Die Maske wird wohl noch weiter zum Unterricht gehören. Auch offene Fenster können die Luftfilter nicht ersetzen. Die Stadt prüft allerdings, ob und wo die Anschaffung von Luftfiltern in Schulen und Kitas Sinn ergibt. © picture alliance/dpa
Corona-Pandemie

Ahaus prüft die Anschaffung von Luftfiltern für Schulen und Kitas

Luftfilter als Lösung, um Schulen und Kitas gegen das Coronavirus zu rüsten? Eine Millioneninvestition steht im Raum. Die Stadt prüft, wo die Geräte Sinn ergeben. Doch es gibt kritische Stimmen.

Reicht es in der Corona-Pandemie aus, in Schulklassen und Kitaräumen regelmäßig zu lüften? Können überhaupt alle Klassenräume gelüftet werden oder sind mobile Luftfilteranlagen eine Alternative? Das wird in Ahaus gerade geprüft.

Die SPD hatte eine entsprechende Prüfung in der vergangenen Ratssitzung beantragt: Für Klassenräume in allen Schulen und die Kindertagesstätten soll die Anschaffung von mobilen Raumluftfiltern geprüft werden.

Luftfilter können regelmäßiges Lüften nicht ersetzen

Der Beigeordnete Werner Leuker hatte da die Erwartungen an die Geräte gedämpft. Die Stadt halte sich an die Empfehlung der Kultusministerkonferenz. Und nach der stehe eben das Lüften an oberster Stelle. Gleichzeitig erklärte er, dass die Luftfiltergeräte ohnehin nur als Ergänzung genutzt werden könnten. „Man muss die Räume trotzdem alle 20 Minuten lüften“, erklärte er.

Räume in denen das nicht möglich ist, seien momentan gänzlich ungeeignet für den Unterricht. Nach Rücksprache mit den Schulen in Ahaus gebe es da aber aktuell ohnehin nur eine problematische Schule. Auch da werde noch nach Alternativen gesucht.

2,1 Millionen Euro für Kauf und Betrieb von 300 Geräten

Im Rat hatte Werner Leuker noch eine weitere Rechnung aufgemacht: Um alle Räume in Schulen, Kindertagesstätten, der Musikschule, der VHS, der Stadthalle, der Bibliothek, der Villa van Delden und dem Rathaus mit entsprechenden Filtern auszustatten, bräuchte es etwa 300 Geräte. Bei Anschaffungskosten von etwa 3800 Euro und jährlichen Kosten für Wartung und Strom von 720 Euro pro Gerät kämen so rund 2,1 Millionen Euro zusammen. Die Luftfilter sieht er aber momentan nicht als praktikable Lösung.

„Bei allen Überlegungen steht natürlich die Gesundheit von Schülern und Lehrern an oberster Stelle“, erklärte Werner Leuker. Auch seien inzwischen alle Klassenräume mit Kohlendioxid-Messgeräten ausgestattet. Dadurch könne sichergestellt werden, dass regelmäßig gelüftet wird. In seinen Augen gehe also – wenn überhaupt – nur um eine sehr geringe Zahl von Lüftungsgeräten, die angeschafft werden müssten.

Im Rat hatte Gisa Müller-Butzkamm (Grüne) deutlich gemacht: „Wir brauchen eine Entscheidung, um eine Abkehr vom Präsenzunterricht auf jeden Fall zu verhindern.“ Dort wurde aber auch Kritik laut: Für Christian Rudde (CDU) war der Nutzen der Geräte nicht eindeutig: „Es gibt ja auch kritische Stimmen zu den Geräten. Ihre Leistung wird nur im Laborbetrieb getestet“, sagte er. Er sei kein Feind von Investitionen gegen die Auswirkungen der Pandemie. „Aber Mitte/Ende 2021 werden sie vermutlich nicht mehr gebraucht“, erklärte er. Aber über Verbesserungen im Öffentlichen Nahverkehr oder dem Schülerverkehr sei da sicherlich mehr zu erreichen. Dr. Michael Räckers, CDU-Fraktionsvorsitzender, hielt die Prüfung generell erst einmal für sinnvoll. Allerdings nicht pauschal, sondern zielgerichtet für Räume, in denen Lüften schwierig werde. Auf dieser Basis könne man dann über die Anschaffung diskutieren.

Einstimmiger Beschluss: Verwaltung soll prüfen

Der Rat stimmte schließlich einstimmig dafür, dass die Räume der Schulen – und Kindertagesstätten – noch einmal eingehend auf ihr Lüftungskonzept untersucht werden sollen.

Offen ist auch noch, ob und welcher Zahl überhaupt Geräte verfügbar sind oder aktuell angeschafft werden können. Das werde parallel geprüft, erklärte Werner Leuker im Gespräch mit unserer Redaktion. Klar sei, dass der Markt im Moment völlig überhitzt sei. „Das ist ähnlich wie bei den Masken im Frühjahr“, machte er deutlich. Die Lieferzeit für die Geräte sei im Moment noch völlig offen.

In Stadtlohn geht man einen anderen Weg: Dort hatte der Rat 300.000 Euro für die Anschaffung der Geräte freigegeben. Am Mittwoch folgte eine Meldung aus der Stadt Münster: Dort wurden in 30 Schulen im ganzen Stadtgebiet und in allen Schulformen 300 Geräte aufgestellt. In allen Räumen, die nicht ausreichend gelüftet werden können. Kostenpunkt: Laut Stadt rund 640.000 Euro.

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Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape

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