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Zivis sind Mangelware

Werne Einst wurden sie als Drückeberger verunglimpft, dann lernte man ihr Engagement zu schätzen, heute sind sie in Werne absolute Mangelware und begehrt wie nie zuvor: Zivildienstleistende.

«Früher hatten wir 20 bis 30 Bewerbungen für unsere eine Zivildienststelle», berichtet die Leiterin der Familienbildungsstätte, Gabriele Kranemann, da habe man sich wirklich den besten Zivi heraussuchen können. Heute sei sie froh, wenn sie die Stelle überhaupt besetzen könne. In ihrer Not hat sie in der Presse sogar eine «Suchanzeige» geschaltet.

Rettungsdienst

Ähnlich sieht´s beim Rettungsdienst der Stadt Werne aus. Bis vor etwa einem Jahr waren die drei Zivi-Stellen derart begehrt, dass eine ellenlange Warteliste geführt werden musste. Ganz anders heute. «Die Dienstzeit der beiden letzten Zivildienstleistenden ist abgelaufen, und wir haben keine einzige Bewerbung vorliegen», weiß Egon Kock (Foto), Aufgabenbereichsleiter Öffentliche Sicherheit und Ordnung zu berichten.

Bis zum vergangenen Jahr war es laut Kock überhaupt kein Problem Zivis zu finden, insbesondere die Söhne von Ärzten und künftige Medizinstudenten wollten hier schon einmal Erfahrungen sammeln. Auch der eine oder andere «vorbelastete» Filius eines Feuerwehrmannes trachtete nach dem Dienst auf Rettungs- und Krankenwagen.

Akuter Zivi-Mangel herrscht ebenfalls im Seniorenzentrum Antonius. «Wir dürften eigentlich elf Zivis beschäftigen, tatsächlich haben wir zurzeit aber nur fünf. Und für den nächsten Einstellungstermin liegen uns bis jetzt erst zwei Bewerbungen vor», klagt auch Kerstin Conradi vom Sozialen Dienst des Seniorenzentrums - und dies, obwohl das Seniorenzentrum die Arbeitsbedingungen für die Zivis wesentlich verbessert habe.

Im Altenheim St. Katharina sind momentan zwei von neun Stellen frei, vor einigen Monaten waren sogar sieben unbesetzt.

Ausnahmen bilden die evangelische Kirchengemeinde und das Maltester-Seniorenzentrum in der Panhoff-Stiftung. «Die Stelle im Mobilen Sozialen Hilfsdienst ist durchgehend besetzt», freut sich Pfarrer Hartmut Marks. Für den nächsten Einstellungstermin am 1. August liegen bereits drei Bewerbungen vor.

Ähnlich der Tenor in der Panhoff-Stiftung. «Uns werden zwar nicht gerade die Türen eingerannt, aber für unsere drei Stellen haben wir fünf Anfragen», sagt Haus- und Pflegedienstleiterin Doreen Noll. Über die Ursache für den Zivi-Mangel kann nur spekuliert werden: «Mir wurde von jungen Leuten berichtet», so Gabriele Kranemann, «dass sie auf die Wehrdienstverweigerung verzichten, weil die Wahrscheinlichkeit, zum Bund eingezogen zu werden, äußerst gering ist. Dann müssen sie weder Zivildienst noch Wehrdienst leisten.»

Im Rettungsdienst und im Seniorenzentrum Antonius versuchen die Verantwortlichen, die Zivi-Lücke durch den Einsatz von Jahrespraktikanten aufzufangen, Gabriele Kranemann denkt ebenfalls über Alternativen nach.

Entwicklung absehbar

Konsequenzen hat bereits das St.-Christophorus-Krankenhaus gezogen. «Die Entwicklung war schon vor zwei Jahren absehbar», erklärt Geschäftsführer Michael Goldt (Foto oben), deshalb verzichte man inzwischen komplett auf den Einsatz von Zivis. zi-

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