Ackerrand: Stadt schaut genau hin

Grenzeinhaltung an Wirtschaftswegen

Wenn Landwirte Grenzen überschreiten, greift künftig die Stadt ein. Die Verwaltung geht ab Herbst gegen die widerrechtliche Bewirtschaftung von Wegerandstreifen vor. Sollte dort zum Beispiel Mais gepflanzt worden sein, wird dieser von Mitarbeitern des Bauhofes abgemäht.

AHAUS

, 16.05.2017, 18:11 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ackerrand: Stadt schaut genau hin

Fast schon „Biotop-Charakter“ hat dieser Ahauser Ackerrand. Das ist noch längst nicht bei allen Wegestreifen der Fall. Die Stadtverwaltung wird künftig darauf achten, dass die Seitenstreifen nicht unerlaubt beackert werden.

Betroffen sind in diesem Jahr erstmals fünf Eigentümer von landwirtschaftlichen Flächen, die sich über das gesamte Stadtgebiet verteilen. Die Stadt wird jährlich künftig an den Stellen aktiv, an denen sie Wirtschaftswege saniert. Die Verwaltung setzt damit einen Beschluss um, der im vergangenen Jahr vom Ausschuss für Landwirtschaft und Umwelt gefasst worden ist.

Die Verwaltung hat anhand von Luftbildern überprüft, ob es an Wirtschaftswegen zu "Grenzüberschreitungen" kommt. Schließlich ist geregelt, dass an befestigten und drei Meter breiten Wirtschaftswegen jeweils ein Meter breite Bankettstreifen als öffentliche Verkehrsfläche vorgesehen sind. Nicht selten werden solche Flächen aber umgepflügt.

"Freundliches" Schreiben

Wo dies der Fall war, seien die Eigentümer "freundlich" von der Stadt angeschrieben worden. Das erklärte Richard Bömer vom Tiefbauamt in der jüngsten Sitzung des Ausschusses. In besagten Fällen seien auf den Luftbildern schon "deutliche Überschreitungen" zu sehen gewesen.

Die Stadt habe in dem Schreiben speziell die Bedeutung der Bankettstreifen angesprochen. Bömer: "Sie verbessern die Stabilität der Straße." Die Randstreifen fangen den seitlichen Druck ab, über sie wird Regenwasser abgeleitet und sie dienen zum Ausweichen und Überholen. Angedacht sei zudem, die Wegestreifen als "Grünstreifen mit Biotop-Charakter" zu entwickeln. Richard Bömer: "Das macht natürlich keinen Sinn, wenn ein solcher Streifen nur wenige Zentimeter breit ist."

Mais wird vom Bauhof abgemäht

Sollten Randstreifen beackert werden, schreiten demnächst Mitarbeiter des Bauhofes ein. Unerlaubt gepflanzter Mais zum Beispiel wird abgemäht. Die Stadt sei rechtlich zum Handeln verpflichtet, hieß es dazu im vergangenen Jahr. Ihr gehören die Randstreifen und sie muss ihre Vermögensgegenstände pfleglich und wirtschaftlich verwalten. "Wir wollen nicht gleich Grenzpflöcke setzen, wie es andere Kommunen tun", erklärte Richard Bömer. "Wir denken, unser Schreiben und unsere geplante Vorgehensweise werden sich herumsprechen." Betroffen seien aber längst nicht alle Ahauser Landwirte oder Flächeneigentümer. "Wir haben auch viele Bereiche, wo es keine Überschreitung gibt." Über das geplante Vorgehen informierte die Verwaltung bislang nur die Lokalpolitiker und Sachkundigen Bürger. Die Landwirtschaftlichen Ortsverbände wurden nicht gesondert angeschrieben.

So erfuhr Bernhard Rickert als Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsvereins (LOV) Ahaus erst am Dienstag durch den Anruf unserer Redaktion von den Absichten der Verwaltung. "Das ist für uns eine ganz neue Info", erklärte er für den gut 500 Mitglieder zählenden Ortsverband. Seine erste Reaktion auf das geplante "Mais-Mähen": "Ich gehe nicht davon aus, dass die Stadt das so umsetzt."

Verkehrssicherungspflicht

Gleichwohl sei das Anschreiben ein guter Weg. "Bankette zerstören, das geht nicht." Es sei nicht nachzuvollziehen, dass jemand näher als einen Meter an einem Wirtschaftsweg arbeite. Bernhard Rickert (Foto): "Jeder Landwirt weiß, dass man an den Wirtschaftswegen Abstand hält und Mais nicht bis an die Straße pflanzt." Das sei schon mit Blick auf die Verkehrssicherungspflicht zu beachten. Ganz allgemein stellt Rickert fest: "Es ist immer problematisch, Flächen zu bearbeiten, die einem nicht gehören."

Probleme mit der Wegestreifenbewirtschaftung gibt es nicht nur in Ahaus, sondern bundesweit. Mal lassen Städte Pflöcke setzen, mal werden bei wiederholten Zuwiderhandlungen von der Stadt Pachtverträge gekündigt. Einen anderen Weg geht die Stadt Heilbronn. Dort gibt es im Ackerrandstreifen-Programm Geld für die Landwirte, die die Flächen pflegen.

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