Streit mit Paketzusteller eskaliert – „Wenn ich ein Messer hätte, würde ich Sie abstechen“

dzAmtsgericht Ahaus

In Ahaus kam es im Mai dieses Jahres zu einem Streit zwischen einem Paketboten und einem 22-jährigen Gronauer. Angeblich wurde der DHL-Zusteller massiv bedroht. Der 22-Jährige bestreitet das.

Ahaus

, 29.10.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Streit, zwei Pakete, drei Versionen der Geschehnisse. In Ahaus kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen einem Paketboten (41) und einem 24-jährigen Gronauer, die nun in einer Verhandlung vor dem Amtsgericht Ahaus gipfelte. Was war passiert?

Im Mai dieses Jahres bringt der 41-jährige Zusteller eine Lieferung zur Firma, bei der der Gronauer als Einzelhandelskaufmann angestellt war. Anschließend soll der DHL-Bote zwei Pakete als Retour mitnehmen. Problem: Die nötigen Adress-Aufkleber wurden noch nicht ausgefüllt. Minuten vergehen, der Bote wird ungeduldig und verweist darauf, dass er „noch 500 bis 600 Haushalte vor sich hat“. Ein Streit baht sich an.

Geschichten gehen auseinander

Bis dahin stimmen die Schilderungen des 41-Jährigen mit denen des nun Angeklagten überein. Das ändert sich schlagartig, wenn es um die Details der verbalen Auseinandersetzung geht, die im Anschluss stattgefunden haben soll.

„Wenn ich jetzt ein Messer hätte, würde ich Sie abstechen“, soll der 22-Jährige laut Anklageschrift zum Paketboten gesagt haben. Außerdem habe er damit gedroht, dass sich die als terroristische Vereinigung eingestufte Hisbollah „um ihn kümmern wird“.

Gronauer weist Vorwürfe von sich

Für den Gronauer entbehren diese Vorwürfe jeder Grundlage. „Ich weiß nicht, warum er so etwas behauptet. Man hört ja immer wieder, dass DHL-Boten wegen der vorgegebenen Zeiten etwas gestresst sind. Vielleicht wollte er sich etwas Arbeit sparen“, erklärt er dem Richter.

Entgegen der Anklageschrift sei der Paketbote für die aggressive Grundstimmung verantwortlich gewesen: „Er hat gepöbelt und Widerworte gegeben. Außerdem hat er gesagt, es interessiere ihn nicht, dass im Paket zerbrechliche Waren seien.“ Daraufhin verwies der 22-Jährige den Paketboten vom Firmen-Gelände und begleitete ihn zu seinem Dienstfahrzeug. Beleidigungen oder Drohungen seien nie gefallen. Dass gerade er als orthodoxer Christ und Messdiener mit der Hisbollah gedroht haben soll, sei lächerlich.

Paketbote: „Ich war sprachlos.“

Dieser Version der Geschichte widersprach der Paketbote entschieden. „Der Mann hat mich laut angeschrien, mir gedroht und die Tür des Wagens mit aller Kraft zugeschlagen. Als ich wegfuhr, zeigte er mir noch den Mittelfinger“, erklärte er im Zeugenstand.

„Ich war vollkommen sprachlos, weil ich etwas Vergleichbares noch nie erlebt habe.“ Der Schock saß offenbar so tief, dass er kurz nach Verlassen des Firmengeländes fast zwei Fahrradfahrer mit dem Fahrzeug erwischte. In der Nacht bekam er nach eigenen Angaben kein Auge zu. In der folgenden Woche ist er krankgeschrieben. Die Deutsche Post reagiert, sperrt den Kunden und nimmt den Fahrer aus dem Bezirk.

Vater des Angeklagten glaubt an Vorurteile

Der einzige „außenstehende“ Zeuge war der Vater des Angeklagten. Er hatte das Paket angenommen und im Anschluss die Situation verfolgt. Er habe von einem Streit allerdings nichts mitbekommen. „Es gab keine Drohungen und auch keinen Ärger“, sagte er vor Gericht und widersprach damit auch der Schilderungen seines Sohnes.

Außerdem unterstellte er dem Paketboten, Vorurteile gegenüber seinem Sohn zu haben: „Nur weil er einen schwarzen Bart hat, wird er als Terrorist gesehen. Dabei hatte auch Jesus einen Vollbart.“

Richter schlägt vor, das Verfahren einzustellen

Da in diesem Fall Aussage gegen Aussage gegen Aussage stand, schlug der Richter vor, das Verfahren gegen eine Geldauflage in Höhe von 300 Euro vorläufig einzustellen. Der Angeklagte stimmte zu: „Ich will einfach, dass die Sache vom Tisch ist.“ Zum Abschluss räumte er noch ein: „Die Sache ist aus dem Ruder gelaufen – von beiden Seiten.“

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