30 Bäume an der Boschstraße könnten fallen: Grüne wollen „Oase im Gewerbegebiet“ schützen

dzNaturschutz in Ahaus

Die Grünen möchten ein Wäldchen an der Boschstraße vor dem Abholzen schützen. Problem: Die Fläche ist einem Unternehmen zugesichert, der Bebauungsplan sieht den Erhalt der Bäume nicht vor.

Ahaus

, 13.09.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Naturschutz, die Interessen von Unternehmen und längst geltende Bebauungspläne unter einen Hut zu bringen, das ist nicht immer ganz einfach. Diese Erfahrung machte am Dienstag der Rat der Stadt in seiner Sitzung.

Anlass war ein Antrag der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen. Sie möchten ein mindestens 30 Bäume umfassendes Wäldchen im Gewerbegebiet Ost an der Boschstraße erhalten. So weit, so gut. Allerdings steht das Wäldchen auf einem Grundstück, welches einem Unternehmen zugesichert wurde.

Versäumnisse der Stadt

Die Grünen gingen in ihrem Antrag erst einmal auf die langjährigen Versäumnisse der Stadt ein. In verschiedenen Ahauser Gewerbegebieten wurden über viele Jahre Ausgleichsmaßnahmen nicht umgesetzt. Es geht um hunderte Meter nicht gepflanzter Hecken, fehlende Bäume und Grünstreifen.

Die Grünen sprachen von einer Größenordnung von insgesamt 20.000 Quadratmetern – Bürgermeisterin Karola Voß nannte die Zahl von 14.200 Quadratmetern, davon seien 6700 Quadratmeter städtische Fläche. Bei den restlichen 7500 Quadratmetern sei man in Gesprächen mit den Eigentümern, erklärte Voß.

Jetzt lesen

Den Grünen geht es laut Antrag um ein „kleines Wäldchen, eine Oase inmitten unseres Gewerbegebietes“. Der Bereich sei Heimat und Brutstätte von immerhin 45 Brutvogelarten im gesamten Gewerbegebiet Ost, davon elf sogenannte planungsrelevante Arten. Das können zum Beispiel ein Steinkauz, eine Schnatterente oder ein Ziegenmelker sein. Weitere fünf relevante Arten würden den Raum als Durchzügler oder Nahrungsgäste suchen.

Schutz der Fledermäuse

„Acht unterschiedliche Arten von Fledermäusen siedeln in diesem Gebiet und es gilt, deren Lebensraum zu schützen“, sagen die Grünen. „Es geht um einen Nist- und Ruheraum für die Vogel- und Tierwelt“, erklärte Dietmar Eisele (Grüne).

Nicht zuletzt ermögliche das Wäldchen auch den im Gewerbegebiet Beschäftigten, in ihren Pausenzeiten Erholung zu finden, sagte der Grünen-Ratsherr. Sein Credo: „Wir können heute beschließen, das Wäldchen zu erhalten und das Grundstück anders zuzuschneiden.“

Dietmar Eisele berichtete, dass schon ein Teil der Fläche abgeholzt worden sei. „Der Ausgleich dafür wurde in Borkenwirthe geschaffen. Die Ahauser haben davon gar nichts.“

Jetzt lesen

Beigeordneter Georg Beckmann ging auf den bestehenden Bebauungsplan ein, der vorsehe, dass das Wäldchen entfernt werde. „Mit Kompensation an anderer Stelle.“ Georg Beckmann: „Ich bedauere, dass diese Diskussion jetzt geführt wird und nicht schon im Rahmen des Aufstellungsverfahrens für den Bebauungsplan.“

Die Fläche sei einem Unternehmen zugesagt in der Form, wie es der Bebauungsplan vorsehe – ohne Bäume.

Verlässlichkeit der Stadt

Bürgermeisterin Karola Voß sicherte zu, bei künftigen Verfahren stärker auf die Aspekte von Natur- und Umweltschutz zu achten. Aber: „An dieser Stelle tue ich mich schwer.“

Reinhard Horst (FDP) und Thomas Vortkamp (CDU) sprachen die Verlässlichkeit der Stadt an: der Rat habe beschlossen und dem Unternehmen eine Zusage gemacht. Horst: „Wir sollten das nicht infrage stellen.“ Vortkamp: „Natürlich ist Umweltschutz in aller Munde. Aber jetzt eine Fläche herauszupicken, das wäre falsch.“

Gespräch mit Unternehmen

Angesichts der drohenden Abstimmungsniederlage formulierte Dietmar Eisele den Grünen-Antrag um: die Verwaltung werde beauftragt, mit dem Eigentümer über den Erhalt des Wäldchens zu reden. „Es kann aber nicht sein, dem Unternehmer den Schwarzen Peter zuzuschieben, wenn die Antwort Nein ist“, sagte Karola Voß dazu. Die Grünen zogen schlussendlich ihren Antrag zurück. Die Verwaltung sicherte zu, mit dem Unternehmen zu sprechen.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt