Johannes Klümpers und Gerrit Langweg suchen das Abenteuer. Der 24-jährige Ottensteiner und der 23-jährige Stadtlohner gehen auf den ultimativen Road-Trip ihres Lebens, über 7500 Kilometer.

Ahaus

, 13.06.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Zehn Länder, 16 Tage, 7500 Kilometer, in einem Auto älter als 20 Jahre, kein Navi, keine Autobahn. Das sind die Zutaten der nördlichsten Rallye des Erdballs: „The Baltic Sea Circle“. Mit dabei sind Johannes Klümpers (24) aus Ottenstein und Gerrit Langweg (23) aus Stadtlohn.

Start und Ziel ist auf dem Fischmarkt in Hamburg. Dort geht es am Samstag, 15. Juni, los. Die Rallye, an der 280 Teams teilnehmen, führt bis zum 30. Juni durch Skandinavien, Russland, die Baltischen Staaten und Polen zurück nach Deutschland. Wissen die beiden Freunde, worauf sie sich da eingelassen haben?

„Wir sind vor drei Jahren schon mal auf eigene Faust mit dem Auto zum Nordkap gefahren“, sagt Johannes, mit dem wir am Dienstag gleich per du sind. Sechs Tage hin, acht Tage zurück. „Mit einem Schlenker über Oslo.“

7500 Kilometer rund um die Ostsee: Zwei Rallyefreunde suchen das ultimative Abenteuer

Als Kühlerfigur dient ein alter Kleiderhaken. © Christian Bödding

Den Anstoß gab damals der Gedanke, einen Urlaub mit ein wenig Abenteuer zu erleben. „Wir wollten nix Pauschales.“ Die Freunde überlegten und kamen zu dem Ergebnis: „Eigentlich brauchen wir nur ein Ziel.“ Johannes sah eine Dokumentation über Norwegen und das Nordkap, „und das war‘s“. Beide kauften einen alten Opel Kombi und bauten ihn um. „Wir waren 2016 gerade erst mit der Ausbildung fertig, da saß finanziell noch nicht so viel drin, als dass wir jede Nacht im Hotel hätten schlafen können.“

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Zwei Rallyefreunde und das ultimative Abenteuer

Aber jeden Abend ein Zelt aufbauen, dazu hatten die beiden Abenteurer auch keine Lust. Also musste die Kombi-Rückbank Platz für ein Bett machen. Diverse Male blieben sie mit dem Wagen liegen, doch die Natur und der Verzicht auf Autobahnetappen entschädigte für vieles. Auch die Blicke der Fahrer der großen Wohnmobile auf ihr 600 Euro-Auto am Nordkap werden die beiden nicht vergessen.

7500 Kilometer rund um die Ostsee: Zwei Rallyefreunde suchen das ultimative Abenteuer

Ein recht eigenwilliger Schaltknauf. © Christian Bödding

Johannes und Gerrit wollten jetzt unbedingt wieder nach Skandinavien – mit noch ein bisschen mehr Abenteuer. Im Internet stieß Johannes auf die neunte Auflage der Rallye „Baltic Sea Circle“. Dabei handelt es sich um eine Veranstaltung, bei der auch noch für den guten Zweck gespendet wird, was den beiden Teilnehmern sehr gut gefiel. Teams können nur dann teilnehmen, wenn sie mit mindestens 750 Euro ein Charity-Projekt fördern. Johannes und Gerrit spenden das Geld dem Benediktushof Maria Veen in Reken, der sich um Menschen mit Körper- und Mehrfach-Behinderungen kümmert.

„Team Korrosionsbomber“

Als „Team Korrosionsbomber“ gehen der Ottensteiner und der Stadtlohner am Samstag an den Start. Ihren Teamnamen verdanken sie ihrem alten Opel – der allerdings vor Pfingsten das Zeitliche segnete. Gerade sollte er noch neue Reifen bekommen, da flog den beiden auf dem Weg zur Werkstatt der Motor um die Ohren. „Wir haben uns auf den letzten Drücker am Pfingstwochenende aus Gelsenkirchen einen 22 Jahre alten Volvo V 70 besorgt“, berichtet Johannes. Laufleistung: 320.000 Kilometer, TÜV bis Oktober 2020. „Das war das Winterauto eines Motorradfahrers. Der wollte erst 900 Euro von uns haben. Nachdem wir erzählt haben, was wir mit dem Auto vorhaben, hat er ihn uns für 500 Euro verkauft.“

