17 Ärztinnen und Ärzte aus Ahaus beziehen am Freitagmittag vor dem Ahauser Schloss Position: Sie alle wollen sich impfen lassen oder haben das zum Teil sogar schon getan. Eindringlich werben sie dafür, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen. © Stephan Rape
Coronavirus

Ahauser Ärzte werben eindringlich für die Impfung gegen das Coronavirus

17 Mediziner aus Ahaus wollen ein Signal setzen: Sorgen wegen einer Impfung gegen das Coronavirus seien unbegründet. Doch sie sehen noch viel Skepsis bei ihren Patienten.

17 Ärztinnen und Ärzte aus Ahaus haben sich am Freitagmittag vor dem Ahauser Schloss versammelt – natürlich mit großem Abstand zueinander. Ihr Ziel ist klar: Sie wollen Bedenken vor den anstehenden Impfungen gegen das Coronavirus ausräumen. Und ein klares Zeichen setzen: „Wir lassen uns impfen“.

Zwei von ihnen sind die beiden Gynäkologinnen Dr. Andrea Dinand und Dr. Elisabeth Lohmann. In ihren Praxen werden sie besonders häufig nach den möglichen Folgen der Impfung gefragt. „Gerade junge Frauen haben die Befürchtung, dass sie nach einer Impfung nicht mehr schwanger werden können“, sagt Andrea Dinand. „Das ist Quatsch!“, lautet ihr deutliches Urteil.

Es sei richtig, dass Schwangere nicht geimpft werden sollen. Das habe aber überhaupt nichts mit dem aktuellen Impfstoff zu tun. Es sei grundsätzlich bei neuen Impfstoffen so, dass sie erst einmal für Schwangere nicht zugelassen würden. „Da geht es wirklich nur um den Zulassungsstatus“, bekräftigt Elisabeth Lohmann. Ein Schaden für Schwangere sei nicht zu erwarten.

Frauen, die schwanger werden wollen, sollen sich vorher impfen lassen

Umso mehr werben die beiden Frauenärztinnen dafür, dass sich Frauen impfen lassen sollen, die planen, schwanger zu werden. „Eben weil sie sich in der Schwangerschaft nicht impfen lassen können und so vorher den Impfschutz gegen das Coronavirus aufbauen sollen“, sagt Elisabeth Lohmann. Auch eine Wartezeit zwischen Impfung und Empfängnis brauche niemand einzuhalten. „Sie können sich heute impfen lassen und morgen schwanger werden. Das ist kein Problem“, erklärt auch Andrea Dinand.

Dr. Stefanie Schmickler, Leiterin des Augen-Zentrum-Nordwest am Domhof, hatte die Stellungnahme der Ahauser Ärzte organisiert. Weil eben auch ihr aufgefallen sei, dass immer wieder Fragen aufkämen und die Vorbehalte gegen die Impfung – vor allem unter jüngeren Menschen groß seien.

„Viele haben die Vorstellung, dass das eigene Erbgut durch die Impfung verändert werden könnte“, sagt sie am Freitag vor dem Schloss. Das sei aber ganz einfach nicht so.

Bei der Impfung würden ja auch keine abgeschwächten Viren gespritzt – wie etwa bei einer Impfung gegen die Masern. Die RNA in dem Impfstoff enthalte lediglich einen kleinen Teil der Informationen des Virus. Damit könnten dann im Körper Antikörper gebildet werden. „Es ist wirklich nur eine kleine Information, mit der der Körper geimpft wird“, schildert die Augenärztin. Auch sei mRNA-Technologie nichts Neues, sondern werde schon seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten, in der Krebsforschung und -therapie eingesetzt.

Bundesministerium beantwortet Fragen online

Das erklärt auch das Bundesministerium für Bildung und Forschung auf seiner Internetseite (www.bmbf.de) so: „Durch die Impfung wird den Zellen im Muskelgewebe in Form einer mRNA (messenger-RNA bzw. Boten-RNA) nur die Information für die Herstellung einzelner Antigene übertragen. Ähnlich der Infektion mit einem Virus, beginnt die Zelle nach dem Bauplan der mRNA mit der Produktion von Proteinen, die als Antigene dem Immunsystem präsentiert werden und eine Immunantwort auslösen. Da es sich nur um einzelne Proteine handelt, die von den Zellen hergestellt werden, ist mit dieser Methode keinerlei Infektionsrisiko vorhanden.“

Gleichzeitig handele es sich bei mRNA um ein Botenmolekül, das nicht in die DNA einer Zelle eingebaut werden kann. Auch werde es relativ schnell vom Körper abgebaut. „Eine Veränderung des Erbguts und damit eine Beeinträchtigung der Keimzellen (Eizellen bzw. Spermien), kann damit nicht stattfinden“, so die Information des Ministeriums.

„Wir wollen den Menschen die Berührungsängste nehmen, indem wir als niedergelassene Ärzte in Ahaus ganz klar sagen, dass auch wir uns impfen lassen“, erklärt Stefanie Schmickler. Nur so sei eine Herdenimmunität zu erreichen und nur so könnten irgendwann die Vorkehrungen gegen die Ausbreitung des Coronavirus einmal wieder gelockert werden.

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Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape

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