Den ersten Ehrenamtspreis hatten Bürgermeisterin Karola Voß (l.), Doris Zevenbergen und Ingmar Wenzel (2.v.l.) von der Sparkasse Westmünsterland 2019 an den Vorsitzenden des Vogelzucht- und -schutzvereins Franz-Günther Ziesel überreicht. Das sorgte im Nachgang für Ärger. © Andreas Bäumer
Diskussion im Rat

Ahaus bittet wieder zu Tisch, aber der Ehrenamtspreis sorgt für Ärger

Gastro-Gutscheine statt Ausflüge: Die Ehrenamtswoche folgt 2021 noch einmal den Coronabedingungen. Der Ehrenamtspreis der Sparkasse Westmünsterland sorgte im Rat aber für ziemlichen Ärger.

Die Ehrenamtlichen in der Stadt und den Ortsteilen müssen in diesem Jahr auf die Ausflüge und Fahrten in der Ehrenamtswoche verzichten. Der Rat hat in seiner vergangenen Sitzung einstimmig entschieden, wie schon 2020 stattdessen die Aktion „Ahaus bittet zu Tisch“ anzubieten: So erhalten mehr als 1.600 Ehrenamtliche im September Gutscheine über 15 Euro für die Ahauser Gastronomie.

Diese Variante hatten die Stadt Ahaus und die Freiwilligenagentur „Handfest“ 2020 wegen der Corona-Pandemie ins Leben gerufen. Erst noch skeptisch beäugt, entwickelte sie sich zu einem großen Erfolg für alle Beteiligten.

Keine Arbeit umsonst investieren

Für dieses Jahr hatte Bürgermeisterin Karola Voß in der vergangenen Ratssitzung erst noch vorgeschlagen, die Fahrten zu organisieren. Sollten sie dann im Spätsommer nicht möglich sein, könne man immer noch umschwenken. „Da wird dann viel Arbeit in Projekte investiert, die im Zweifel nicht umgesetzt werden können“, sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende Dr. Michael Räckers. Da sei es besser, direkt auf den Plan B auszuweichen.

An diesem Punkt hatte er den Rat schnell hinter sich. Weitere Infos zur Aktion und ihrem Ablauf hat die Stadtverwaltung für die nächsten Monate angekündigt.

Ein anderer Vorstoß sorgte im Rat allerdings für kritischere Töne. Bürgermeisterin Karola Voß hatte unter demselben Tagesordnungspunkt noch den Ehrenamtspreis der Sparkasse Westmünsterland für 2021 aufgerufen. Die Sparkasse sponsert den Preis mit 1500 Euro. Die Vergabe sollte im Rahmen der Ehrenamtsgala erfolgen.

„Warum müssen wir das zum dritten Mal in einem Jahr besprechen?“, fragte Michael Räckers. Den Preis trage seine Fraktion so nicht mit. Das solle im Ausschuss für Kultur, Tourismus und Ehrenamt diskutiert werden. Dort müsse ein entsprechendes Konzept erarbeitet werden. Auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Andreas Dönnebrink kritisierte den Ablauf: „Wir haben das lang und ausgiebig diskutiert“, sagte er. Der Preis sei in dieser Form nicht gewünscht.

Rat möchte keine „Treppchen-Ehrung“

„Die Meinung vom Rat ist klar“, donnerte auch Ratsherr Reinhard Horst (WLA). Ahaus setze auf die Ehrenamtswoche. Die richte sich als gemeinsame Einladung an alle Ehrenamtlichen. Eine gesonderte Ehrung einzelner Ehrenamtlicher oder Vereine sei nicht vorgesehen. „Wir wollten eine Treppchen-Ehrung vermeiden“, betonte er.

Politiker der UWG schlugen sich auf die Seite der Verwaltung: „Ich verstehe den Hype nicht“, sagte Renate Schulte. Im vergangenen Jahr sei man wohl noch davon ausgegangen, dass die Bürgermeisterin sich im Wahlkampf Vorteile durch die Preisverleihung erhofft habe. Dieses Argument gebe es ja jetzt nicht mehr. Auch Ludwig Niestegge wollte den Preis vergeben. „Wir sind die einzige Gemeinde im Kreis, die sich weigert, das Geld zu vergeben“, sagte er. Das sei niemandem zu erklären. „Wir machen uns auf Kreisebene lächerlich“, sagte er.

Bürgermeisterin nimmt Punkt von der Tagesordnung

Karola Voß nahm diesen Teil der Abstimmung schließlich genervt wieder von der Tagesordnung. Unabhängig davon soll in Kürze der Ehrenamtspreis für 2020 vergeben werden. Die Sparkasse Westmünsterland hatte wegen der Corona-Pandemie das Preisgeld auf 3000 Euro aufgestockt. Laut Vorlage der Verwaltung soll es unter drei Vereinen aufgeteilt werden, die sich um den Heimatpreis beworben haben, dort aber nicht zum Zuge kamen. Einzelheiten teilte die Verwaltung auf Nachfrage noch nicht mit.

Im Gespräch mit unserer Redaktion betonte Michael Räckers, dass es nicht darum gehe, das Geld der Sparkasse nicht zu vergeben. Aber die Beschlusslage sei eben eine andere. „Der Rat hat sich 2011 für die Ehrenamtswoche und gegen Ehrungen entschieden“, sagte er. Es sei nicht gut gewesen, dass der Preis 2019 ohne Ratsbeschluss vergeben wurde. Der Ausschuss für Kultur und Ehrenamt solle darüber beraten. „Wir wollen ein gemeinschaftliches Konzept“, betonte er.

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Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape

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