7500 Kilometer rund um die Ostsee: Zwei Rallyefreunde suchen das ultimative Abenteuer

Der Aufkleber auf dem Wagen zeigt, wohin die Reise geht. © Christian Bödding

Das war schon die erste Herausforderung, bevor die Tour überhaupt losgeht. Weitere werden auf der Strecke auf die beiden Westmünsterländer warten. „Die größte Herausforderung ist für uns sicher das Überkommen. Zeit und Platz sind egal.“ Übernachtet wird auf dem Volvo, in einem geliehenen Dachzelt. Zwischendurch gilt es, verschiedene Checkpoints zu erreichen, die nach Karte über Landstraße angefahren werden. „Sicher haben wir unsere Handys dabei, alleine für den Notfall. Aber wir sind so streng wie möglich mit uns selbst“, sagt Johannes zu den Rallye-Vorgaben. Allenfalls zum Musik hören und für Fotos wollen sie ihre Smartphones nutzen.

Jeden Tag stundenlang im Auto unterwegs

Im Schnitt muss das Team Korrosionsbomber 600 Kilometer am Tag schaffen. Johannes: „Da sitzen wir ganz sicher jeden Tag sieben bis acht Stunden im Auto.“ Vielleicht auch mehr. „In Norwegen ist auf Landstraßen Tempo 60. Blitzen ist teuer, das haben wir beim letzten Mal erfahren.“ Für sieben km/h mehr legten die beiden 184 Euro auf den Tisch.

Nicht minder herausfordernd bewertet das Team den Rallye-Trip durch Russland. Sie mussten vor acht Wochen ein Visum beantragen, das nur für die Zeit der Rallye gilt. „Wenn uns in Russland irgendwas passieren sollte und wir länger bleiben müssen, dann haben wir ein ganz schönes Problem“, sagt Johannes.

Doch mit solchen Problemen könnten auch die anderen Teams zu kämpfen haben.

7500 Kilometer rund um die Ostsee: Zwei Rallyefreunde suchen das ultimative Abenteuer

Übernachtet wird auf dem Volvo, im Dachzelt. © Christian Bödding

Auf der Internet-Seite des Veranstalters (SAC - Superlative Adventure Club) ist die Liste einsehbar. Im Starterfeld tummeln sich Teams wie die „Dortmunder Jungs“ mit einem Passat, Baujahr ´86 oder die „Vandalierer“ mit einem VW T3, Baujahr ´87. Die Mehrzahl der Teilnehmer kommt aus Deutschland, es fahren aber auch Teams aus Österreich, Holland und England mit. Ob sie alle wissen, auf was sie sich da einlassen? Nicht unbedingt. Johannes selbst sagt: „Ich kenne nur wenige Leute, die schon mal mit dem Auto durch Finnland gefahren sind.“

Dosen als „Schmiermittel“

Zwei Wochen lang werden Johannes Klümpers und Gerrit Langweg zusammen auf engstem Raum verbringen, werden endlose Kilometer abspulen, geleitet lediglich von ihren Sinnen und Hilfsmitteln wie Karte und Kompass. 7500 Kilometer auf asphaltierten Straßen, durch dichte Nadelwälder, über Schotterpisten und durch russische Schlaglöcher. Im Gepäck: Keilriemen, eine Werkzeugkiste, ein paar Liter Öl, Dosen und Dosenbier. Letzteres sei ein gutes „Schmiermittel“, um auf dem ein oder anderen Campingplatz warm duschen zu dürfen.

Dosenöffner im Gepäck

Garantiert dabei haben Johannes und Gerrit diesmal auch einen Dosenöffner. „Den haben wir damals bei unserer Nordkap-Tour vergessen. Wir hatten ziemlich viele Konserven dabei, aber wir mussten in Skandinavien lange nach einem Laden suchen, der einen Dosenöffner verkauft.“ Jede Dose mit Hammer und Schraubenzieher zu öffnen, dieses Abenteuer will sich das Duo diesmal sparen.

Wer die Rallye-Erfahrungen des Teams Korrosionsbomber verfolgen will: Johannes Klümpers und Gerrit Langweg wollen jeden Tag auf ihrem Instagram-Profil über ihre Baltic-Sea-Circle-Erlebnisse berichten. Wer mehr über die Rallye Baltic Sea Circle erfahren möchte: Auf der Internetseite des Superlative Adventure Club gibt es Infos zu den Teams, den Startbedingungen und Fakten rund um die Rallye.
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