Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

St. Christophorus: Allein zwischen 4500 Orgelpfeifen

Kirchen-Orgel

4500 Pfeifen lagen vor ihnen, am Mittwoch checkten die beiden Orgelbauer aus Kevelaer den letzten Ton. Die Reinigung der St.-Christophorus-Orgel war ein Mammutprojekt.

Werne

von Vanessa Trinkwald

, 27.06.2018
St. Christophorus: Allein zwischen 4500 Orgelpfeifen

Die letzten Töne werden nach sechs Wochen Arbeit intoniert. © Vanessa Trinkwald

Bei 4500 Orgelpfeifen könnte man mit irgendwelchen schlechten Wortspielen beginnen. Aber das würde der Arbeit, die hinter der Reinigung der Christophorus-Orgel steckt, wohl nicht gerecht werden. „Das war schon eine besonders große Orgel“, sagte Marco Ellmer am Mittwoch, als er gerade den letzten Ton gecheckt hatte – Trompete 4 F1. „Das war jetzt wirklich der letzte Ton“, bestätigte Ellmer noch einmal. Vielleicht konnte er es an diesem Mittwochmittag selbst kaum glauben.

Sechs Wochen lang war die Firma Orgelbau Seifert aus Kevelaer mit der Reinigung und Intonierung des riesigen Instrumentes beschäftigt. „Normalerweise“, sagte Orgelbauer Ellmer, „haben wir Orgeln mit 20 bis 40 Registern.“ Ganz anders St. Christophorus: 4500 Pfeifen – das sind etwa 80 Register. Pro Register – eine Pfeifenreihe mit gleichem Klang – zählt Kantor Hans-Joachim Wensing 55 Pfeifen.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Reinigung der Orgel in St. Christophorus

27.06.2018
/
Nach sechs Wochen Arbeit ging die Komplettreinigung der Christophorus-Orgel am Mittwoch zu Ende.© Vanessa Trinkwald
Nach sechs Wochen Arbeit ging die Komplettreinigung der Christophorus-Orgel am Mittwoch zu Ende.© Vanessa Trinkwald
Nach sechs Wochen Arbeit ging die Komplettreinigung der Christophorus-Orgel am Mittwoch zu Ende.© Vanessa Trinkwald
Nach sechs Wochen Arbeit ging die Komplettreinigung der Christophorus-Orgel am Mittwoch zu Ende.© Vanessa Trinkwald
Nach sechs Wochen Arbeit ging die Komplettreinigung der Christophorus-Orgel am Mittwoch zu Ende.© Vanessa Trinkwald
Nach sechs Wochen Arbeit ging die Komplettreinigung der Christophorus-Orgel am Mittwoch zu Ende.© Vanessa Trinkwald
Nach sechs Wochen Arbeit ging die Komplettreinigung der Christophorus-Orgel am Mittwoch zu Ende.© Vanessa Trinkwald
Nach sechs Wochen Arbeit ging die Komplettreinigung der Christophorus-Orgel am Mittwoch zu Ende.© Vanessa Trinkwald

Noch vor den Sommerferien, in der Vorabendmesse am 14. Juli, will die Gemeinde die Orgel wieder einweihen. „Da werde ich sie ein bisschen kitzeln“, kündigte Wensing an. Seine Stimme ging fast unter zwischen all den irrsinnig lauten Klängen, die durch den Kirchenraum hallten. Was Wensing hört, hört der Laie wohl nicht: „Sie klingt jetzt noch mal runder.“ Etwas besser noch als nach der letzten Maßnahme vor 20 Jahren.

Im Jahr 1918 wurde die Orgel von St. Christophorus fertiggestellt. In diesem Jahr wird sie 100 Jahre alt. „Zum Glück ist nie so richtig was drangekommen“, sagte Wensing. Und vielleicht hätte die Reinigungsmaßnahme auch noch gar nicht sein müssen, hätte der Putz von St. Christophorus die Pfeifen nicht verdreckt. „Der Putz ist durch Setzrisse heruntergekommen“, sagte Wensing. „Und wenn Putz in die Pfeifen fällt, macht er sie kaputt.“ Was dem Fachmann mit der Zeit klar war, dürfte der Kirchgänger während der Gottesdienste kaum gehört haben.

„Nicht nur duschen, sondern auch Haare schneiden“

Oben auf der Empore war der Klang am Mittwoch noch einmal intensiver. Bevor die Orgelbauer den letzten Ton anschlugen, tauchte Marco Ellmer komplett zwischen den Pfeifen ab. „Die beiden hatten sich hier eine richtige Werkstatt eingerichtet“, sagte Wensing. Die beiden – das sind Ellmer und Kollege Maximilian Paroth, der derweil an den Tasten Platz nahm. Und dann – nach all diesen irrsinnig lauten Minuten – war es plötzlich ruhig in der großen Stadtkirche. Das war’s. „Es hat Spaß gemacht. Aber nach so einem Projekt können wir auch gut wieder loslassen“, sagte Ellmer und grinste.

4500 Pfeifen in sechs Wochen gereinigt und intoniert. Ein Mammutprojekt, das am Mittwoch mit „Trompete 4 F1“ zu Ende ging. Kantor Hans-Joachim Wensing nahm wieder Platz auf dem kleinen Hocker vor dem großen Instrument. Ob er sich jetzt umgewöhnen müsse? „Das ist schon die alte Orgel geblieben. Aber in neuem Glanz“, sagte er und lachte. „Diese Reinigungsmaßnahme – das war nicht nur duschen, sondern auch Haare schneiden.“

Orgelkonzerte: In der zweiten Programm-Jahreshälfte der Stiftung Musica Sacra Westfalica wird die Christophorus-Orgel natürlich eine Rolle spielen. Etwa beim Orgelkonzert am 23. September um 17 Uhr mit Graham Barber aus Großbritannien. Das nächste Orgelkonzert steht dann am 14. Oktober ebenfalls um 17 Uhr an. Es spielt Jean-Luc Salique aus Frankreich. Der Eintritt ist jeweils frei, um Spenden wird gebeten.