31-Jährige aus Ahaus gibt Unterhalt für ihre drei Kinder selber aus und fälscht Belege

dzAmtsgericht

Betrug, Urkundenfälschung, Verletzung der Unterhaltspflicht: Eine 31-Jährige aus Ahaus musste sich vor Gericht für ihre Taten zu Lasten ihres Ex-Manns und ihrer drei Kinder verantworten.

Ahaus

, 30.10.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der 31-jährigen Ahauserin zog es im Oktober 2018 nach eigener Aussage den Boden unter den Füßen weg. Zehn Jahre hatte sie bis dahin in einem gemeinsamen Haushalt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern gelebt. Dann musste sie die Wohnung in Ahaus „Knall auf Fall“ verlassen, erklärte die Frau am Dienstag im Amtsgericht in Ahaus.

Die Gründe nannte der Richter in der Verhandlung. Der 31-Jährigen war damals das Sorgerecht für ihre Kinder im Alter von zehn, sieben und einem Jahr entzogen worden. „Das geschah, um eine Gefährdung der Kinder durch die Mutter zu vermeiden“, sagte der Richter. Die Frau habe den Haushalt in Ahaus sofort verlassen müssen.

Die 31-Jährige zog daraufhin nach Felsberg in Hessen. Dort bezog sie für ihre Kinder für die Zeit von Oktober 2018 bis Februar 2019 weiter Unterhalt, Elterngeld und Kindergeld. Die Beträge – mehrere hundert Euro – hätte sie allerdings an ihren Ex-Mann weiterleiten müssen, der sich in Ahaus um die Betreuung der drei Kinder kümmerte.

Gefälschte Belege vorgelegt

Die Frau hingegen reichte beim Jobcenter in Felsberg gefälschte Belege ein. Dem Gericht lag ein Schreiben der Angeklagten an das Jobcenter vor. Der Inhalt: Die Kinder würden in Ahaus leben. Sie sei verpflichtet, ihrem Ex-Mann Unterhalt abzutreten. Sie sehe ihre Kinder nur alle vier Wochen auf dem Jugendamt.

Ihrem Ex-Mann würde sie bei diesen Terminen das Geld in bar geben.

Die Angeklagte hatte dem Schreiben an das Jobcenter Quittungen über Barauszahlungen über Elterngeld, Unterhaltsvorschuss und Kindergeld beigefügt. Allesamt von der 31-Jährigen gefälscht.

„Es stimmte alles nicht“, zeigte sich die Frau geständig. Sie habe die Beträge für sich verbraucht und ihrem Ex nichts gezahlt. Als das Jobcenter von dem Betrug erfuhr, hob es den Arbeitslosengeldbescheid für die 31-Jährige auf und forderte 905,20 Euro zurück. Ob sie das Geld zurückbezahlt habe, fragte der Richter. Die Angeklagte: „Nein, ich könnte das auch gar nicht.“

Ein neues Leben in Hessen

Zum Zeitpunkt der Taten sei es ihr sehr schlecht gegangen, erklärte die Frau. „Ich hatte gerade das Sorgerecht für meine drei Kinder verloren.“ Sie habe ein neues Leben in Hessen beginnen wollen.

Die Gelder seien wie all die Jahre zuvor monatlich auf ihr Konto eingegangen. Die Umstellung sei schwierig gewesen. „Das ging alles irgendwie zu schnell.“ Dass sie das Jobcenter belogen habe, räumte die Frau ohne Umschweife ein. „Mir war schon klar, dass das der falsche Weg ist.“

Auf dem falschen Weg war die 31-Jährige auch vor mehr als sieben Jahren. Der Richter trug aus dem Strafregister der Ahauserin vor. Darin aufgeführt: diverse Verurteilungen wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz und eine Verurteilung wegen Betrugs.

Laut des Berichts des Bewährungshelfers wohnt die Frau aktuell mit ihrem Lebensgefährten in Felsberg und führt Gespräche mit der Drogenberatung.

Keine Ahnung über die Höhe der Schulden

Der Richter fragte die 31-Jährige, ob sie Schulden habe. Das bejahte die Angeklagte, von der Höhe ihrer Schulden habe sie aber „keine Ahnung“, antwortete die Frau. Ab November werde sie eine befristete Halbtagsbeschäftigung aufnehmen und dann über Einkommen verfügen.

Die Staatsanwältin forderte in ihrem Plädoyer für die Frau eine Freiheitsstrafe von vier Monaten, ausgesetzt zur Bewährung. Der Richter ging in seinem Urteil noch über das von der Staatsanwältin geforderte Strafmaß hinaus. Unter Tränen nahm die 31-Jährige den Urteilsspruch entgegen: sechs Monate Freiheitsstrafe, für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt.

Sie habe sich der Verletzung der Unterhaltspflicht in Tateinheit mit Betrug und Urkundenfälschung schuldig gemacht, hielt der Richter der Frau vor. „Das Geld ging munter auf Ihr Konto ein, aber Sie haben es für sich verbraucht.“

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