27-jähriger Alstätter: „Ich wollte sie mit dem Messer nur erschrecken.“

dzGerichtsprozess

Bei der Fortsetzung des Verfahrens um versuchten Totschlag am Landgericht Münster hat der Angeklagte (27) aus Alstätte eine ganz eigenwillige Version der vermeintlichen Geschehnisse präsentiert.

von Klaus Möllers

Ahaus

, 26.07.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sie hat schon lange versucht, mich loszuwerden und mich ins Gefängnis zu bringen.“ Zum Beispiel, indem sie - seine (mittlerweile) Ex-Frau - ein Jahr lang an ihn adressierte Post versteckt und ihn über die Briefe nicht informiert habe. Schließlich hätten „wichtige Sachen“ in der Post sein können. So stellt es der angeklagte 27-Jährige aus Alstätte bei der Fortsetzung des Verfahrens um versuchten Totschlag am Landgericht Münster (wir berichteten) am Freitag (24. Juli) dar.

Das Gericht muss nun klären, ob der Angeklagte seine Ex-Frau am späten Abend des 16. Oktober mit einem Küchenmesser angriff und womöglich sogar töten wollte. Der Mann behauptet seit Prozessbeginn, er habe während des Streits zwar ein Messer in einer Hand gehalten, aber nicht auf seine damalige Ehefrau eingestochen.

Angeklagter will seine Frau bloß erschrecken

Die 25-Jährige habe vielmehr nach dem Messer gegriffen und die Klinge festgehalten. Er habe sie „bloß erschrecken“ wollen. Die Frau hingegen behauptet, ihr Ex habe „wie wild“, so erklärte sie es in der Tatnacht der Polizei und dann auch am Landgericht, auf ihren Bauch einstechen wollen. Sie habe das Messer aber „mit den Händen abgewehrt“.

Sicher ist, dass die Frau nach der Auseinandersetzung an der Straße am Garteneck einem der herbeigerufenen Polizisten aus dem Haus kommend blutend in die Arme fiel, wie durch die Zeugenaussagen mehrerer Polizisten am Freitag deutlich wurde. Die beiden Streifenbeamten forderten Verstärkung an, weil sich der 27-Jährige offenbar noch im Haus befand. Er hatte sich im Keller versteckt.

Die Frau soll geblutet haben

„Die Frau ist dann zu Boden gegangen und hat geblutet. Ich hockte neben ihr mit gezogener Waffe. Hände, Oberbekleidung und Füße waren blutig. Sie wirkte sehr panisch“, sagte jener Beamte aus, der sich zuerst um die Frau kümmerte. Die Verletzte wurde mit einem Rettungswagen in ein Krankenhaus nach Enschede gebracht, mit Schnitt- beziehungsweise Stichwunden an Händen, Armen, Oberschenkel und Fuß.

Als Verstärkung der Polizei eingetroffen sei, hätten mehrere Beamte Garage und Haus durchsucht, schilderte der Polizist. Der 27-Jährige habe sich im Haus aus dem Keller heraus bemerkbar gemacht und gesagt „ich habe das alles nicht gewollt“. Er habe dann „die Tür aufgemacht. Er hat gemacht, was wir wollten und sich festnehmen lassen“, so der Polizist weiter.

Hintergrund der Auseinandersetzung ist nach bisherigem Stand, dass sich die 25-Jährige endgültig von ihrem Mann trennen wollte. Drei Kinder kamen während der Ehe zur Welt. Sie leben bei der Mutter. Mittlerweile wohnen sowohl der Angeklagte als auch die Geschädigte und die Kinder nicht mehr in Alstätte.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt