Peter Thiemann in seinem Spielwaren- und Bastelgeschäft: Für ihn könnte es deutlich schlimmer laufen, sagt er. Auch wenn der Umsatz eingebrochen ist, bleibt genug zu tun. Mehr noch: Er sei überrascht, wie gut die Geschäfte trotz des Lockdowns noch laufen. © Stephan Rape
Corona-Lockdown

Ahauser Händler sehen Licht und Schatten im zweiten Corona-Lockdown

Mindestens bis Ende Januar bleiben die meisten Geschäfte in Ahaus geschlossen. Wie geht es den Händlern im zweiten Corona-Lockdown? Und wieviel Umsatz können sie online auffangen?

Die Fußgängerzone in Ahaus bietet im Moment meist ein trauriges Bild – trotz des üppigen Weihnachtsschmucks. Passanten verirren sich dorthin kaum. Kein Wunder: Fast alle Geschäfte mussten wegen des Corona-Lockdowns schließen. Aktuell ist der Einzelhandel bis Ende Januar stark eingeschränkt. Doch wie geht es den Ahauser Händlern damit?

Peter Thiemann, Inhaber von Thiemann Basteln und Spielen in der Ahauser Innenstadt, möchte nicht klagen. Er sei regelrecht erstaunt, wie gut es trotz des Lockdowns laufe. „Die Menschen beschäftigen sich mit Basteln und Spielen“, sagt er. Der Umsatz sei auf rund ein Drittel zusammengebrochen. Dennoch sei er ganz zufrieden. Kunden bestellen bei ihm telefonisch oder per E-Mail und holen die Artikel dann vor Ort ab.

So sei auch noch die Kundenberatung möglich: „Die Kunden besinnen sich wirklich darauf, vor Ort einzukaufen“, sagt er zufrieden. Aktuell sei er außerdem mit Aufräumen und der Inventur beschäftigt. In Kurzarbeit habe er seine Mitarbeiter daher noch nicht schicken müssen. Ein reines Onlinegeschäft oder ein Onlineshop ergibt aus seiner Sicht keinen Sinn: „Dafür habe ich zu viele einzelne Artikel“, erklärt er. Außerdem gehe es ihm nicht darum, nur zu verkaufen: „Ich will beraten.“

Bei Mode tut sich gerade nicht viel

Pessimistischer sieht es Petra Steingrube-Rittmann, Geschäftsführerin des Modehauses Steingrube und Vorsitzende des Gewerbevereins Ahaus. Sie bietet Kunden einen Lieferservice an. „Im Bereich Mode tut sich da aber nicht viel“, erklärt sie. Auf fünf bis zehn Prozent des normalen Umsatzes schätzt sie den momentanen Erfolg ein. „Die Situation ist ganz ehrlich sehr bescheiden“, sagt sie. „Trotzdem müssen wir jetzt nach vorne blicken“, erklärt sie und hofft auf eine Lockerung der Vorgaben zu Ende Januar.

“Ein trauriges Bild” liefere die Innenstadt im Moment ab. Das sagen gleich mehrere Händler im Gespräch mit unserer Redaktion. Darüber kann auch der üppige Weihnachtsschmuck nicht hinweg täuschen. Weil die meisten Geschäfte wegen des Corona-Lockdowns geschlossen sind, verirren sich kaum noch Passanten in die Fußgängerzone. © Stephan Rape © Stephan Rape

Daran mag Martin Buning, Geschäftsführer von Expert Ahaus, nicht glauben. „Es gibt ja schon die ersten Unkenrufe, dass der Lockdown bis Mitte oder sogar Ende Februar verlängert werden könnte“, erklärt er. Noch stehe sein Unternehmen mit Filialen in Ahaus, Coesfeld und Borken nicht mit dem Rücken zur Wand. „Aber das hängt eben alles auch mit der Frage zusammen, wann wir wieder normal öffnen können“, fügt er hinzu. Aktuell beschränkt sich der Betrieb vor allem auf telefonische Beratung, Service und Reparaturen.

„Die Reparaturen laufen ja ganz normal weiter“, sagt er. Der Betrieb insgesamt sei aber weit von einem „Normal“ entfernt. Von seinen rund 80 Mitarbeitern an allen drei Standorten seien aktuell gut zwei Drittel in Kurzarbeit. Nur mit Telefon- oder Versandabwicklung könne er das ganze Team nicht beschäftigen. Auch macht er einen klaren Unterschied zum ersten Lockdown im vergangenen Frühjahr aus: „Damals hatten viele Leute Nachholbedarf, weil sie beispielsweise ins Homeoffice gegangen sind und dort aufrüsten mussten“, erklärt er. Diese Kunden seien jetzt natürlich komplett versorgt.

