22-jähriger Ahauser erbeutet über Ego-Shooter Gegenstände im Wert von 13.000 Euro

dzAmtsgericht Ahaus

Wegen Betruges standen zwei Brüder aus Ahaus vor Gericht. Sie sollen einen Wolfsburger über das Internet abgezockt haben. Verurteilt wurden beide – wegen unterschiedlicher Delikte.

Ahaus

, 06.07.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sie sind Anfang 20, sie sehen aus wie die netten Jungs von nebenan und dennoch standen sie gemeinsam wegen Betruges vor dem Amtsgericht. Zwei Brüder aus Ahaus – der ältere 23, der jüngere 22 – sollen im November 2016 über das Internet einen Mann aus Wolfsburg um Waren im Wert von über 13.000 Euro erleichtert haben. So zumindest steht es in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft.

Kurz vor Mitternacht sollen die beiden Brüder über das Internet Kontakt mit dem Geschädigten aufgenommen haben. Gemeinsam spielte man über Smartphones das Online-Spiel „Counter-Strike Go“. Als der Wolfsburger die Nachricht erhielt, dass der Server nicht funktioniere, tappte er in die Falle. Er klickte auf einen Link, der Schadsoftware auf sein Apple iPhone lud.

Sicherheitslücke wird genutzt, um Counter-Strike-Items zu erbeuten

Durch die entstandene Sicherheitslücke war es nun für Außenstehende möglich, sich Zugriff auf seine Counter-Strike-App zu erschleichen. Es brauchte nur wenige Klicks, bis dem Wolfsburger sogenannte Items mit einem Marktwert von deutlich über 10.000 Euro entwendet wurden. Bei dem Items handelt es sich um Gegenstände, die im Online-Spiel entweder gesammelt oder erworben werden können. Was danach mit der virtuellen Beute passierte, ist unklar.

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Sofort schaltete der Wolfsburger die Polizei ein, deren Techniker nach Rückverfolgung der Telefonnummern die beiden Ahauser ins Visier nahmen. Der jüngere der beiden Brüder verweigerte vor Gericht zunächst jede Aussage, der ältere ließ über seinen Anwalt ausrichten, dass er mit der Sache nichts zu tun habe: „Mein Mandant war tagsüber in der Schule und musste am nächsten Tag um 7 Uhr arbeiten. Zum Tatzeitpunkt lag er bereits im Bett.“

Abschlussbericht der Polizei wird infrage gestellt

Außerdem stellte er den Abschlussbericht der Polizei-Techniker infrage: „Dort gibt es viele Konjunktive, das reicht nicht für eine Anklageschrift.“ Damit zog der Anwalt unübersehbar den Unmut des Richters auf sich, der mahnende Worte an den 23-Jährige richtete: „Sie gehen ein sehr großes Risiko ein. Wenn wir wirklich einen Sachverständiger hinzuziehen, dann wird es bei einer Verurteilung für Sie schweineteuer.“

Er sah klar Indizien dafür, dass beide Brüder in die Sache verwickelt seien. „Die Telefonnummer ihres Bruders ist auch in einem anderen, ähnlich gelagerten Verfahren aufgetaucht. Sie können von Glück reden, dass es eingestellt wurde.“ Daraufhin zogen sich alle Parteien zur Beratung zurück.

Auf die Beratung folgt das Geständnis

Nach 20 Minuten kehrten die beiden Ahauser mit ihren Anwälten zurück. „Es ist richtig, dass mein Mandant seinem jüngeren Bruder öfter mal sein Handy leiht. Was der damit tut, weiß er nicht. Mit der Geschichte hat er dieses Mal aber nichts zu tun“, erklärte der Verteidiger des 23-Jährigen.

Dass sein jüngerer Bruder daraufhin ein volles Geständnis ablegte, war dann keine wirklich Überraschung mehr. Der 22-Jährige betonte: „Mein Bruder hat damit überhaupt nichts zu tun.“ Weil er bis dato strafrechtlich ein ungeschriebenes Blatt war, konnte das Verfahren unter strengen Auflagen eingestellt werden. 1800 Euro muss er in Raten an den Wolfsburger zahlen, in einem möglichen Zivilprozess könnte diese Summe noch um ein Vielfaches steigen.

Zehn Vorstrafen sorgen für eine Freiheitsstrafe

Zwar war der 23-Jährige in diesem Fall aus dem Schneider, allerdings wurde ihm von der Staatsanwaltschaft auch noch ein zweiter Delikt vorgeworfen. Im August 2018 erwischten ihn zwei Polizisten am Ahauser Bahnhof mit knapp 50 Gramm Marihuana. Nach eigenen Angaben hatte er die Drogen am Bahnhof in Enschede von einem unbekannten Dealer erworben.

Weil der Ahauser bereits zehnfach vorbestraft war, verurteilte das Gericht ihn zu einer sechsmonatigen Freiheitsstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt wird. Der 23-Jährige gestand, dass er „ein massives Problem mit Drogen“ habe und mittlerweile eine stationäre Reha bewilligt bekommen habe. „Ich weiß, dass es meine letzte Chance ist, mein Leben in den Griff zu bekommen.“

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