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Noch viel mehr Schmierereien aufgetaucht

Graffiti-Problem in Werne

Nicht nur am Bahnhof und am Rewe-Supermarkt Symalla in Werne sind Graffiti mit kapitalkritischen Aussagen zu sehen. Mittlerweile sind mehrere Gebäude in der Stadt mit Schriftzügen wie „google Chemtrails“ oder „google Rohtschild“ beschmiert. In solch einer Häufung ist das einmalig in der Lippestadt.

Werne

von Andrea Wellerdiek

, 05.06.2018
Noch viel mehr Schmierereien aufgetaucht

Die Verantwortlichen des Rewe-Supermarktes Symalla haben die Schriftzüge gleich entfernen lassen. © Andrea Wellerdiek

Die Schmierereien mit kapitalkritischen Aussagen nehmen größere Ausmaße an als zunächst angenommen. Auch der Roggenmarkt blieb nicht verschont. Neben einem denkmalgeschützten Fachwerkhaus prangt ein Schriftzug auch an der Fassade des Geschäfts Party-Service Klimecki.

Fassade das zweite Mal beschmiert

„Ich finde es unmöglich, dass manche Menschen ihre politische Meinung auf die Weise vertreten, dass sie sie an Gebäude schmieren. Heute gibt es doch über Facebook oder so andere Möglichkeiten. Das würde keinem weh tun“, sagt Karl-Heinz Klimecki. Der Inhaber des Geschäfts hat den Schaden gleich am Montagmorgen bemerkt und bei der Polizei Anzeige erstattet.

Besonders ärgerlich ist die Schmiererei, weil Klimecki erst im vergangenen Jahr wegen Graffiti die Fassade hat streichen lassen. 350 Euro habe es gekostet. Geld, das der Unternehmer aus eigener Tasche bezahlt hat. Doch daraus hat er gelernt.

Neuer Schutz für die Fassade

Danach hat er die Gebäudeversicherung so erweitert, dass Schäden durch Graffiti auch inkludiert sind. Nun sind die Kosten für die Malerarbeiten - Klimecki schätzt sie dieses Mal auf 1000 Euro - über die Police abgedeckt. Klimecki möchte die Fassade, die zum zweiten Mal besprüht wurde, noch besser schützen.

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„Man kann einen Klarlack als Versiegelung auftragen, sodass man bei neuen Graffiti selbst mit einem Hochdruckreiniger alles entfernen könnte“, sagt er. Ob die Versicherung dies übernimmt, ist noch unklar. Klimecki rechnet mit zusätzlichen Kosten von 350 Euro. Zusätzlich hat er schon darüber nachgedacht, eine Videokamera zu installieren, „um abzuschrecken“, wie er sagt.

Entfernung innerhalb von zehn Tagen

Jährliche Kosten von 150 Millionen Euro verzeichnet die Deutsche Bahn durch Sachbeschädigungen durch Graffiti an ihren Gebäuden in Nordrhein-Westfalen. Wenn es sich um Schriftzüge handelt, die fremdenfeindlich, antisemitisch sind oder sich gegen religiös anders denkende Personen richten, greift die Deutsche Bahn sofort ein, um die Schäden zu beheben.

„Alle anderen Schriftzüge werden innerhalb von zehn Tagen entfernt. Dafür sind die Verantwortlichen in Wechselschichten unterwegs“, erklärt Bahnsprecher Thorsten Nehring. Das ist nun auch im Bahnhof in Werne der Fall. Bereits zehn Anzeigen sind bei der Polizei des Kreises Unna eingegangen, die nun ermittelt. Der Staatsschutz würde erst bei antisemitischen oder fremdenfeindlichen Aussagen übernehmen.

Mehrere Anzeigen bei der Polizei

Neben den Graffiti im Bahnhof und am Rewe-Supermarkt Symalla sind zwei Schriftzüge am Roggenmarkt sowie in der Tiefgarage zu sehen. Sachbeschädigungen wegen Graffiti wurden der Polizei ebenso an zwei Gebäuden an der Nahtstraße gemeldet sowie an vier Fahrzeugen.

Neben der bereits bekannten Schmiererei an der Claus-Stauffenberg-Straße (Lkw) kamen – wohl in der Nacht von Montag auf Dienstag – weitere Graffiti an einem Bus (Flöz-Zollverein-Straße), an einem Kleintransporter (Eick) sowie an einem Pkw (Ottostraße) hinzu.

Noch viel mehr Schmierereien aufgetaucht

Graffiti mit kapitalkritischen Aussagen waren am Montag noch am Rewe-Supermarkt in Werne zu sehen. © Andrea Wellerdiek

Denkmal am Roggenmarkt beschädigt

Ob es sich bei den nun gemeldeten Graffiti auch um dieselben Schriftzüge handelt, war am Dienstag noch unklar, teilte Vera Howanietz, Pressesprecherin der Polizei des Kreises Unna, mit. Auch ist noch nicht bekannt, ob das Besprühen des Denkmals Anton Ehringhausen damit im Zusammenhang steht. Die Ermittlungen laufen.

Um den oder die Täter zu überführen, bedarf es auch ein wenig Glück. Man müsse sie gleich bei der Tat erwischen. „Aber wenn wir jemanden überführen, dann lassen sich oft gleich eine Mehrzahl an Taten klären“, sagt Howanietz.

Immer mal wieder käme es in Werne zu Schmierereien durch Graffiti – doch noch nie zuvor in solch einer Häufung, so Thomas Röwekamp, Pressesprecher der Polizei des Kreises Unna.