Einen gut 25 Zentimeter langen Zopf hat der 13-jährige Alessandro Frankemölle am Mittwoch gespendet. Aus den Haaren soll eine Perücke für krebskranke Kinder gefertigt werden. © Stephan Rape
Haarspende

13-Jähriger spendet 25 Zentimeter langen Zopf für krebskranke Kinder

Haarspenden für Krebspatienten gibt es häufig. Dass sich aber ein zehnjähriger Junge seine Haare extra dafür drei Jahre wachsen lässt, ist etwas Besonderes. Und genau das hat Alessandro gemacht.

Drei Jahre war Alessandro Frankemölle nicht beim Friseur. Nicht aus Angst vor der Schere oder weil er so gerne lange Haare tragen wollte. Nein, er wollte Haare für krebskranke Kinder spenden. Doch dafür mussten sie erst einmal wachsen.

Kurz vor dem entscheidenden Schnitt saß Alessandro dann doch etwas unruhig auf dem Stuhl im Salon der Friseure Honekamp. Kein Wunder: Einen Friseur hatte er schließlich drei Jahre lang nicht mehr an seine Haare gelassen.
Kurz vor dem entscheidenden Schnitt saß Alessandro dann doch etwas unruhig auf dem Stuhl im Salon der Friseure Honekamp. Kein Wunder: Einen Friseur hatte er schließlich drei Jahre lang nicht mehr an seine Haare gelassen. © Stephan Rape © Stephan Rape

Im Fernsehen hatte er damals ein Mädchen gesehen, das lange Haare spendete. Daraus werden Perücken für krebskranke Kinder gefertigt, die nach einer Chemotherapie ihre Haare verloren haben. „Und das wollte ich auch machen“, erklärt der 13-Jährige, als er beim Friseur Honekamp Platz nimmt. Dumm nur: Damals reichen seine Haare gerade einmal bis über die Ohren. Viel zu kurz für eine Perücke.

Alessandro lässt die Haare wachsen. Auf ungefähr 25 Zentimeter ist die goldblonde Mähne bis zum vergangenen Mittwoch gewachsen. Die dicken Haare fallen ihm weit über die Schultern.

Lange Haare führten wegen der Maske zu Verwechslungen

Gerade in Coronazeiten nicht ganz unproblematisch: Weil er ja eine Maske tragen muss, wird er wegen der langen Haare oft für ein Mädchen gehalten. „Auf der Schultoilette haben sie mir ein paar Mal gesagt, dass ich mich wohl in der Tür geirrt habe und dass das Mädchenklo nebenan ist“, sagt er grinsend.

Es hat ihn nicht gestört. Auch manche Hänseleien auf dem Schulhof sind an ihm abgetropft. „Da stand ich drüber. Ich wusste ja, warum ich das mache“, sagt er. Sein Vater Konrad Frankemölle steht im Hintergrund und nickt. „Wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hat, zieht er das auch durch“, sagt er. Da sei sein Sohn total straight. Nicht einmal in den drei Jahren seien ihm Zweifel gekommen.

Wie soll die neue Frisur aussehen? Zusammen mit Friseurin Sandra Barbi suchte sich Alessandro seinen neuen Style aus.
Wie soll die neue Frisur aussehen? Zusammen mit Friseurin Sandra Barbi suchte sich Alessandro seinen neuen Style aus. © Stephan Rape © Stephan Rape

Mit Friseurin Sandra Barbi muss sich Alessandro am Mittwoch erstmal für eine neue Frisur entscheiden. Das fällt erst einmal gar nicht so leicht. Beim Blick auf die vielen Bilder auf einem Tablet ist er hin- und hergerissen. „Nicht so kurz, ich will mir die Haare nachher hochgelen“, sagt er.

Einen kurzen Moment wirkt er dann doch etwas unsicher, als Sandra Barbi die Schere ansetzt. Knapp über dem Haargummi schneidet sie sich Strähne für Strähne durch den dicken Zopf. „Boah hast du dicke Haare“, staunt sie. Daraus könne man bestimmt eine tolle Perücke machen.

Zufriedener Spender freut sich über den langen Zopf

Alessandro Frankemölle nickt zufrieden. So hatte er sich das vorgestellt. Sein Vater streicht sich über die Glatze und prustet los: „Also von mir hat er die nicht.“

Im Fernsehen hatte er gesehen, wie ein Mädchen Haare für krebskranke Kinder spendete.
Im Fernsehen hatte er gesehen, wie ein Mädchen Haare für krebskranke Kinder spendete. “Und das wollte ich auch machen”, sagt der 13-Jährige. Weil er da aber noch kurze Haare hatte, mussten die erst drei Jahre lang wachsen. © Stephan Rape © Stephan Rape

Schließlich liegt der lange Zopf auf der Ablage vor dem Friseurstuhl. Der Rest sind schnelle Schnitte mit dem Friseurmesser. Aus den langen Haaren wird in wenigen Minuten ein cooler Jungenhaarschnitt. Alessandro steht vor dem Spiegel, zupft hier und da, drückt an einer Strähne herum – an die kurzen Haare muss er sich noch gewöhnen. „Das zieht plötzlich ganz schön im Nacken“, sagt er lachend.

Der Zopf wird vom Friseursalon Honekamp zu L‘Oreal Professionnel Paris geschickt. Dort gibt es die Aktion „It‘s for kids“. Die ist darauf spezialisiert, Perücken für krebskranke Kinder herzustellen.

Der neue Haarschnitt gefällt ihm gut. Und jetzt gibt es auch in der Schule und mit Mundschutz keine Verwechslungen mehr.
Der neue Haarschnitt gefällt ihm gut. Und jetzt gibt es auch in der Schule und mit Mundschutz keine Verwechslungen mehr. © Stephan Rape © Stephan Rape

Das ist aber nicht die einzige Spende, die Alessandro Frankemölle für krebskranke Kinder gestartet hat. In der Familie und bei Nachbarn hat er Geld für die Aktion „Kinderklinik-Konzerte“ gesammelt. 500 Euro sind schon zusammengekommen. Auch an der Irena-Sendler-Gesamtschule, dort besucht er die sechste Klasse, soll noch gesammelt werden.

Und sogar von der Idee mit den Haaren hat sich jemand anstecken lassen: „Einer meiner Lehrer lässt sich jetzt auch die Haare wachsen“, freut sich Alessandro Frankemölle. Bis dessen Haare für eine Perücke ausreichen, dauert es aber wohl noch etwas. „Die reichen ihm erst bis zur Schulter“, sagt der 13-Jährige.

Er selbst bleibt jetzt aber erst einmal bei der Kurzhaarfrisur.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape
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