Angeklagter konnte nicht als Schläger identifiziert werden – Freispruch

dzAmtsgericht Ahaus

Klar ist nur: Ein 22-Jähriger wurde durch einen Schlag schwer verletzt. Wer ihm das Jochbein und den Kiefer gebrochen hatte, konnte vor dem Amtsgericht Ahaus nicht zweifelsfrei geklärt werden.

Ahaus

, 10.06.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eigentlich wollten alle feiern „auf Karpaten“ im vergangenen Jahr. Aber am Ende lag ein 22-Jähriger aus Gronau schwer verletzt und blutend am Boden. Das war auch das Einzige, was am Ende als Fakt festgehalten werden konnte bei der Verhandlung am Amtsgericht Ahaus am Montag. Dort musste sich ein 20-Jähriger aus Haaksbergen wegen Körperverletzung verantworten.

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Es war die Fortsetzung einer ersten Verhandlung, die bei der Beweisaufnahme kein klares Bild ergeben hatte. Diesmal war die Freundin des Opfers als Zeugin geladen – das Gericht wollte herausfinden, ob sie unter den jungen Leuten aus Haaksbergen – neben dem Angeklagten waren noch einige Zeugen geladen – denjenigen ausmachen konnte, der zum Schlag ausgeholt hatte.

Schläger konnte nicht identifiziert werden

Alle Haaksbergener durften für einen Augenblick ihre Mund-Nasen-Bedeckung lüften, damit die Zeugin ihre Gesichter sehen konnte. Ohne Ergebnis. Die Zeugin sagte, es habe sich damals ein Gerangel vor der Fotobox auf dem Zeltfest Karpaten ergeben, weil es aus der Haaksbergener Gruppe „Geschubse“ gegeben habe. „Die Jungs sind immer ins Foto gesprungen“, erzählte sie. Dann bekam ihr Freund einen Schlag ab. „Ich habe versucht, ihn aufzufangen, und bin dabei umgeknickt“, erzählte sie. Und: „Ich kann mich nur an einen Schlag erinnern.“

Gehirnerschütterung, Jochbein- und Jochbogenfraktur, Kieferbruch

Den Schläger hatte sie aber nicht gesehen. „Jetzt sind wir genauso weit wie vorher“, stellte der Richter fest. Bei der ersten Verhandlung wegen Körperverletzung – das Opfer hatte eine Platzwunde, eine Gehirnerschütterung, eine Jochbein- und Jochbogenfraktur und einen gebrochenen Oberkiefer davongetragen und anderthalb Wochen im Krankenhaus gelegen – hatte sich der Angeklagte auf Nothilfe berufen. Sein Begleiter sei geschubst worden und da er befürchtete, dass der Geschädigte diesem nachsetze, habe er zugeschlagen, so der Angeklagte.

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„Wir haben uns zweimal getroffen, vier Zeugen vernommen und haben kein klares Bild. Es steht Notwehr im Raum“, fasste der Richter zusammen. Klar sei nur, dass es einen Tumult gegeben hatte und zugeschlagen worden war und am Ende jemand verletzt wurde. „Das war nicht ohne.“ Das Opfer selbst konnte sich an den Schlag nicht mehr erinnern. Der 22-Jährige war ohne Bewusstsein, bis er von hinzugerufenen Sanitätern behandelt wurde.

Die Staatsanwältin plädierte schließlich auf Freispruch, der Verteidiger des Angeklagten schloss sich an und auch der Richter: „Im Zweifel für den Angeklagten“.

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