Ahauser Gastronomen kritisieren „Nette Toilette“ scharf – Projekt droht zu kippen

dzWCs für die Öffentlichkeit

WCs für die Öffentlichkeit in Cafés und Gaststätten? Das Konzept „Nette Toilette“ sieht genau das vor. Die Stadt Ahaus will mitmachen, aber nicht alle Gastronomen sind begeistert.

Ahaus

, 30.01.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Projekt „Nette Toilette“ steht in Ahaus auf der Kippe. Gleich mehrere Gastronomen aus der Innenstadt kritisieren das Konzept scharf und haben entschieden, sich nicht zu beteiligen. So auch das Ehepaar Rathmer vom Schlosshotel am Oldenkottplatz. Angelika Rathmer erklärt: „Wenn einer fragt, darf er natürlich auf die Toilette. Aber ich möchte nicht, dass an der Tür steht: Hier ist ein öffentliches WC.“ Denn dann habe man als Hausherr gar keinen Einfluss mehr, wer die sanitären Anlagen nutzt.

„Wer zahlt, wenn irgendwelche Halbstarken meinen, da unten randalieren zu müssen“, fragt Angelika Rathmer rhetorisch. Denn sie weiß, dass die Kosten in einem solchen Fall an ihrem Betrieb hängen bleiben. Kritik übt sie auch an dem Vertrag, den Ahaus Marketing und Touristik aufgesetzt und an die Gastronomen verschickt hat. „Man wird aufgefordert, unverzüglich jede Veränderung der Öffnungszeiten und jeden Urlaub anzugeben. Da werde ich dann nachher noch gerügt, wenn ich meinen Laden spontan eine Stunde früher schließe“, sagt sie.

Kritik an den Schildern und dem Geldbetrag

Um die 120 Euro, die die Stadt Ahaus den Gastronomen im Gegenzug pro Jahr verspricht und von einigen als zu niedrig angesehen werden, geht es ihr nicht. „Das soll nicht arrogant klingen, aber wir würden es auch für mehr Geld nicht machen. Das ist es einfach nicht wert.“

Fetrus Demir von der Gaststätte Möllers ist vom Konzept der „Netten Toilette“ nicht überzeugt.

Fetrus Demir von der Gaststätte Möllers ist vom Konzept der „Netten Toilette“ nicht überzeugt. © Sascha Keirat

Fetrus Demir von der Gaststätte Möllers sieht es ähnlich wie Angelika Rathmer. „Das Schild an der Tür sendet ein merkwürdiges Signal. Gerade bei Veranstaltungen wie der Ahauser Kirmes, wo sowieso schon viele meine Toiletten nutzen, die keine Gäste sind.“ Der Wirt sieht auch keinen Grund für die Aktion: „Im Prinzip habe ich ja schon eine öffentliche Toilette. Ich habe noch nie jemandem verboten, die WC-Anlagen zu nutzen.“

Gastronom: „Sollen wir gemeinsam darüber lachen?“

Gleiches sagt auch eine Gastronomin, die namentlich nicht genannt werden möchte: „Bei uns gehen die Gäste ein und aus. Aber deshalb brauche ich kein Schild an der Tür.“ Die 120 Euro betrachtet sie zudem „als schlechten Witz“. Ihr Mann habe Ahaus Marketing und Touristik einen Besuch abgestattet und dort gefragt, ob man gemeinsam über diese Summe lachen solle. Ihr Betrieb wird weiterhin an der bewährten Methode festhalten: „Wer fragt, darf gerne aufs Klo.“

Die Kritik kommt insofern überraschend, als dass das Projekt im Oktober des Vorjahres noch von vielen Seiten gelobt worden war. Bürgermeisterin Karola Voß sprach damals im Wirtschaftsausschuss von „gut investiertem Geld“ und einem Imagegewinn für die Stadt. „Alle haben etwas davon, Ahauser und Gäste.“ Auch die erste Resonanz der Gastronomen sei positiv, berichtete damals Claudia Platte, Geschäftsführerin von Ahaus Marketing und Touristik.

Jetzt lesen

Ebenjene war es auch, die am Dienstagabend im Wirtschaftsausschuss andeutete, dass das Projekt „Nette Toilette“ nun doch auf Widerstand gestoßen sei: „Nicht jeder ist offenbar scharf darauf, sich zu beteiligen. Es wird kritisiert, dass der Aufkleber als Freifahrtschein verstanden werden könnte, um im Café oder einer Gaststätte das WC zu nutzen.“ Deshalb regte sie an, den Betrag von 10 auf 50 Euro anzuheben. Auf Anfrage der Redaktion erklärte sie: „Gerade in der Innenstadt, wo die meisten Menschen unterwegs sind, ist ein Betrag von 10 Euro ein geringer Anreiz.“

Lob für Konzept von der Pizzeria Istanbul

Die „Nette Toilette“ schreibt sie für Ahaus aber noch nicht ab: „Wir haben auch positive Rückmeldungen bekommen. Am Ende muss jeder für sich entscheiden, ob er sich beteiligen möchte.“ Tatsächlich gibt es auch Ahauser Gastronomen, die dem Projekt viel Gutes abgewinnen können. „Ich finde es sehr positiv. Es kommen Leute vorbei, die unseren Laden vielleicht noch nicht kennen und spontan Appetit bekommen. Es ist auch ein bisschen Werbung“, sagt Volkan Saglam von der Pizzeria Istanbul.

Hüsnü Ak (l.) und Volkan Saglam von der Pizzeria Istanbul begrüßen das Projekt "Nette Toilette".

Hüsnü Ak (l.) und Volkan Saglam von der Pizzeria Istanbul begrüßen das Projekt "Nette Toilette". © Johannes Schmittmann

Sein Kollege Hüsnü Ak sagt allerdings auch: „50 Euro wären angemessen, 10 Euro hätten die Mehrkosten nicht gedeckt.“ Übrigens, auch bei „Istanbul“ wurde bisher noch niemand der Toiletten-Gang verwehrt. „Es kommen viele Mütter mit ihren Kindern. Für uns ist das selbstverständlich.“ Gefragt werden, wollen allerdings auch sie.

Das Konzept „nette Toilette“

  • Die Stadt unterstützt die Gastronomen finanziell bei der Pflege der Toiletten und spart dadurch Kosten.
  • Der Gastronom bekommt den einen oder anderen neuen Gast, sowie Geld für sein schon bestehendes WC.
  • Die Bevölkerung erhält ein flächendeckendes Netz an frei zugänglichen Toiletten, die sauber, gepflegt und bis spät in die Nacht geöffnet sind.
Lesen Sie jetzt