Teilweise Öffnung hilft bei Bettings Mühle gut weiter

Christoph Betting, einer der Geschäftsführer bei Bettings Mühle, sieht den momentanen Lockdown relativ gelassen. Der Januar sei sowieso ein sehr ruhiger Monat. „Aber natürlich ist es in diesem Jahr deutlich schlimmer“, sagt er. Trotzdem sei er froh, dass Bettings Mühle zumindest eingeschränkt öffnen und vorbestellte Ware aushändigen oder liefern darf. Die Umsätze seien dabei sehr abteilungsabhängig. Die Angelabteilung beispielsweise komme trotz des Lockdowns noch auf rund 50 Prozent der regulären Umsätze.

Das sehe etwa bei weißer Ware oder Gartengeräten und -möbeln natürlich anders aus. Kurzarbeit konnte das Unternehmen bisher dennoch vermeiden. „Wir sind in der Vorbereitung für die kommende Saison und planen gerade alles für Mitte März, wenn es wieder richtig losgehen soll“, sagt er. Daneben kann er natürlich auf viele Stammkunden aus dem Handwerk setzen, die weiter regulär ihre Ware über Bettings Mühle beziehen.

Ohne Frequenz ist im Schuhhandel nicht viel zu machen

„Im Moment funktioniert nicht viel“, ist die erste Antwort, die Oliver Kramer, Geschäftsführer von Kramer Schuhe, auf die Frage nach der Perspektive in seinem Unternehmen gibt. Sowohl festliche Modelle als auch Businessschuhe würden kaum nachgefragt. „Veranstaltungen finden nicht statt und im Homeoffice tut es anscheinend auch ein altes Paar Schuhe“, sagt er mit bitterem Lachen.

Natürlich biete sein Unternehmen online Angebote. „Das ist aber lange nicht ausreichend“, erklärt er. „Wir leben von der Frequenz. Von Menschen, die durch die Stadt gehen und im Schaufenster oder im Geschäft etwas Schönes sehen und kaufen“, erklärt er. Und dort sehe es eben im Moment extrem düster aus. „Die Innenstadt ist, obwohl sie so schön geschmückt ist, im Moment ein Trauerbild.“ Und das lasse sich eben auch online nicht auffangen. In keiner der 50 Filialen. Ein Großteil der rund 400 Mitarbeiter des Unternehmens sei deswegen in Kurzarbeit. „Wir hoffen, dass der Lockdown Ende Januar aufgehoben wird. Sonst wird es eng“, sagt er.

Denn der fehlende Umsatz sei nur die eine Seite der Medaille. „Die Lager sind voll mit Winterschuhen“, erklärt er. Wenn sich nun also der Lockdown noch weiter hinziehe, bekomme er Schwierigkeiten, die Frühjahrs- oder Sommermodelle unterzubringen. Auch könne er nicht spontan umplanen: Die Winterkollektion etwa sei ja seit einem halben Jahr bestellt und bezahlt. Und für die neue Sommerkollektion brauche er einerseits Geld – und eben den Platz im Lager.

Goldschmied stellt um und forciert eigene Produktion

Mathias Engels, Inhaber der Goldschmiede Engels, macht aus der Not eine Tugend: „Wir wollten immer viel mehr selbst herstellen“, sagt er. Im Alltagsgeschäft sei dafür nie Zeit gewesen. Umso mehr setze er jetzt auf die Produktion in der eigenen Werkstatt. „Zum Glück habe ich das Handwerk dabei“, sagt er. Denn der reine Handel sei praktisch komplett zum Erliegen gekommen. Reparaturen und Produktion liefen weiter.

Aber Schmuckstücke etwa per telefonischer Beratung zu verkaufen, funktioniere nicht. Auch er sei auf die Frequenz in der Innenstadt angewiesen. „Die Laufkundschaft ist ja komplett weg“, sagt er. Insgesamt, das höre der Obermeister der Goldschmiedeinnung Münster aber auch von Kollegen, sei das Geschäftsjahr 2020 gar nicht so schlecht gelaufen, wie befürchtet. Auch bei ihm geht der Blick in die Zukunft: „Wenn die Türen wieder geöffnet werden dürfen, sind wir gut vorbereitet. Und bis dahin haben wir null Langeweile“, erklärt er.

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Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape

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