Unter anderem wegen des Handels mit Extasy muss ein Ahauser ins Gefängnis. (Symbolfoto) © picture alliance/dpa
Amtsgericht Ahaus

31-jähriger Ahauser wandert wegen Drogenhandels ins Gefängnis

Ein mehrfach vorbestrafter Ahauser stand erneut vor dem Amtsgericht Ahaus. Dieses Mal wegen illegalen Drogenbesitzes. Die Hoffnung auf eine erneute Bewährungsstrafe erfüllte sich nicht

Ein zweifacher Vater aus Ahaus musste sich am Dienstagvormittag wegen des Handels mit illegalen Substanzen vor dem Amtsgericht Ahaus verantworten. Er soll zwischen Herbst 2018 und Frühjahr 2019 unter anderem Marihuana, Amphetamin und Extasy verkauft haben. So richtig bewusst schien dem 31-Jährigen der Ernst der Lage aber nicht gewesen zu sein. Zwar wippte sein linker Fuß während der gesamten Verhandlung nervös auf der Stelle, doch statt den Ausführungen von Richter, Staatsanwältin und Zeugen zu folgen, tippte er die meiste Zeit auf seinem Smartphone herum.

Dabei ging es für den Ahauser um eine ganze Menge. Das stellte der Vorsitzende des Schöffengerichts gleich am Anfang klar: „Sollte es zu einer Verurteilung kommen, kann ich Ihnen nicht garantieren, dass die Strafe zur Bewährung ausgesetzt wird.“ Denn der 31-Jährige ist kein unbeschriebenes Blatt.

Ahauser bereits mehrfach vorbestraft

Seit 2003 gerät er immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt. Zehn Mal stand er seither vor Gericht, unter anderem wegen Körperverletzung, Betäubungsmitteln und illegalem Waffenbesitz. Mehrfach wurde er auch bereits zu Haftstrafen verurteilt. Zuletzt ließ das Amtsgericht Ahaus im Januar 2020 bei einem Prozess wegen Drogenbesitzes noch einmal Milde walten und beließ es trotz laufender Bewährung bei einer Geldstrafe (wir berichteten).

Umso größeres Unverständnis zeigte der Richter nun dafür, dass sich der 31-Jährige trotz erdrückender Beweislast nicht zu dem Sachverhalt äußern wollte. Der Richter bohrte nach: „Sie wissen, dass jetzt der Zeitpunkt für ein Geständnis wäre? Es kann sich für Sie strafmildernd auswirken.“ Doch der Ahauser beließ es bei seiner Haltung und verschränkte demonstrativ die Arme vor der Brust.

Anklage: Handel mit Betäubungsmitteln in 50 Fällen

Konkret warf die Staatsanwaltschaft ihm den Handel mit Betäubungsmittel in 50 Fällen vor. Grundlage für die Anklageschrift war eine Wohnungsdurchsuchung im April 2019. Hier fanden die Polizisten nicht nur zwei Feinwaagen, zahlreiche Klemmverschlusstütchen – manche leer, manche mit illegalen Substanzen gefüllt, manche mit eindeutigen Spuren –, sondern auch zwei Mobiltelefone. Auf den Geräten fanden sich zahlreiche Chats, die alle in dieselbe Richtung führten.

Über den Messengerdienst „WhatsApp“ vereinbarte der Ahauser mit verschiedenen Personen regelmäßig Treffen. Bestellt wurden bei ihm zum Beispiel „Smarties“, „Schnelles“ oder „Kaffee“. Was die Ermittler schon wussten, wurde durch zahlreiche Zeugen bestätigt: Diese Begriffe sind Codewörter für Drogen. Zwar versuchte der Anwalt des 31-Jährigen noch mit allen Mitteln, Zweifel an den belastenden Aussagen zu schüren. Doch je länger der Prozess dauerte, desto enger zog sich die Schlinge.

Staatsanwaltschaft und Verteidigung unterschiedlicher Meinung

In seinem Schlussplädoyer hielt sich der Verteidiger dann auch mit Forderungen zurück und hoffte lediglich, dass die Strafe erneut zur Bewährung ausgesetzt wird. Die Staatsanwaltschaft sah das anders und regte bei dem Richter und den zwei Schöffen eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten ohne Bewährung an. Nach kurzer Beratung verkündete der Vorsitzende das Urteil – und überraschte damit die Anwesenden.

Denn Richter und Schöffen strichen nicht nur die vom Verteidiger erhoffte Bewährung, sondern packten auf die Forderung der Staatsanwältin noch zwei weitere Monate drauf. Der Ahauser, der aktuell in einer Notunterkunft untergebracht ist, muss also demnächst für ein Jahr und acht Monate ins Gefängnis. Allerdings besteht für ihn noch die Option, Berufung einzulegen. Dann müsste sich das Landgericht Münster mit dem Fall beschäftigen.

Über den Autor
1991 in Ahaus geboren, in Münster studiert, seit April 2016 bei Lensing Media. Mag es, Menschen in den Fokus zu rücken, die sonst im Verborgenen agieren.
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Johannes Schmittmann

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