„Sie saufen eindeutig zu viel“: Ahauser klaute Sachen und beleidigte Polizisten

dzAmtsgericht Ahaus

Ein Ahauser hat zwei Polizisten unter anderem als Nazis beschimpft, einen Autospiegel zerstört und mehrmals geklaut. An das teuerste Vergehen kann er sich allerdings nicht mehr erinnern.

Ahaus, Stadtlohn

, 08.02.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zweimal Sachbeschädigung, mehrfacher Diebstahl und wiederholtes Beleidigen von Polizeibeamten. Sechs Vergehen an drei unterschiedlichen Tagen wurden einem 30-jährigen Ahauser am Freitag vor dem Amtsgericht Ahaus angelastet. Eines von ihnen wurde jedoch aus dem Verfahren gestrichen – die Alkoholsucht des Angeklagten spielte dabei eine große Rolle.

Im Mai vergangenen Jahres soll der Angeklagte in Stadtlohn erst eine Schaufensterscheibe zerstört haben, ehe er den Außenspiegel eines parkenden Autos abtrat. Während der Schaden des Fensters sich auf etwa 2000 Euro belief, waren es beim demolierten Auto 400 Euro. Nur eine Woche später kam noch der Diebstahl eines Oberteils und einer Sonnenbrille in einem Modegeschäft hinzu. Einige Monate später wurde der 30-Jährige dann erneut auffällig.

Angeklagter erinnert sich nicht an Sachbeschädigung

Erst klaute er an einer Tankstelle in Ahaus eine Getränkedose, dann beleidigte er noch am selben Tag zwei Polizisten als „Affe“ und „Arschloch“. Nachdem die ihn in Gewahrsam nahmen, hörte der Mann allerdings nicht auf, beschimpfte sie unter anderem noch als „Nazis“. Später wurde beim Angeklagten über ein Promille Alkohol im Blut festgestellt. Bei den Vorfällen in Stadtlohn war es sogar ein Wert von über zwei Promille.

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Ein Wert, der auch den Richter überraschte. „Ungeübt schafft man das nicht“, stellte er fest. Bereits seit sieben oder acht Jahren trinke er, gestand der Angeklagte, der alles bis auf die zerstörte Scheibe in Stadtlohn zugab. Normalerweise erinnere er sich an so etwas, sagte er. Daher zweifle er auch daran, dass er es wirklich gewesen sei. Obwohl auch ein Freund, mit dem er damals unterwegs war, ihm gesagt habe, dass er das Schaufenster zerstört habe.

„Warum sollten sie alles andere zugeben und das nicht?“

„Sie saufen eindeutig zu viel, sonst würden sie so einen Blödsinn gar nicht machen“, sagte der Richter. Schon seit November vergangenen Jahres befindet sich der Angeklagte in einer auf Suchtkranke spezialisierten Klinik in Castrop-Rauxel. Dort laufe es für ihn bislang gut, sagte er. Sein Therapeut sei ebenfalls mit ihm zufrieden. Noch bis April soll er dort bleiben, dann werde er im Raum Dortmund nach einer Ausbildung suchen.

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Dass er sich nicht erinnern könne, das Fenster in Stadtlohn zerstört zu haben, glaubte der Richter dem Angeklagten. „Warum sollten sie auch alles andere zugeben und das nicht?“ Er schlug vor, die Sachbeschädigung der Scheibe aus dem Verfahren herauszunehmen. Auch der Staatsanwalt stimmte dem Vorschlag zu. So wurden aus sechs Vergehen nur noch fünf. Letztendlich wurde der 30-Jährige Hartz-IV-Empfänger zu insgesamt 220 Tagessätzen und sechs Monaten auf Bewährung verurteilt.

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