Afrikanische Schweinepest in Brandenburg trifft auch den Kreis Borken

dzLandwirte alarmiert

In Brandenburg wurde der erste Fall von Afrikanischer Schweinepest in Deutschland nachgewiesen. Die Nachricht von Donnerstagmorgen hat auch die Landwirte im Kreis Borken alarmiert.

Ahaus, Heek, Legden, Stadtlohn, Südlohn, Vreden

, 10.09.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Afrikanische Schweinepest wurde am Donnerstag bei einem verendeten Wildschwein in Brandenburg nachgewiesen. Das liegt zwar rund 600 Kilometer von den Schweineställen im Kreis Borken entfernt, doch auch im Westmünsterland sind die Landwirte alarmiert.

Sie befürchten nun internationale Handelshemmnisse für deutsches Schweinefleisch, wie Ludger Schulze Beiering, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Borken, in einer Pressemitteilung erklärt: „Der ASP-Seuchenfall schwebt seit Jahren wie ein Damoklesschwert über unserer Schweinehaltung.“

Landwirte erwarten entschiedene Umsetzung von Krisenplänen

Allerdings seien in der Zwischenzeit verschiedene gesetzliche Voraussetzungen geschaffen sowie Maßnahmen erprobt worden, um die Herausforderung zu meistern. „Als Interessenvertreter und selber auch als Schweinehalter erwarte ich nun von Politik und Verwaltung die entschiedene Umsetzung der erarbeiteten Krisenpläne, um dadurch die unvermeidlichen wirtschaftlichen Folgen zu begrenzen“, heißt es dazu in der Pressemitteilung.

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Gleichzeitig warnt er vor übereilter Katastrophenstimmung unter den Landwirten: „Wir stehen dazu als Bauernverband im engen Austausch mit Politik, Verwaltung und Handel. Dies gilt auch für uns als Kreisverband im Kontakt vor allem mit dem Landkreis, aber auch mit unseren Mitgliedern vor Ort.“ Die Betriebe hätten sich demnach in den vergangenen Jahren flächendeckend vorbereitet, Hygienemaßnahmen verstärkt und die Jägerschaft bei der Bekämpfung der Wildschweineausbreitung vor Ort unterstützt.

Auch der Kreis habe den potenziellen Fall eines lokalen ASP-Ausbruchs im vergangenen Jahr in einer Übung erprobt und den Kreisverband daran beteiligt. Aktuell gelte im Westmünsterland keine Einschränkung für Tiertransporte. Im Kreis Borken gibt es nach Angaben der Kreisverwaltung aktuell 1.372 schweinehaltende Betriebe, auf denen 1,17 Millionen Schweine gehalten werden.

Afrikanische Schweinepest für Menschen ungefährlich

Für Menschen ist die Afrikanische Schweinepest ungefährlich, für infizierte Schweine liegt die Sterblichkeitsrate jedoch bei nahezu 100 Prozent. Es gibt bisher weder Impfung noch Therapie. Das Virus ist widerstandsfähig und lange ansteckend. Auch der Verzehr von Schweinefleisch und daraus hergestellten Produkten ist für den Menschen unbedenklich.

Appell an Landwirte und Jäger

Eindringlich appelliert Ludger Schulze Beiering vor allem an Jäger und Landwirte: Jeder solle nun für sich prüfen, ob eine Reise in ein Gebiet notwendig ist, in dem die Afrikanische Schweinepest aktuell um sich greift. Vor allem dürften von dort keine Schweinefleischerzeugnisse mitgebracht werden.

Vor Ort hier im Kreis Borken bleibe wichtig, Speiseabfälle über geschlossene Behälter zu entsorgen und nicht achtlos in die Landschaft zu werfen, da sie von Wildschweinen gefressen werden können. Wer ein verendetes Wildschwein findet, soll den Kadaver nicht berühren, sondern das Veterinäramt im Kreis Borken oder die Polizei informieren.

Ausbruch war nur Frage der Zeit

Auch die SPD-Bundestagsabgeordnete Ursula Schulte hatte sich am Donnerstag zum Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest geäußert: „Der Ausbruch in Deutschland war nur eine Frage der Zeit“, erklärt sie. Die deutschen Behörden seien aber nach nach eigenen Angaben auf die Situation vorbereitet. Entscheidend sei jetzt aber abseits der Notfallpläne, dass die Entwicklung eines Impfserums in den vergangenen Jahren vernachlässigt wurde.

Auch stelle sich wieder die Frage, welchen Einfluss die Art der Nutztierhaltung auf die Verbreitung von Tierseuchen hat. „Wir haben Regionen mit sehr hohen Tierbestandsdichten, was dazu führt, dass Übertragungen über kürzere Strecken erfolgen können“, erklärt Ursula Schulte. Außerdem befänden sich beim Ausbruch einer Seuche in einem Bestand zahlreiche weitere Tiere in der dazugehörigen Sperrzone, wodurch viel mehr Tiere in Mitleidenschaft gezogen würden.

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