Wirtschaftsförderin Ilka Pricker: „Ich sehe mich nicht als Einzelkämpferin“

dzInterview

Ilka Pricker ist als Wirtschaftsförderin der Stadt Ahaus seit 100 Tagen im Amt. Wir haben mit 29-Jährigen über Herausforderungen im Job gesprochen.

Ahaus

, 19.09.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ilka Pricker hat den Überblick. Von ihrem Büro im 1. Stock des Rathauses kann die 29-Jährige aus dem großen Fenster auf die Hindenburgallee schauen. Den Überblick braucht sie vor allem, wenn es um Handel, Handwerk, Industrie und Dienstleistungen in Ahaus geht. Seit dem 1. Juni ist Ilka Pricker die Wirtschaftsförderin der Stadt. Wir haben sie nach den ersten 100 Arbeitstagen zum Interview getroffen.

Frau Pricker, was zeichnet eine gute Wirtschaftsförderin aus?

Das versteht jeder unterschiedlich. Ich denke, dass es sehr wichtig ist, nah an den bestehenden Unternehmen zu sein, ihre Wünsche aufzunehmen, Themen zu sammeln, die für die gesamte Wirtschaft von Relevanz sind und darauf aufbauend Angebote für die Unternehmen zu schaffen. Ein guter Wirtschaftsförderer fungiert als erster Ansprechpartner, auch wenn Probleme bestehen.

Wie viele Firmen gibt es in Ahaus? Wenn Sie alle besuchen, dürften Sie doch sicher die nächsten zehn Jahre jeden Tag einen Termin haben.

Das ist richtig. Es gibt in Ahaus an die 3000 angemeldete Gewerbe, dazu zählen auch Einzelunternehmen. Es ist aber nicht Anspruch, alle Ahauser Unternehmen zu besuchen. Das Angebot steht, dass die Unternehmen sich jederzeit an mich wenden können.

Mit wie vielen Ahauser Firmeninhabern haben Sie sich in den vergangenen drei Monaten getroffen?

Bisher mit 23.

Wenn Sie mit Firmen sprechen, was wünschen sich die Unternehmen konkret?

Es geht vor allem um den Fachkräftemangel, das bekomme ich als große Herausforderung bisher von fast jedem Unternehmen gespiegelt. Es gibt zum Beispiel den Wunsch, dass die Stadt eine Broschüre erstellt, die man den Mitarbeitern mitgibt, die neu nach Ahaus kommen; eine Art Wegweiser mit Ansprechpartnern und Angeboten. Auch Netzwerkveranstaltungen werden gewünscht, bei denen junge Führungskräfte die Möglichkeit haben, sich auszutauschen.

Wo liegen die Schwächen der Stadt Ahaus?

Ich würde eher von Herausforderungen sprechen. Es gibt recht wenig freie Gewerbeflächen.

Wie viele Firmen fragen bei Ihnen pro Woche nach freien Gewerbeflächen an?

In den vergangenen drei Monaten waren es sechs bis sieben Firmen. Dazu kommen Firmen, die bestehende Immobilien suchen, zum Beispiel eine Halle.

In anderen Kommunen ist Wirtschaftsförderung Chefsache, da macht der Bürgermeister neben der Pressearbeit diese Aufgabe mit. Wie viel freie Hand lässt ihnen Bürgermeisterin Karola Voß?

Ich bin in enger Abstimmung mit ihr. Sie ist involviert, aber lässt mir Raum zum Handeln, ich werde nicht ausgebremst.

Sind Sie als Wirtschaftsförderin eher Einzelkämpferin oder gibt es auch interkommunale Zusammenarbeit?

Mein Fokus liegt natürlich auf der Stadt Ahaus, aber ich sehe mich nicht als Einzelkämpferin. Es gibt einen Austausch mit den Wirtschaftsförderern aus Gronau, Borken und Heiden. Langfristig profitiert auch die Region davon, wenn wir zu bestimmten Themenfeldern kooperieren.

Sie sind Prozessingenieurin, was macht man da?

Ich habe mich um die Produktqualität gekümmert, entsprechende Prozessparameter vorgegeben und in Forschungsprojekten mitgearbeitet.

Was war Ihre Motivation, als Wirtschaftsförderin in Ahaus zu arbeiten?

Ich fand die Stellenausschreibung sehr interessant. Die Arbeit ist vielseitig, es ist viel Eigeninitiative gefragt. Im Prozessingenieurwesen ist man doch eher spezifisch unterwegs. Da gab es sich häufig wiederholende Aufgaben, mir fehlte die Abwechslung. Hier kann ich aktiv mitgestalten.

Nach drei Monaten im Job, was zeichnet Ihrer Meinung nach den Wirtschaftsstandort Ahaus aus?

Ich würde sagen, vor allem der sehr breite Branchenmix. Es gibt hier Holzverarbeitung, Maschinenbau, wir haben unterschiedlichste IT-Unternehmen, Kunststoffverarbeitung, Stahlverarbeitung und viele Dienstleister und Handelsbetriebe. Die Wirtschaftsstruktur in Ahaus ist mittelständisch geprägt und die Firmen sind oftmals in Familienhand. Und nicht zuletzt zeichnen die Menschen, die hier leben und arbeiten, den Wirtschaftsstandort aus.

Sie wechselten von der freien Wirtschaft in den Öffentlichen Dienst – wie groß war die Umstellung?

Eine riesige Umstellung war das nicht.

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