Generationenhof: Stadtplaner nennt falsche Zahlen zu Anzahl der Wohnungen

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Der sogenannte „Generationenhof“ an der Schorlemer Straße polarisiert. Den Kritikern des Projekts stieß eine Aussage von Stadtplaner Walter Fleige sauer auf. Der entschuldigt sich jetzt.

Ahaus

, 09.11.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kein anderes aktuelles Bauprojekt in Ahaus polarisiert aktuell wohl so sehr wie der geplante „Generationenhof“ an der Schorlemer Straße. Von einem potenziellen „Vorzeige-Objekt“ (Bürgermeisterin Karola Voß) sprechen die einen, von einem „Riesen-Koloss“ – so sieht es ein Anwohner – die anderen.

Wie viel Zündstoff in der Thematik steckt, verdeutlichte am besten die einberufene Bürgerversammlung im Januar dieses Jahres, bei der Stadtplaner Walter Fleige den damaligen Stand der Planungen im Rathaus öffentlich vorstellte. Dort kritisierten einige Anwohner unter anderem die geplante Gebäudehöhe, die Parkplatzsituation und die Anzahl der Wohnungen scharf.

Walter Fleige: „Wir haben immer über 24 Wohnungen gesprochen.“

Neuen Zündstoff lieferte in der vergangenen Woche die Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung. Erneut war es Walter Fleige, der das Wort übernahm. Er informierte die Ausschussmitglieder unter anderem darüber, dass Investor Dr. Ralf Gerl nun doch eine Tiefgarage plane. Deutlich mehr Sprengkraft besaß allerdings die Ankündigung, dass insgesamt 24 Wohnungen entstehen sollen.

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Hermann Josef Herickhoffs (SPD) Hinweis, dass in der Vergangenheit von weniger Wohnungen geredet wurde, wischte Fleige beiseite: „Wir haben immer nur über 24 Wohneinheiten gesprochen. Nicht über 20, nicht über 22.“

Hermann Josef Herickhoffs Einwand wird jedoch durch das Protokoll der Ausschusssitzung vom 22. Mai gestützt. Hier heißt es: „Hinsichtlich der geplanten Wohneinheiten wird erwähnt, dass 21 Wohneinheiten plus eine Gästewohnung geplant sind.“

Stadtplaner entschuldigt sich auf Nachfrage

Auf Nachfrage der Münsterland Zeitung heißt es am Montagmorgen zunächst von der Pressestelle der Stadt: „Herr Fleige bittet um Verständnis, dass er sich zunächst mit dem Architekturbüro in Verbindung setzen möchte, um die Details zu besprechen.“ Am Donnerstagnachmittag folgt dann eine E-Mail mit einer offiziellen Stellungnahme von Walter Fleige.

Darin heißt es: „Im Ausschuss für Stadtentwicklung am 30. Oktober habe ich auf Nachfrage aus den Reihen der Ausschussmitglieder gesagt, dass wir im Rahmen der Planungen immer nur über 24 Wohneinheiten gesprochen haben, nicht über weniger. Das war leider falsch und das tut mir leid.“

Begründung: „Zwischenüberlegung“ wurde vergessen

Als Begründung der „nicht korrekten Antwort“ führt er an, dass schon bei der ersten Vorstellung des Bauvorhabens am 29. Oktober 2018 über 24 Wohnungen gesprochen wurde. Das bestätigt die Sitzungsvorlage V/2015/0341/5. Hier wird die Anzahl der Wohnungen wie folgt angegeben: „21 Wohnungen in den beiden Hauptwohngebäuden, zwei Wohnungen im Servicehaus, eine Wohnung im Bestandsgebäude.“

Die – wie Fleige es in der Stellungnahme nennt – „Zwischenüberlegung“, die Anzahl größerer Wohnungen zu erhöhen, was bei gleichbleibender Bruttogeschossfläche zu weniger Wohnungen geführt hätte, hatte der Stadtplaner in der vergangenen Woche „leider gerade nicht präsent“.

Den Grund für den erneuten Sinneswandel lieferte Walter Fleige ebenfalls: „Unter Berücksichtigung der Nachfrage auf dem Wohnungsmarkt ist zwischenzeitlich aber die Anzahl der Wohnungen entsprechend dem ursprünglichen Konzept wieder auf 24 erhöht worden.“

Tiefgarage auch bei 22 Wohnungen

Einen Zusammenhang zwischen der Erhöhung der Wohnungen und der geplanten Tiefgarage dementiert der Stadtplaner allerdings: „Unter Berücksichtigung eines Stellplatzschlüssels von einem Stellplatz pro Wohnung können die notwendigen Stellplätze auch bei 24 Wohnungen ohne Tiefgarage hergestellt werden. Die Tiefgarage entspricht dem Wunsch vieler Wohninteressenten nach einem Garagenplatz.“ Dies habe zu einem Sinneswandel beim Investor geführt.

Außerdem weist er Bedenken zurück, wonach eine Tiefgarage gegen das Baumschutzgutachten verstößt: „Die Tiefgarage ist außerhalb des Wurzelbereichs der im Bebauungsplan festgesetzten, erhaltenswerten Bäume geplant und festgesetzt.“

Im November 2018 hatte Planer Joachim Elbe erklärt: „Wir können unter den Gebäuden keine Tiefgarage, sondern nur kleine Keller bauen, damit die Wurzelbereiche der Bäume nicht beeinträchtigt wird.“

Info:

Das Thema „Generationenhof“ wird auch den Rat der Stadt Ahaus am Donnerstag, 14. November, beschäftigen. An 15. Stelle steht auf der Tagesordnung: „Aufstellung des vorhabenbezogenen Bebauungsplans Nummer 20 – Generationenhof Schorlemer Straße – Planentwurfs- und Auslegungsbeschluss.“
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