeiten dadurch erschwert gewesen sei.

„Andererseits stellen wir eine deutliche Steigerung des Interesses am Handwerk und einer Ausbildung im Handwerk fest“, so Janning. Das Image des Handwerks habe sich in den letzten Jahren merklich verbessert.

Bezahlung ist gut und mehr Hilfsmittel

Er führt diesen Trend auf die gute Konjunkturlage und die damit verbundenen sicheren Arbeitsplätze zurück. „Gleichzeitig sind die Betriebe professioneller aufgestellt als noch vor einigen Jahrzehnten“, betont Janning.

Arbeitsbedingungen im Handwerk hätten sich deutlich verbessert, die Arbeitsabläufe seien moderner geworden. „Es gibt mehr technische Hilfsmittel und die Bezahlung ist ebenfalls gut, auch im Verhältnis zu Akademikern“, so der Geschäftsführer aus Ahaus.

Bei den neuen Ausbildungsverhältnissen in den Bau- und Ausbaugewerken sei auffällig, dass sich deutlich mehr Gymnasiasten und Realschüler als noch vor einigen Jahren für eine Ausbildung in diesem Bereich entschieden hätten.

Gute Konjunktur und sichere Arbeitsplätze

Die Konjunkturlage in den Bau- und Ausbaugewerken ist seiner Einschätzung nach sehr gut: „Die Betriebe sind in der Regel Wochen und sogar Monate im Voraus ausgebucht“.

Kritisch zu bewerten sei weiterhin der Fachkräftemangel, die Schwierigkeiten bei der Materialbeschaffung und die damit verbundenen Verzögerungen, was insgesamt dazu führe, dass sich Baustellen zum Teil erheblich verzögerten oder sogar vorübergehend stillgelegt werden müssten.

Dies bestätigt auch die IG Bau. „Der Bau braucht künftig wieder mehr Leute. Vor allem Fachkräfte“, sagt Bundesvorsitzender Feiger. Um diesem Bedarf an Fachkräften gerecht zu werden, brauche es vor allem gute Arbeitsbedingungen und faire Löhne.

Damit die Entwicklung weiterhin so positiv voranschreiten kann, wie der Kollege aus Ahaus sie einschätzt, rät die IG Bau im Hinblick auf die Bundestagswahl deshalb dazu, einen kritischen Blick auf die Parteiprogramme zu werfen und zu vergleichen.

Die Ziele der Parteien seien sehr unterschiedlich. Manche ließen Themen, die für Beschäftigte in bestimmten Bereichen enorm wichtig seien, sogar komplett unter den Tisch fallen: „Das gilt zum Beispiel für einen höheren Mindestlohn. Genauso wie für ein bundesweites Tariftreuegesetz, das Firmen vorschreibt, den fairen Tariflohn zu bezahlen, wenn sie einen öffentlichen Auftrag wollen“, fordert Feiger.

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