Ahauser Ordnungsamt stoppt „Bier2go-Aktion“ – ansonsten ruhiger 1. Mai

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Ein ruhiger Maifeiertag war es für die Beamten von Polizei und Ordnungsamt. In Ahaus musste die „Bier2go-Aktion“ der Gaststätte Möllers allerdings gestoppt werden. Der Andrang war zu groß.

Ahaus

, 04.05.2020, 19:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Während in Berlin der 1. Mai traditionell den Demonstrationen zum „Tag der Arbeiterbewegung“ gewidmet ist, geht es im Münsterland eher ruhiger zu. Mit Familie und Freunden zieht oder fährt man durch die Gegend, genießt im Idealfall das gute Wetter und stattet den lokalen Gaststätten für das ein oder andere Kaltgetränk einen Besuch ab.

Doch die Pandemie sorgte dafür, dass sowohl die Berliner als auch die Münsterländer umplanen mussten. Denn auch am Maifeiertag galten die strengen Corona-Maßnahmen. Dazu gehörte neben der Abstandregel auch das Verbot, Kneipen und Restaurants für Gäste zu öffnen. Die Brüder Faulus und Fetrus Demir von der Gaststätte Möllers hatten allerdings eine Idee, wie die Ahauser trotzdem an ihr „kühles Blondes“ kommen konnten.

Konzept vom Ordnungsamt abgesegnet

Dem Ordnungsamt der Stadt legten sie ein Konzept vor, das eine „Bier2go-Aktion“ beinhaltete. Dieses lehnte sich an der gängigen Praxis bei Eisdielen und Imbissen an: Bier gibt es nur zum Abholen, bei der Bestellung muss eine Maske getragen werden, getrunken werden darf erst in einem Abstand von wenigstens 50 Metern. Die Behörde hob dem Daumen.

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Am 1. Mai zeigt sich schnell, dass die Brüder Demir mit ihrer Aktion einen Nerv getroffen haben. Ab 11 Uhr läuft der Zapfhahn; viele Stammgäste, aber auch auswärtige Fahrradfahrer kommen vorbei. Quer über den Parkplatz an der Wallstraße stehen verteilt Grüppchen, die unter Einhaltung des Mindestabstands symbolisch anstoßen. Einen großes Schild weist auf das Verbot hin, im Radius von 50 Metern Bier zu konsumieren.

Großer Andrang sorgt für Probleme

Doch als der Andrang größer wird, zeigen sich erste Probleme: Der Sicherheitsabstand von zwei Metern wird nicht mehr überall gewahrt. Auch die 50-Meter-Grenze wird teilweise nicht eingehalten. Zwar appellieren die Wirte an ihre Gäste - auch die erste Kontrolle der Polizei fiel positiv aus – doch um 14.30 Uhr fährt das Ordnungsamt im E-Golf vor. Die klare Ansage: letzte Runde und dann Feierabend. Ansonsten drohe Gästen und Gastronomen ein Bußgeld.

Nach vier Stunden hat sich die Ansammlung wieder aufgelöst, nur ein paar leere Bierbecher bleiben deuten noch auf die Aktion hin. Auf Anfrage erklärt die Stadt Ahaus, warum sie trotz der zunächst erteilten Erlaubnis intervenierte. „Es handelte sich zwar um eine abgestimmte Aktion, aber die Abstandsregel wurde nicht eingehalten. Deshalb wurde die Aktion aufgelöst“, sagt Pressesprecherin Anna Reehuis am Montag.

Grüppchenbildung wird zum Problem

Faulus Demir berichtet: „Uns wurde von den Mitarbeitern des Ordnungsamts gesagt, dass die Grüppchenbildung das Problem sei. Es ist eben nicht wie bei der Eisdiele, wo die Kunden ihr Eis bekommen und dann weiterziehen.“ Auf die Aktion blickt er mit gemischten Gefühlen: „Die Resonanz war überwältigend. Es kamen immer mehr Leute. Aber genau das wurde natürlich irgendwann zum Problem.“

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Nun blickt er in die Zukunft und hat schon am Konzept gefeilt: „Vielleicht hätten wir die anderen Gastronomen mit ins Boot holen sollen. Dann hätte man eine Route entwickeln können, bei der die Leute sich nur im Vorbeigehen ihr Bier schnappen und zur nächsten Kneipe ziehen. Dann hätte man keine Ansammlungen vor der Tür.“ Allerdings weiß Faulus Demir auch: „Ich weiß nicht, ob die Stadt Ahaus sich noch einmal so offen für eine solche Aktion zeigt.“

Spendenaktion ein voller Erfolg

Durchweg positiv überrascht hat die Brüder Demir hingegen die Reaktion auf ihren Spendenaufruf. Über die Plattform „betterplace.me“ sammelten sie bis zum Montagabend rund 3400 Euro, am 1. Mai kamen stolze 1600 Euro durch das aufgestellte Sparschwein hinzu. „Das hat uns komplett überwältigt. Unglaublich, wie viele uns da unterstützen“, sagt Faulus Demir.

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Der Einsatz des Ordnungsamts bei der Gaststätte Möllers war im Übrigen die einzige Auffälligkeit am in den Vorjahren teilweise turbulenten 1. Mai. Sowohl Polizei als auch Ordnungsamt berichten, dass es trotz verstärkter Kontrollen zu keinen Verstößen gekommen sei. „Es war sehr ruhig. Auch an sonst stark frequentierten Orten wie dem Schweinesee oder dem Freizeitgelände Ork“, erklärt Anna Reehuis.

Thorsten Ohm von der Polizei-Pressestelle Borken kann das bestätigen: „Es war ein normales Wochenende während der Corona-Zeit. Es gab keine größeren Einsätze.“ Nur am Samstagabend verstießen vier Jugendliche in Wüllen gegen das Kontaktverbot. Sie trafen sich in einer Schutzhütte. Ihnen droht nun ein Bußgeld in Höhe von je 200 Euro.

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